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Öko-Tabelle der Bundesliga: Werder Bremen Deutscher Meister, 96 steigt ab

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EEG-Tabelle: Erste Fußball-Umweltliga Fotos
imago

Pünktlich zum letzten Bundesliga-Spieltag haben die Grünen eine etwas andere Fußballtabelle erstellt. Alle 18 Erstligavereine wurden in einem Ökoenergie-Ranking bewertet - mit überraschenden Ergebnissen.

Am Samstag hängt halb Deutschland mal wieder vor dem Fernseher. Die Bundesliga ruft zum Saisonfinale und obwohl in der Abstiegszone und auf den Euroleague-Plätzen wohl noch einiges passieren wird, steht der Meister längst schon fest. Bayern München holt sich die Schale. Wie eigentlich fast immer.

Wirklich?

Die Grünen haben pünktlich zum letzten Spieltag eine recht clevere Idee gehabt und mal eine Bundesliga-Tabelle der etwas anderen Art erstellt: Die "Erneuerbare-Energien-Bundesligatabelle". Der Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer, Vize-Fraktionschef im Bundestag, fragte bei allen 18 Bundesligisten nach ihrer Ökobilanz: Wie hoch ist der Ökostrom-Anteil des Vereins, gibt es Photovoltaikanlagen auf dem Stadiondach oder Wärmepumpen im Trainingszentrum? Was wird für die Effizienz getan? (Hier sehen Sie die Ergebnisse im Detail).

Die Liste stellt nicht nur die sportliche Realität auf den Kopf, sie konterkariert auch so manche Vorstellung über die Umweltbilanz der Profiklubs. Die Bayern sind mal nicht Meister, sondern liegen auf Platz elf und damit im Mittelfeld. Der vermeintlich grüne SC Freiburg mit seinem kleinen Stadion in der alternativen Studentenstadt ist - anders als man denken könnte - nicht auf Platz eins, sondern nur auf Platz sieben. Der VfB aus der Autostadt Stuttgart trotzt dem Klischee und ist Öko-Vizemeister.

Sportlich top, ökologisch flop

Einige Ergebnisse decken sich hingegen ungefähr mit den Erwartungen: Der tatsächliche Tabellenvierte aus Leverkusen, der den Chemieriesen Bayer sogar im Vereinsnamen trägt, landet im Öko-Tabellenkeller; ebenso der vom Autobauer VW gesponserte VfL Wolfsburg. 96 kämpft in der Realität um den Klassenerhalt. Im alternativen Ranking sind die Hannoveraner als Letzter schon abgestiegen, auch weil sie sich nicht zu ihrem Ökostrom-Anteil äußerten.

Aber wie kommt es, dass ausgerechnet Werder Bremen EEG-Meister der Bundesliga ist - und zwar mit gehörigem Abstand vor Stuttgart und Hoffenheim? Für die Erhebung fragte der Grünen-Parlamentarier Krischer zunächst die Vereine nach Erneuerbare-Energien-Anlagen und dem Anteil von Ökostrom am Energieverbrauch des Klubs. Die Selbstauskünfte wurden ergänzt mit Informationen der Initiative "Nachhaltigkeit im Fußball" und aus dem "Bundesliga Umweltreport". Wenn weder der Verein noch andere Quellen Daten lieferten, gab es null Punkte.

Die Ergebnisse wurden unterschiedlich gewichtet: Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke und Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung sind besonders wichtig, sie machen 60 Prozent des Gesamtergebnisses aus und wurden mit bis zu 18 Punkten bewertet. 20 Prozent der Bewertung entfallen jeweils auf den Ökostrom-Anteil des Vereins und Bemühungen um mehr Energieeffizienz, etwa Stromsparmaßnahmen und Umweltzertifikate. Für diese Kategorien gab es bis zu zwei Punkte.

200.000 Solarzellen auf dem Vereinsgelände

Werder schnitt gut ab. Allein die 200.000 Solarzellen auf dem Vereinsgelände nehmen so viel Platz ein wie zwei Fußballfelder, zudem bezieht der Klub seinen Strom ausschließlich aus Erneuerbaren Energiequellen. So kommen die Bremer auf 11,04 Punkte im Umweltranking - und haben damit als einziger Klub ein zweistelliges Ergebnis.

Krischer ist mit dem Ergebnis seiner Recherchen zufrieden. Kein Wunder, ist doch das Ergebnis eine perfekte PR für seine politischen Ziele. "Die deutschen Fußballstadien sind nicht nur ein Magnet für sportbegeisterte Menschen im ganzen Land, sondern auch Aushängeschild für die Energiewende", sagt er. "Es ist erfreulich, wie stark die Bundesligavereine auf dem Gebiet Erneuerbare Nachhaltigkeit und Effizienz punkten."

Der Grüne hofft auf eine Art Vorbildfunktion der Fußballvereine für das Großprojekt Energiewende. "Wie der Fußball, so ist auch die Energiewende ein Mannschaftssport", sagt Krischer. "Nur mit der tatkräftigen Unterstützung und Beteiligung möglichst vieler Menschen im Land an Erneuerbaren-Projekten bleibt die Energiewende erfolgreich."

Platz Verein EE-Anlagen Effizienz Ökostrom Gesamt
1 Bremen 17,4 1 2 11,04
2 Stuttgart 13 1 2 8,4
3 Hoffenheim 10,8 2 1 7,08
4 Dortmund 9,6 1 2 6,36
5 Mainz 9 2 1 6
6 Paderborn 8,4 2 2 5,84
7 Freiburg 7,8 2 2 5,48
8 Schalke 7,2 2 0 (k.A.) 4,72
9 M'gladbach 6,8 2 1 4,68
10 FC Augsburg 6 2 2 4,4
11 FC Bayern 6 2 1 4,2
12 Köln 5,4 1 1 3,64
13 Wolfsburg 0 2 2 0,8
14 E. Frankfurt 0 2 2 0,8
15 HSV 0 2 2 0,8
16 Hertha 0 2 2 0,8
17 Leverkusen 0 2 2 0,8
18 Hannover 0 1 0 (k.A.) 0,2


Quelle: Grüne Bundestagsfraktion/Oliver Krischer


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1.
cs01 22.05.2015
Zitat: "Im alternativen Ranking sind die Hannoveraner als Letzter schon abgestiegen, auch weil sie sich nicht zu ihren Ökostrom-Anteil äußerten." Bloß weil sie nicht mit einem Abgeordneten der Grünen redeten, der meint, alle müssen springen, wenn er pfeift, wird behauptet, sie seinen der unökölogischste Verein, Ich wünsche den Westpeinern ja den Abstieg, aber hier werden sie zu unrecht angegangen.
2. Werder? Und die Wiesenhof-Hähnchen?
Litpop 22.05.2015
Öko ohne Ethik? Wer mit dem Logo eines berüchtigten Massentierhalters wirbt und große Einnahmen erzielt, sollte nicht an der Spitze eines solchen Rankings stehen. Bei der Stiftung Warentest gibt es da dieses Sternchen mit Erläuterung "führt zur Abwertung"...
3. die Grünen...Die
nachtmacher 22.05.2015
wenn die jetzt auch noch anfangen den Deutschen ihren Fußball zu vermiesen, dann brauchen sich die Grünlinge nicht wundern, dass sie nur noch als Nervensägen wahrgenommen werden. Erhobener moralischer "IS-Finger", aber selber gut leben wollen... als nächstes gibts dann Öko-Punkte in der Tabelle dazu oder am besten wäre, dass bei einem Unentschieden auf dem Platz der Sieger gemäß Energieeffizienz ermittelt wird. Möglich wäre auch den CO2-Verbrauch der Spieler zu begrenzen.... jeden tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben... mittlerweile nervts nur noch, denn auch der letzte hat kapiert, dass irgendwo am Ende der tollen Ideologie der eigene geldbeutel geplündert werden soll.
4. Ökologisch - was heißt das nur?
frankfreifrank 22.05.2015
Fußball - Treten, Stoßen, Reißen, Beißen, Schlagen mit oder ohne Ball und vielen, vielen Nebenkosten, die die Öffentlichkeit in allen Ländern aufbringen muss - ist doch sso was von un-öjkoloigsch injedr Beziehung, dass ich mir ein solches Tabellenrechnen nur als Schön-Rednerei von Übelkeiten erklären kann.
5. ganz ehrlich
johnboy 22.05.2015
Zitat von LitpopÖko ohne Ethik? Wer mit dem Logo eines berüchtigten Massentierhalters wirbt und große Einnahmen erzielt, sollte nicht an der Spitze eines solchen Rankings stehen. Bei der Stiftung Warentest gibt es da dieses Sternchen mit Erläuterung "führt zur Abwertung"...
das habe ich, obwohl werden fan und landwirtschaftsnah, im ersten moment auch gedacht.... passt irgedwie nicht zusammen, spiegelt aber m.e. genau das allgemeine nachhaltigkeitsverhalten unserer gesellschaft wieder - da ist eine öko banane aus ecuador plötzlich ökologisch hochwertiger als ein einheimischer apfel - hier wird butter aus neuseeland gekauft und gleichzeitig käse nach china exportiert usw. usw. usw. das stimmt doch was nicht
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