Bulgarien Rechtsradikale bedrohen Journalisten von deutschem Verlag

Die radikalnationalistische bulgarische Ataka-Partei versucht Mitarbeiter der deutschen WAZ-Gruppe in dem Balkan-Land einzuschüchtern: Ein partei-naher Sender hat Namen und Adressen von Journalisten veröffentlicht - für ihre Sicherheit werde keine Gewährleistung übernommen, hieß es.


Wien/Sofia - Führende Mitarbeiter von Zeitungen der WAZ- Gruppe in Bulgarien sind nach Angaben des Verlags von Rechtsradikalen bedroht worden. Der Geschäftsführer der WAZ-Gruppe für Osteuropa, Andreas Rudas, bestätigte heute entsprechende Berichte. Zwei Chefredakteure seien von der radikalnationalistischen Ataka-Partei als "Handlanger deutscher und hebräischer Medien" bezeichnet worden, sagte Rudas. Ein der Ataka-Partei nahe stehender Fernsehsender habe jeweils Namen und Adresse der beiden mit Bild veröffentlicht und angegeben, für ihre Sicherheit keine Gewährleistung zu übernehmen. Rudas wertet dies als "scharfe persönliche Einschüchterung".

Unterdessen hat die Ataka nach Angaben eines Parteisprechers die Chefredakteure von zwei WAZ-Zeitungen in dem Balkan-Land wegen Verleumdung verklagt. Dabei handelt es sich um die Wochenzeitung "168 Tschassa" (168 Stunden) und die Tageszeitung "24 Tschassa" (24 Stunden), wie der Sprecher in Sofia sagte.

Hintergrund ist ein innenpolitisch umstrittener Beitrag in beiden Zeitungen, der laut Ataka "nicht bestätigte" Angaben enthalte. Aus Protest gegen den umstrittenen Artikel hatten Anhänger von Ataka am 23. Februar die Redaktionsräume beider WAZ-Ausgaben in Sofia gestürmt.

WAZ-Sprecher Rudas erklärte in Wien, die Verlagsleitung mische sich nicht in redaktionelle Inhalte und innenpolitische Auseinandersetzungen ein, solidarisiere sich aber uneingeschränkt mit den Redakteuren: "Für uns steht fest: Dies ist keine Art, wie man mit freien Medien umgeht. Dies ist massiv abzulehnen, egal aus welchem Grunde eine solche Intervention geschieht".

Die Essener Verlagsgruppe hat den Angaben zufolge mittlerweile gemeinsam mit der südosteuropäischen Medien-Organisation SMEE das bulgarische Innenministerium verständigt und die verantwortlichen europäischen Institutionen informiert. Die Ataka-Partei habe inzwischen ihre Aktivitäten ausgedehnt und auch den griechischen Inhaber eines bulgarischen TV-Senders auf antisemitische und ausländerfeindliche Weise angegriffen. Die WAZ-Gruppe fordert die bulgarische Politik auf, gegen die Verantwortlichen der Attacken vorzugehen.

Die Verlagsgruppe beschäftigt in Bulgarien bei den drei Zeitungen "24 Tschassa", "168 Tschassa" und "Dneven Trud" sowie kleineren Fachzeitungen nach Angaben Rudas' rund 250 Mitarbeiter.

Die Ataka-Partei ist in der Vergangenheit immer wieder mit Hetzparolen gegen Türken und Roma aufgefallen. Bei der Präsidentenwahl im vergangenen Oktober kam ihr Vorsitzender Wolen Siderow auf 25 Prozent der Stimmen, mussste sich aber dem mit 75 Prozent wiedergewählten Amtsinhaber Georgi Parwanow deutlich geschlagen geben.

hen/dpa



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