Bund der Steuerzahler "Jetzt treten wir Euch in den Arsch"

"Fein und vornehm" habe man früher gemahnt, sagt der Präsident des bayerischen Steuerzahlerbundes. Doch jetzt ist Schluss damit, Provokation ist angesagt: Mit einem Plakat will man die Politiker das Fürchten lehren - und irgendwie aber auch überzeugen.

Von , München


Der Baron muss sehr laut sprechen, denn dauernd brausen Lastwagen an ihm vorüber. "Soli abschaffen", hört man, "Relikt aus den Neunzigern". Weiter geht's: Die Schulden, die wüchsen "ins Unermessliche". Steuersenkungen seien "das beste Konjunkturprogramm". Und die Sache mit der Mehrwehrtsteuererhöhung aus dem Jahr 2006 darf natürlich auch nicht fehlen.

Bayerns Steuerzahler-Präsident von Hohenhau: "Jetzt treten wir Euch in den Arsch!"
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Bayerns Steuerzahler-Präsident von Hohenhau: "Jetzt treten wir Euch in den Arsch!"

Rolf Baron von Hohenhau kennt sich aus mit den Sünden der Großen Koalition. Der Mann ist nicht einfach der Präsident der bayerischen Filiale des Bundes der Steuerzahler - er ist dessen Verkörperung. Auf der Homepage des Vereins heißt es treffend, Hohenhau "bildet seit 1980 die Spitze des Bundes der Steuerzahler in Bayern e.V."

Und deshalb kennen die meisten Zuhörer das auch alles schon, was er an diesem Donnerstag an der vielbefahrenen Nymphenburger Straße in München berichtet. Nur die Idee mit dem Plakat ist neu. Und was für eins das ist. "Man muss ja auch mal provozieren", sagt ein Mitstreiter auf dem Fußweg. Deutschland sei doch "mittlerweile eine Bananenrepublik". Hohenhau sagt, dass ihn schon seit Jahren Mitglieder auffordern würden, "dieser Bundesregierung in den Arsch zu treten".

Nun denn, Rolf von Hohenhau will sich nicht länger bitten lassen. Jetzt werde man eben mal "etwas massiver".

Er dreht sich um und blickt auf die eingerüstete Hausfassade. Eine orangefarbene Plastebahn soll gelöst werden, damit dahinter die Provokation, das Plakat, erstrahlen kann. "Hallo!", ruft Hohenhau gegen den Lärm der Laster nach oben. Es könne jetzt losgehen. Aber nichts geht los. "Auf geht's", versucht es Hohenhau von unten.

Oben erscheint schließlich ein Helfer mit Messer, kappt die Halteseile. Und dann können es die Münchner sehen, auf acht mal acht Metern: "Liebe Bundesregierung, jetzt treten wir Euch in den Arsch!" Rechts darunter saust ein Jeans-Bein in Richtung eines stilisierten Frauenhinterns. "Wenn nötig, dann plakatieren wir das in der ganzen Stadt", sagt einer aus dem Verein.

Hohenhau sagt, dieser Spruch sei "eine Aufforderung zu demokratischem Handeln". Man wolle aufrütteln.

Den Wähler vielleicht? Mit welchem Ziel? "Das ist keine Aufforderung an den Wähler, sondern an die Politik, endlich zu handeln", erklärt Präsident von Hohenhau. Er wolle in die Parteien hineinwirken; in jene, die momentan in der Regierung säßen und die anderen, für die dies vielleicht bald gelte. Damit also die Parteien den "turn-around" schaffen.

Es lässt sich auch gleich gut an, die neue Kampagne wirkt bei Politikern. Zum Beispiel bei der SPD. "Dies ist eine unglaubliche Entgleisung und eine Verrohung des politischen Stils", sagt Bayerns SPD-Vize-Fraktionschef Thomas Beyer. Der Bund der Steuerzahler schüre "schlimme Vorurteile" und untergrabe die staatliche Autorität.

Hohenhau draußen auf der Nymphenburger Straße zeigt sich derweil beglückt über diesen ersten Erfolg. Offenbar verstehe die Politik "diese Sprache" besser als sachliche Argumente. Die habe man jahrelang "fein und vornehm" vorgetragen.

Aber jetzt soll damit Schluss sein. Der Bund der Steuerzahler - zumindest der in Bayern - kennt keine Gnade mehr. Leider kennt auch das anwesende Kamerateam keine Gnade mit Rolf von Hohenhau. Sie wollen, dass er den Arsch-Spruch direkt in die Kamera sagt. Okay, sagt Hohenhau. Nur vergisst er beim ersten Mal ein Wort. Und weil im Hintergrund ja das neue Plakat schimmert, sagt die Interviewerin: "Stopp, noch mal bitte".

Der Baron macht es also noch einmal. Dann noch einmal, weil er jetzt nicht in die Kamera geschaut hat. Und dann, ja tatsächlich, noch einmal und noch ein weiteres Mal. Dann erst sitzt es. Gelungene Aktion.



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