Geheimdienste USA platzierten offenbar Abhörwanze im Kanzleramt

Hat ein US-Geheimdienst während der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder einen deutschen Top-Diplomaten abgehört? Der frühere Mitarbeiter berichtet im SPIEGEL, wie er einst in seinem Telefon im Kanzleramt eine Wanze entdeckte.

Sicherheitspolitischer Berater Steiner (links), Kanzler Schröder (November 2001) im neuen Kanzleramt in Berlin: "Es war eine Wanze."
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Sicherheitspolitischer Berater Steiner (links), Kanzler Schröder (November 2001) im neuen Kanzleramt in Berlin: "Es war eine Wanze."


Die USA haben offenbar den ehemaligen außenpolitischen Berater von Kanzler Gerhard Schröder, Michael Steiner, mit einer Abhörwanze in seinem Telefon im Kanzleramt abgehört. Der ehemalige Top-Diplomat berichtete im Gespräch mit dem SPIEGEL, er habe im Kanzleramt den Hörer seines Telefons aufgeschraubt. "Im Hörer war ein komisches kleines Teil befestigt. Es war eine Wanze, die da offenbar schon seit langer Zeit lagerte", sagte Steiner und fügte hinzu: "Es gab Hinweise, dass die Wanze von grundsätzlich freundlich gesinnten Mächten in meinen Hörer gewandert ist."

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Heft 36/2015
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Auf die Frage, wie er auf die Nachricht reagiert habe, dass er von den USA abgehört wurde, sagte Steiner: "Ich habe es allen mitgeteilt, die es wissen mussten." Er selbst sei "stinksauer" gewesen, so Steiner zum SPIEGEL. Der heute 65-jährige Steiner war einer der hochrangigen deutschen Diplomaten. Vor seiner Pensionierung im Sommer dieses Jahres war er Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Indien und lebt jetzt in Berlin.

Belastungen wegen Geheimdiensttätigkeit

Die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland sind wegen der Spionagetätigkeit der NSA seit Monaten belastet. Nach einem früheren SPIEGEL-Bericht soll der US-Geheimdienst das Handy von Kanzlerin Angela Merkel abgehört haben. Zuletzt hatte es auch Berichte über mutmaßliche Abhöraktionen der NSA in deutschen Ministerien gegeben. Dabei soll das Handy des heutigen Außenministers Frank-Walter Steinmeier auf einer Liste mit Telefonnummern gestanden haben.

Zudem erhob in diesem Sommer der Generalbundesanwalt im Fall eines CIA-Agenten beim Bundesnachrichtendienst (BND) Anklage vor dem Oberlandesgericht München. Die Karlsruher Ermittler werfen dem BND-Mitarbeiter Markus R. Landesverrat in zwei Fällen vor. Er soll über Jahre hinweg teilweise streng geheime Dokumente des deutschen Auslandsnachrichtendienstes BND an den US-Geheimdienst CIA weitergeleitet haben.

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insgesamt 51 Beiträge
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PowlPoods 28.08.2015
1. Die
Erkenntnisse, die fremde Mächte bei deutschen Politikern gewinnen, dürften eher sofort in die Mülltonne wandern. Wenn man sich diese armseligen Gestalten so anschaut, kann da kaum was Gehaltvolles dabei gewesen sein. Wir wählen aussschliesslich Hasenhirne in die Regierung. Seit Jahrzehnten.
braindead0815 28.08.2015
2. was nicht alles unternommen wird
damit es so aussieht, als wäre man ohne wissen abgehört worden.
piccolo-mini 28.08.2015
3. Strafrechtliche Ermittlungen
sollten vielleicht mal folgen...
tharian 28.08.2015
4. hasenhirne?
Sie tun den durchaus pussierlichen Tierchen unrecht.
Katzazi 28.08.2015
5.
Irgendwie gruselig, wenn man beim Lesen einer derartigen Überschrift sich nicht mehr über den Inhalt wundert oder schockiert ist, sondern grübelnd feststellt, dass diese Überschrift SPON noch nicht mal mehr eine Eilmeldung wert ist ...
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