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Bundesbank-Hilfe bei Ölgeschäft: Das Rätsel um den deutschen Iran-Deal

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Empörung in den USA: Mit dem Segen der Bundesregierung half die Bundesbank Iran bei der Abwicklung eines Ölgeschäfts mit Indien. Die Umstände sind dubios. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll der Deal im Zusammenhang mit der Freilassung von zwei "Bild am Sonntag"-Reportern aus iranischer Haft stehen.

Ahmadinedschad, Westerwelle: Heikler Händedruck Zur Großansicht
AFP / President Office

Ahmadinedschad, Westerwelle: Heikler Händedruck

Berlin - Das umstrittene Engagement der Bundesbank bei einem Ölgeschäft zwischen Iran und Indien hat womöglich eine größere politische Brisanz als bisher bekannt. Wie es in Regierungskreisen in Berlin heißt, soll der Deal im Zusammenhang mit der Freilassung zweier Reporter der "Bild am Sonntag" aus iranischer Haft im Februar dieses Jahres stehen. Demnach soll die Bundesregierung die Hilfe der deutschen Zentralbank bei der iranisch-indischen Transaktion im Gegenzug für die Freilassung der beiden Deutschen gebilligt haben.

Offiziell äußerte sich die Bundesregierung auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zurückhaltend. Ein Zusammenhang wurde weder bestätigt noch dementiert. Auf die Frage, welche Rolle das indisch-iranische Ölgeschäft bei den Verhandlungen über die Freilassung der deutschen Reporter gespielt habe, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts: "Die Bundesregierung hat sich seit Beginn der Festnahme der beiden deutschen Journalisten im Oktober 2010 dafür eingesetzt, dass die beiden so rasch wie möglich nach Deutschland zurückkehren können." Der Sprecher verwies zudem auf die Aussagen von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nach der Rückkehr der Journalisten. Westerwelle dankte seinerzeit "allen, die an der Lösung dieses sehr komplizierten Falls mitgewirkt haben".

Dass Deutschland Iran dabei hilft, den Öl-Deal trotz Sanktionen gegen das Regime in Teheran abzuwickeln, ist hoch umstritten. Insbesondere für die transatlantischen Beziehungen stellt das Geschäft eine Belastungsprobe dar. Nicht erst seit die Bundesregierung sich im Uno-Sicherheitsrat in der Libyen-Frage enthielt, beäugen die USA den diplomatischen Kurs von Außenminister Guido Westerwelle kritisch. Auch die Haltung Berlins in der Debatte um das iranische Atomprogramm ist manchem in Washington zu weich. Der Öl-Deal wird als weiteres Indiz dafür gewertet, dass sich Deutschland immer weiter von seinem wichtigsten Verbündeten entfernt. Ein Vertreter des US-Finanzministeriums äußerte sich in der "New York Times" am Donnerstag "besorgt" über die Einwilligung der Bundesregierung in die Transaktion.

Zähe Verhandlungen

Westerwelle hatte die zwei deutschen Journalisten am 20. Februar nach mehr als 130 Tagen Haft persönlich in Teheran mit einer Regierungsmaschine abgeholt. Die iranischen Behörden hatten die 20-monatige Haftstrafe zuvor in eine Geldbuße von jeweils rund 36.500 Euro umgewandelt. Zudem verlangte das Regime in Teheran eine Entschuldigung des Springer-Verlags.

Als höchster, wenn auch symbolischer Preis aber galt bisher das persönliche Treffen Westerwelles mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der immer wieder öffentlich die Vernichtung Israels fordert. Der Vizekanzler nahm den heiklen Händedruck für das Wohl der Journalisten auf sich. "Es war kein Besuch, bei dem es große Verhandlungen gegeben hätte", erklärte Westerwelle im Anschluss.

In Regierungskreisen heißt es, im Hintergrund habe es weitere Gespräche mit dem wegen seines Atomprogramms international geächteten Regime in Teheran gegeben. Es ging dabei um eine Mittlerrolle der Bundesbank bei der Bezahlung iranischer Öllieferungen an Indien. Das Geld fließt von der indischen Zentralbank nach Frankfurt, von dort weiter an die umstrittene Europäisch-Iranische Handelsbank (EIHB) mit Sitz in Hamburg, die wiederum überweist nach Teheran.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Bundesregierung, das Geschäft sei eine von mehreren Optionen während der zähen Verhandlungen über die Freilassung der deutschen Journalisten gewesen. Am Ende habe die deutsche Seite die Genehmigung der Transaktion als akzeptabel bewertet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE erfolgte die Freigabe wenige Tage nach der Freilassung der Reporter. Um wie viel Geld es genau geht, ist unklar. Die Bundesregierung wollte sich offiziell nicht dazu äußern, wann und warum sie politisch grünes Licht für das Geschäft gegeben habe. "Zu einzelnen Transaktionen kann die Bundesregierung keine Stellung nehmen", sagte ein Regierungssprecher. Die Existenz der Transaktion hatte die Regierung am Montag nach einem Bericht des "Handelsblatts" bestätigt.

Streit über schwarze Liste

Das indisch-iranische Geschäft mit der Drehscheibe Deutschland bahnte sich schon seit Monaten an - unabhängig vom Fall der Journalisten. Die beiden "BamS"-Journalisten waren im Oktober 2010 in Iran festgesetzt worden, weil sie den Sohn der zum Tode verurteilten Iranerin Sakine Mohammad-Aschtiani interviewt hatten, obwohl sie nur mit einem Touristenvisum eingereist waren. Zu jener Zeit suchte Indien nach alternativen Finanzierungswegen für seine Geschäfte mit Iran, nachdem man die direkten Finanzbeziehungen mit Teheran abgebrochen hatte - auf Druck der USA.

Fündig wurde man in Deutschland, bei der EIHB und der Bundesbank. Im Januar und Februar berichteten indische Medien mehrfach über die offenbar komplizierten Verhandlungen. Anfang März schien die Lösung besiegelt. Es geht um viel Geld: Pro Jahr bezieht Indien Öl im Wert von rund zwölf Milliarden Dollar aus Iran. Die EIHB wollte sich zu dem Geschäft auf Anfrage nicht äußern. Die Bundesbank hatte Anfang der Woche erklärt, sie sei verpflichtet, die Zahlung eines Kontoinhabers auszuführen, die nach Vorschriften der EU zulässig sei.

Die Bundesregierung weist Kritik an der Bundesbank-Hilfe zurück: Die Iran-Sanktionsverordnung der EU sehe ein weitreichendes Monitoring von Finanzdienstleistungen mit Iran-Bezug vor, sagte ein Regierungssprecher. So bedürften Transaktionen mit einem Volumen von über 40.000 Euro grundsätzlich einer vorherigen Genehmigung. Diese könne versagt werden, "wenn hinreichende Anhaltspunkte für die Feststellung bestehen, dass die Transaktion im Zusammenhang mit proliferationsrelevanten Geschäften oder nach EU-Recht verbotenen Exporten steht". Ölgeschäfte seien von Sanktionen "grundsätzlich nicht erfasst", erklärte der Sprecher.

Die EIHB steht bislang auch nicht auf der schwarzen Liste der Europäischen Union. Zum Ärger der USA: Die Amerikaner verdächtigen Iran, über die EIHB die internationalen Sanktionen zu umgehen und Milliardengeschäfte mit Waffenfirmen und Unternehmen abzuwickeln, die sich an der Finanzierung des Atom- und Raketenprogramms beteiligen. Darum ist es seit September 2010 allen in den USA operierenden Banken untersagt, mit der EIHB Geschäfte zu machen.

Ein solches Verbot erwartet die US-Regierung auch von Deutschland und der EU. Ein Vertreter des US-Finanzministeriums wurde in der "New York Times" mit den Worten zitiert, man arbeite mit allen Verbündeten darauf hin, die EIHB zu isolieren. Noch Anfang Februar, also wenige Wochen vor Westerwelles Reise nach Teheran, forderten elf US-Senatoren den Außenminister in einem Protestbrief auf, gegen die EIHB vorzugehen. Westerwelle antwortete wenige Tage nach der glücklichen Heimkehr der Reporter nach Deutschland. Er versicherte den Senatoren, dass die EIHB "unter strenger Kontrolle" der Aufsichtsbehörden stehe. Der Brief ist auf den 1. März datiert.

Am gleichen Tag, so berichtete es der indische Ölminister dem indischen Unterhaus, seien ausstehende Zahlungen in Höhe von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar auf den Weg nach Iran gebracht worden.

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1. Bravo, Bild am Sonntag :/
Barath 01.04.2011
Zitat von sysopEmpörung in den USA: Mit dem Segen der Bundesregierung half die Bundesbank Iran bei der Abwicklung eines Öl-Geschäfts mit Indien. Die Umstände sind dubios. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll der Deal im Zusammenhang mit der Freilassung von zwei "Bild am Sonntag"-Reportern aus iranischer Haft stehen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754097,00.html
Aber wenigstens hatte die BILD darüber schön was zu berichten...
2. Empörung..
docker 01.04.2011
Zitat von sysopEmpörung in den USA: Mit dem Segen der Bundesregierung half die Bundesbank Iran bei der Abwicklung eines Öl-Geschäfts mit Indien. Die Umstände sind dubios. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll der Deal im Zusammenhang mit der Freilassung von zwei "Bild am Sonntag"-Reportern aus iranischer Haft stehen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754097,00.html
...von seiten der amerikanischen Regierung...Zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Der Spezialist Kissinger hat zu seiner Zeit (vielleicht auch heute noch) derart schräge Deals getätigt, dass die US Regierung für 100 Jahre schweigen sollte. Ansonsten ist Deutschland ein autonomer Staat und entscheidet nach eigenem Gusto.
3. Auftraggeber
avollmer 01.04.2011
Auf wessen Payroll steht der Mann, der dem "Verrückten von Teheran" die Hand schüttelt? Dem Mann, der Auren sieht und der im Auftrag Gottes handelt?
4. Empörung in Deutschland
anders_denker 01.04.2011
Zitat von sysopEmpörung in den USA: Mit dem Segen der Bundesregierung half die Bundesbank Iran bei der Abwicklung eines Öl-Geschäfts mit Indien. Die Umstände sind dubios. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll der Deal im Zusammenhang mit der Freilassung von zwei "Bild am Sonntag"-Reportern aus iranischer Haft stehen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754097,00.html
Müssen wir den USA immer in den Arsch kriechen. Wenn ichs mir mit jemandem versaue, darf ein anderer auch nichtmehr mit Ihm ein Bier trinken, oder was?
5. Wie neu...
mardas 01.04.2011
Huay! Deutschland lässt sich von einem menschenverachtenden diktatorischen Regime um Menschen erpressen. Wie neu... Wie üblich hilft Deutschland Unrechtsregimes mit individuellen Schicksalen. 2 Deutsche werden mal schnell eingefangen und solange die Umstände des Geschäfts geheimgehalten werden (Wikileaks muss hier bald schneller sein!), ist der Druck hoch, diese beiden freizulassen. Ohne den Dissidentenhandel mit der DDR wäre die DDR noch gut 5 Jahre früher bankrott gewesen. Und ein FJS hat ja auch mal einen Milliardenkredit vermittelt... Deutschlands Saubermann-Image ist ein Hoax. Indem man sich die Hände nicht schmutzig macht und keine Soldaten irgendwo hinschickt, macht man die schmutzigeren Geschäfte trotzdem. Deutschland steht ganz vorne in der Waffenexportierliste und hilft nicht zum ersten Mal einer Diktatur aus der Patsche. Schönes Deutschland... und so moralisch.
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Iran: Der Streit um das Atomprogramm

Irans Atomprogramm
Streit
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Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.


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