Bundesinnenministerium Käufer von Chemikalien werden polizeilich überprüft

Privatkunden, die bestimmte Chemikalien kaufen wollen, müssen damit rechnen, heimlich von der Polizei überprüft zu werden. Eine entsprechende Vereinbarung schloss das Bundesinnenministerium mit Handelsverbänden.


Hamburg - Mit dieser Überprüfung sollen potentielle Bombenbastler aufgespürt werden. Alle beteiligten Firmen sollen verdächtige Kunden an die Landeskriminalämter melden. Eine entsprechende Meldung des SPIEGEL bestätigte das Bundesinnenministerium.

Die Händler sollen die Gefahr nach einem bestimmten Raster beurteilen. Verdächtig machen sich etwa männliche Kunden, die keine Lieferadresse angeben und bar zahlen wollen. Allein das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein ist in den vergangenen Wochen schon drei Verdachtsanzeigen nachgegangen, die Käufer entpuppten sich allerdings als harmlos.

Während bislang nur Käufer von höherkonzentriertem Wasserstoffperoxid, Natriumchlorat, Kaliumchlorat und Kaliumperchlorat betroffen sind, will Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Vereinbarung möglichst schnell auf neun sogenannte Sprengstoffgrundstoffe ausdehnen. Das jedoch lehnen die Verbände ab. Ihrer Meinung nach werde zudem nur ein geringer Teil der Händler erfasst. "Manche der Stoffe gibt es schließlich auch im Baumarkt oder beim Friseur", kritisiert Ralph Alberti, Geschäftsführer des Verbands Chemiehandel.

Auch jener Online-Händler, der im vergangenen Jahr drei mutmaßliche Terroristen im Sauerland mit über 700 Kilogramm Wasserstoffperoxid versorgte, sei kein Verbandsmitglied gewesen.

cai/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.