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Bundesagentur für Arbeit: Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen

Unterstützung für das überlastete Pflegepersonal: Die Bundesagentur für Arbeit will mehrere tausend Langzeitarbeitslose für einen Job in Heime vermitteln. Die neuen Arbeitskräfte sollen als Assistenten Demenzkranke betreuen.

Nürnberg/Berlin - Pflegeassistenten werden dringend gesucht - die Bundesagentur für Arbeit (BA) will nun Abhilfe schaffen und mehrere tausend Langzeitarbeitslose in Pflegeheime vermitteln. Sprecher der BA und des Bundesgesundheitsministeriums bestätigten am Samstag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).

Unterstützung für das Pflegepersonal: Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen
AP

Unterstützung für das Pflegepersonal: Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen

"Hier kann etwas Gutes geleistet werden", sagte ein BA-Sprecher. Nach einer Weiterbildung könnten die Menschen als Pflegeassistenten etwa Demenzkranken vorlesen oder auch für sie einkaufen gehen.

Die zusätzlichen Betreuungsstellen werden durch die seit dem 1. Juli geltende Reform der Pflegeversicherung möglich. Nach dem neuen Pflegegesetz dürfen Heime pro 25 Demenzkranke jeweils eine zusätzliche Pflegekraft einstellen; die Kosten tragen die Pflegekassen. Dadurch könnten bundesweit etwa 10.000 Stellen geschaffen werden. Das Programm soll am 1. September starten.

30.000 Langzeitarbeitslose kommen potenziell in Frage

Derzeit würden überall in Deutschland Bewerberpools gebildet, sagte eine BA-Sprecherin der SZ. Teilnehmen könne jeder, der sich für die Arbeit in einem Heim interessiere und für eine Weiterbildung in Frage komme.

Die Pflegeassistenten sollen keine regulären Pflegekräfte ersetzen, sondern nach Angaben beider Sprecher den Kranken das Leben im Alltag erleichtern. Laut BA sollen für Fortbildungen vor allem solche Bewerber ausgewählt werden, die bereits Erfahrungen mit Pflege haben.

Unter den gemeldeten Arbeitslosen seien etwa 30.000 mit entsprechender Qualifikation. Als langzeitarbeitslos gilt jeder, der mehr als zwölf Monate ohne Job ist.

"Man muss sich für diesen Beruf entscheiden"

Laut SZ trifft die Suche nach Pflegeassistenten auf Kritik. "Man kann nicht jeden in so einen Beruf schicken", sagte der als Pflegeexperte bekannte Buchautor Claus Fussek aus München der Zeitung. Dem Bericht zufolge sollen die Arbeitslosen offenbar nur eine Kurzausbildung erhalten. Ein Entwurf des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sehe 160 Stunden Unterricht und einige Praktika vor.

Vergleichbare Lehrgänge in der Vergangenheit hätten 900 Stunden Schulung umfasst, sagte ein Sprecher der Deutschen Alzheimergesellschaft. Der GKV-Spitzenverband soll laut der Zeitung die Richtlinien am Dienstag beschließen.

Pflegevertreter äußerten sich skeptisch: "Demenz gleichzusetzen mit Basteln, Vorlesen und Spazierengehen, ist eine Unverschämtheit", sagte Helmut Wallrafen-Dreisow, Mitglied des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe. Die Grünen-Pflegeexpertin im Bundestag, Elisabeth Scharfenberg, kritisierte: "Man muss sich für diesen Beruf entscheiden und kann nicht hinein-entschieden werden."

Im Vordergrund: Die Eignung der Bewerber

Unionsfraktionschef Volker Kauder verteidigte das Vorhaben, auch Langzeitarbeitslose für diese Tätigkeit einzusetzen. "Wenn die Menschen für diese Aufgabe qualifiziert sind, ist das in Ordnung", sagte Kauder der "Bild am Sonntag".

Auch der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) signalisierte Unterstützung: Im Vordergrund müsse aber die menschliche Eignung der Bewerber stehen und nicht ihre schwere Vermittelbarkeit, sagte er der SZ.

Der BA-Sprecher betonte, die Bundesagentur werde darauf achten, dass nur Arbeitslose für entsprechende Fortbildungen ausgewählt werden, die geeignet seien und "einen pflegenden Aspekt in ihrem Lebenslauf haben". Auch müssten die dafür infrage kommenden Jobsucher eine gewisse Neigung zu einer solchen Arbeit haben und mit Pflegebedürftigen umgehen können. Wie viele interessierte Arbeitslose sich bereits bei den Arbeitsagenturen oder Jobcentern gemeldet haben, konnte er nicht sagen.

han/dpa/Reuters/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 186 Beiträge
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1. hmmh .. find ich nicht gut
MarkH, 16.08.2008
Ich wohne in einer Stadt mit sehr hohem Durchschnittsalter (60 Jahre) und ohne industrielle Strukturen. Ich finde, man kann Menschen nicht dazu zwingen alte Leute zu betreuen. Sicherlich ..eine Frage der Nächstenliebe. Aber es werden immer weniger junge MEnschen immer mehr ältere ernähren müssen. So kann das nicht funktionieren. Man sollte Menschen in solchen Kommunen ein gedecktes Bürgergeld (Ausbildungsgrad, Deutscher Pass) zahlen, und sie dazu verpflichten einige Stunden in der Woche auf ältere Menschen aufzupassen .. aber dann muss es imho auch Möglichkeiten der freien Entscheidung und Lebensgestaltung für die Jungen geben. Unter Zwang funktioniert keine Altenbetreuung.
2.
dieMegamaschine, 16.08.2008
Dieser Vorschlag ist ja wohl ein Witz oder? Solche Politiker, die nicht mal dafür sorgen können, dass ordentliche Löhne gezahlt werden, die zum Leben reichen, wollen Langzeitarbeitslose zum Vorlesen und Einkaufen für Demenzkranke einsetzen. Diese Bürokraten sollten erstmal lesen, was Demenz überhaupt bedeutet. Ehrlich, dümmer geht's nicht. Und von denen wird man regiert. Das ist oberpeinlich. Naja, ich habe die nicht gewählt. Und ich hoffe, es werden in Zukunft noch mehr schlau. Es geht in der Pflege nicht um billige Scheinlösungen sondern um die Lösung der wahren Probleme. Ich habe selbst in einem Krankenhaus in der Pflegestation unhaltbare Zustände gesehen. Und das war Fachpersonal. Das ist unmenschlich und verantwortungslos! Darum sollten sich diese Politiker kümmern!
3. Demenz
Castaneda, 16.08.2008
Da sage ich nur "Viel Glück dabei, und Hals- und Beinbruch." Diese Idee, unausgebildete Kräfte auf Menschen mit diesem komplexen Krankheitsbild loszulassen, kann man nur vergessen.
4. schnapsidee
hans hoch, 16.08.2008
von solch frustierten menschen möchte ich meine eltern nicht pflegen lassen,noch möchte ich selbst mal von ihnen gepflegt werden.die leute haben doch selbst einen sack voll problemen am hals. wem ist denn diese schnapsidee eingefallen, der sollte wegen unfähigkeit entlassen oder abgestuft werden.
5. Weitere Möglichkeiten für Frohndienst
sonor70 16.08.2008
Sehr gut, wieder eine Möglichkeit um überzählige Arbeitskräfte in staatlichen Frohndienst zu überführen. Das wird denen eine Lehre sein die es gewagt haben, arbeitslos zu werden und nach längerer Arbeitslosigkeit, frecherweise weiterleben zu wollen. Ich warte schon auf den Tag, an dem Langzeitarbeitslose ihr verdientes Schicksal ereilt und sie in gemeinnützige Produkte integriert werden. Ein Vorschlag für einen geeigneten Produktnamen wäre "Soylent Green".
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