Bürgerfrust und Staatsversagen Die Pannen-Republik

Produkte deutscher Bauern sind mit Dioxin vergiftet, die Bahn kapituliert vor der Kälte, Schüler leiden unter dem Bildungschaos. Es geht einiges schief im Land der Disziplinierten und Korrekten. Der Bürger ärgert sich über seinen Staat. Zu Recht?

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Reichstagsgebäude in Berlin: Geht im Staat etwas grundsätzlich schief?
dpa

Reichstagsgebäude in Berlin: Geht im Staat etwas grundsätzlich schief?

Berlin - Jetzt wollen selbst die Chinesen kein deutsches Schweinefleisch mehr. Die staatliche Behörde für Qualitätsaufsicht in Peking stoppte alle Einfuhren aus Deutschland. Ausgerechnet China. Wo doch die Deutschen so gern über den Hundeverzehr im Reich der Mitte spotten. Wie peinlich.

Gegenwärtig legt sich das sonst so oberkorrekte Deutschland ein neues Image zu: als Pannen-Republik.

Fleisch und Eier sind massenhaft mit Dioxin verseucht worden. Die Deutsche Bahn kapituliert. Wie einst die marode DDR-Wirtschaft hat das Staatsunternehmen vier Feinde: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Im Kampf ums beste Bildungssystem haben die Schul-Ideologen das Land seit Jahrzehnten fest im Griff, Gesamtschul-Experimente hier, starres Festhalten an der Hauptschule dort. Die Rechnung zahlen die Kinder. Und die Integration der Ausländer? Über Jahrzehnte schlicht verpennt. Die Folgekosten sind enorm. Bei Großprojekten wie Stuttgart 21 macht der Staat sein Ding, vorbei an den Bürgern.

Das bleibt nicht ohne Folgen für das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern.

Vier Fünftel der Deutschen sagten im ARD-Deutschlandtrend, dass wichtige Entscheidungen bei uns getroffen würden, ohne dass die Interessen der Menschen berücksichtigt sind. Und noch ein paar mehr finden, dass die meisten Politiker gar nicht wissen, was im wirklichen Leben abgeht.

Deutsches Staatsversagen.

Tatsächlich nur das?

Moment. Die Bürger sind nicht unschuldig an der Entwicklung. Sie haben die Politiker immer wieder in Wahlen bestätigt. Sie wollten meist einfach nur: ihre Ruhe. Lasst die da oben mal machen! Danach ist umso besser Meckern.

Denn wahr ist auch: Was in anderen westeuropäischen Ländern mit tiefer Gemütsruhe ertragen wird, lassen die korrekten Deutschen nicht durchgehen: Immer pünktlich muss sie sein, die Bahn. Und wehe, wenn nicht. Dann braucht es einen Schuldigen. Die Manager. Die Politiker. Aber nicht: das Wetter. Die Deutschen seien ein "hölzern pedantisches Volk", spottete einst Heinrich Heine über seine Landsleute.

Sind die Deutschen also nur zu streng? Oder geht im Staat wirklich etwas grundsätzlich schief? Wer ist verantwortlich für die Fehler, und wie schlimm sind sie wirklich? Eine Analyse.

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insgesamt 436 Beiträge
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Seite 1
Moewi 12.01.2011
1. Keine Macht den Titeln
---Zitat--- Moment. Die Bürger sind nicht unschuldig an der Entwicklung. Sie haben die Politiker immer wieder in Wahlen bestätigt. ---Zitatende--- Damit ist alles wichtige gesagt.
wintersommer, 12.01.2011
2. Auf Kante genäht
Wer alles auf Kante näht, und sparen muss weil kein Geld da ist (das Geld geht an Banken und die Verschuldung) braucht sich nicht wundern das es Pannen en Masse gibt. Von - Flughäfen (Schneeräumung, Enteisung) - Bahn (Wenige alte Wagen, keine beheizte Weichen,...) - Kindergärtenplätze - Rente - aktuell Lebensversicherungen.. Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie es sich anfühlt wenn ein Staat kein Geld mehr hat und seine Pflichten nicht mehr erfüllen kann : Genau so geht es los und weiter....
FTAASO 12.01.2011
3. -
BITTE... ---Zitat--- Die Deutsche Bahn kapituliert. Wie einst die marode DDR-Wirtschaft hat das Staatsunternehmen vier Feinde: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. ---Zitatende--- Ich weiß, dass das Leben als Journalist schwer ist - und gute Journalisten teuer. Aber ist das eine Entschuldigung, diesen URALTEN "Witz" immer wieder aufzukochen? Er war alt, als das "Schneechaos" begann. Aber damals noch zu ertragen. Inzwischen hat ihn jeder Volontär zig mal ins Web geblasen oder - ganz berauscht von der eigenen Originalität - auf Papier gerotzt. Allein hier auf der Website dürfte er in gefühlt 100 Artikeln und 10.000 Forenbeiträgen erzählt worden sein. Erst heute las ich diesen Ausbund an Fantasie in der Tageszeitung. Ehrlich, Kinder - lasst Euch doch mal was neues einfallen. Superoriginell wären doch drei Feinde: Sommer, Herbst und Winter, weil's im Frühjahr je noch am besten läuft... na, buaaahaha - ich kann mich kaum noch halten vor Lachen!
Hartmut Dresia, 12.01.2011
4. Soziale Marktwirtschaft
Zitat von sysopProdukte deutscher Bauern sind mit Dioxin vergiftet, die Bahn kapituliert vor der Kälte, Schüler leiden unter dem Bildungschaos. Es geht einiges schief im Land der Disziplinierten und Korrekten. Der Bürger ärgert sich über seinen Staat. Zu Recht? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738935,00.html
Privatisierungswahn und ein personell unterbesetzter öffentlicher Dienst führen zu diesen Missständen. Eine Rückkehr zu einer sozialen Marktwirtschaft in Demokratie und Freiheit wäre das Gebot der Stunde. “Wir sprechen von ‘Sozialer Marktwirtschaft’, um diese dritte wirtschaftspolitische Form zu kennzeichnen. Es bedeutet dies, dass uns die Marktwirtschaft notwendig als das tragende Gerüst der künftigen Wirtschaftsordnung erscheint, nur dass dies eben keine sich selbst überlassene liberale Marktwirtschaft, sondern eine bewusst gesteuerte, und zwar sozial gesteuerte Marktwirtschaft sein soll.” (http://www.plantor.de/2009/die-soziale-marktwirtschaft-liberal-und-sozial-erneuern/)
ridgleylisp 12.01.2011
5. Land der Disziplinierten und Korrekten?
Zitat von sysopProdukte deutscher Bauern sind mit Dioxin vergiftet, die Bahn kapituliert vor der Kälte, Schüler leiden unter dem Bildungschaos. Es geht einiges schief im Land der Disziplinierten und Korrekten. Der Bürger ärgert sich über seinen Staat. Zu Recht? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738935,00.html
Land der Disziplinierten und Korrekten? Das WAR wohl einmal! Könnte aber wieder sein. Es brauchte nur wieder ein bisschen Preußen. Nachtrag: Unter den Umständen wohl sehr viel Preußen.
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