Umfrage in Bundesländern Keine weiteren Ankerzentren geplant

Die Ankerzentren für Flüchtlinge waren Teil von Horst Seehofers "Masterplan Migration". Obwohl kein weiteres Bundesland ein solches Zentrum plant, spricht der Innenminister von einem Erfolg.

Ankerzentrum in Bamberg
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Ankerzentrum in Bamberg


In Deutschland werden vorerst keine weiteren der umstrittenen Ankerzentren für Flüchtlinge entstehen. Der Deutschen Presse-Agentur zufolge plant derzeit keines der Bundesländer, die auf eine Agentur-Umfrage antworteten, ein solches Zentrum.

Die Einrichtung ist grundsätzlich im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbart. Die ersten sieben Zentren waren in Bayern im August an den Start gegangen, nur Sachsen und das Saarland folgten mit Zentren in Dresden und Lebach bisher der Idee.

Das Wort Anker steht für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Alle wichtigen Behörden sollen dort vertreten sein; kurze Wege sollen die Asylverfahren beschleunigen. Die meisten Länder verweisen darauf, dass sie Einrichtungen mit vergleichbaren Strukturen haben - ohne das Etikett Ankerzentrum.

Innenminister Horst Seehofer (CSU), der die Zentren in seinem "Masterplan Migration" entworfen hatte, nahm bei der Innenministerkonferenz Ende November selbst den Druck heraus: Man könne endlos über das Türschild streiten - oder sagen: "Wir haben einen totalen Konsens in der Funktion dieser Einrichtungen."

Sein Ministerium nennt die bisher eingerichteten Ankerzentren gleichwohl einen Erfolg. "Die ersten Erfahrungen vor Ort zeigen, dass sich die Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden unter einem Dach bewährt und mit großem Engagement umgesetzt wird", teilte Seehofers Ministerium mit.

Die Reaktionen der Bundesländer im Überblick:

  • Die Innenministerkonferenz habe gezeigt, dass Bund und Länder beim Thema Weiterentwicklung der Aufnahmeeinrichtungen an einem Strang ziehen, sagte Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) danach. Die Struktur der Ankunftszentren in Schleswig-Holstein erfülle bereits weitgehend die gewünschten Anforderungen.
  • Das niedersächsische Innenministerium verwies darauf, dass in den Ankunftszentren in Bad Fallingbostel in der Lüneburger Heide und Bramsche bei Osnabrück alle maßgeblichen Behörden vertreten seien. "Hier passiert also schon seit Längerem, was sich Herr Seehofer für die Ankerzentren wünscht, nach unserer Einschätzung sogar mehr und besser", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).
  • Nordrhein-Westfalen beteiligt sich weiter nicht an dem Pilotprojekt. Der "richtige Grundgedanke", alle Akteure des Asylverfahrens im Sinne der Beschleunigung in beide Richtungen zu vernetzen, werde in NRW bereits umgesetzt, heißt es im FDP-geführten Flüchtlingsministerium.
  • Brandenburgs SPD-Innenminister Karl-Heinz Schröter zeigte sich offen für Ankerzentren. Die mitregierende Linkspartei hat aber Vorbehalte. Fraktionschef Ralf Christoffers hatte erklärt, solche Zentren seien aus Sicht seiner Partei grundgesetzwidrig.
  • Sachsen-Anhalt hält an seinem Standpunkt fest, mit seiner Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt fast alle Funktionen eines Ankerzentrums zu bündeln. Ein Konzept sehe den Ausbau eines zweiten Standorts in Stendal vor. Eine Änderung sei nicht geplant.
  • Aus Hamburg heißt es, es gebe mit dem 2016 eröffneten und inzwischen um einige Komponenten erweiterten Ankunftszentrum praktisch ein funktionsgleiches Äquivalent. Auch Mecklenburg-Vorpommern verfügt nach eigenen Angaben mit seiner Erstaufnahmeeinrichtung in Nostorf Horst über eine Einrichtung ähnlich den bayerischen Ankerzentren.
  • In Hessen hatte es schon früher geheißen, die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen erfülle alle Funktionen, die ein Ankerzentrum ausmache. Sie bleibe so, wie sie ist - es werde weder an dem Konzept noch an dem Namen der Einrichtung etwas geändert.
  • Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat Ankerzentren von Anfang an abgelehnt. Sie sieht das Modell einer integrierten Erstaufnahme mit allen beteiligten Stellen unter einem Dach auch in Rheinland-Pfalz schon erfolgreich umgesetzt. Auch Bremen, Berlin und Thüringen hatten schon früh abgelehnt, Ankerzentren einzurichten.
Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

cte/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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claus7447 09.01.2019
1. Horsties Märchenstunden
Mich wundert nur, dass auch innerhalb der CDU niemand gegen die dauerhaften Placebopackungen protestiert. Nichts hat Seehofer bisher hinbekommen. Verträge mit Österreich, Spanien die das Papier nicht wert sind. Italien liegt dort in der Schublade. Ankerzentren, keiner will sie richtig, Es passt zu dem CSU 0-Nummern Maut, Grenzolizei, Herdprämie, Diesel, Funkloch.
zeisig 09.01.2019
2. Zumindest teilweise ein Erfolg.
Seehofer kümmert sich, er tut was, er gibt Anregungen. Daß diese Vorschläge nun nicht in jedem Bundesland aufgegriffen werden, liegt in der Natur der Sache, fahren doch rot-grüne Regierungen oft einen anderen Kurs als der Innenminister.
tinnytim 09.01.2019
3.
Zitat von zeisigSeehofer kümmert sich, er tut was, er gibt Anregungen. Daß diese Vorschläge nun nicht in jedem Bundesland aufgegriffen werden, liegt in der Natur der Sache, fahren doch rot-grüne Regierungen oft einen anderen Kurs als der Innenminister.
In welchem Jahrzehnt haben Sie denn das letzte Mal einen Blick auf die politische Zusammensetzung der Landesregierungen der Bundesrepublik geworfen? Es gibt nicht mal eine einzige Rot-Grüne Regierung zur Zeit.
tinnytim 09.01.2019
4. Korrektur
Zitat von tinnytimIn welchem Jahrzehnt haben Sie denn das letzte Mal einen Blick auf die politische Zusammensetzung der Landesregierungen der Bundesrepublik geworfen? Es gibt nicht mal eine einzige Rot-Grüne Regierung zur Zeit.
Ok, ich habe Hamburg und Bremen übersehen, mein Fehler..
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