Geheimdienste BND zu "langweilig" - ehemaliger Mitarbeiter gesteht Spitzeltätigkeit für CIA

"Bei der CIA konnte man sich beweisen": Ein früherer BND-Mitarbeiter hat zugegeben, für den amerikanischen Geheimdienst spioniert zu haben. Der Grund: Am eigenen Arbeitsplatz sei er unterfordert gewesen.

BND-Standort in Pullach: "Da hat man mir nichts zugetraut"
REUTERS

BND-Standort in Pullach: "Da hat man mir nichts zugetraut"


"Im BND hatte ich den Eindruck: Da hat man mir nichts zugetraut", sagte Markus R. und fügte hinzu: "Bei der CIA war das halt anders. Da konnte man sich beweisen." Der Angeklagte gab zu: "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht gefallen hätte."

Der frühere Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) hat damit vor dem Münchner Oberlandesgericht eine Spitzeltätigkeit für den US-Geheimdienst CIA zugegeben. Der 32-Jährige begründete dies zu Prozessbeginn am Montag mit Frust, Langeweile, Unzufriedenheit und Unterforderung an seinem Arbeitsplatz. Zu den einzelnen Anklagepunkten nahm er zunächst nicht Stellung.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Angeklagten Spionage für den US-Geheimdienst CIA sowie für den russischen Geheimdienst vor. Zwischen Mai 2008 und Mitte 2014 soll der gelernte Bürokaufmann als BND-Mitarbeiter geheime Dokumente und Informationen weitergegeben und dafür Geld bekommen haben.

Im Juli 2014 festgenommen

Der Mann war im Juli 2014 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihm werden Landesverrat, die Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit vorgeworfen. Im Rahmen der Ermittlungen räumte der Angeklagte die Taten bereits ein. Seine Verteidiger kündigten zu Beginn des Prozesses an, ihr Mandant werde sowohl zur Person als auch zur Sache aussagen.

Der Fall hatte 2014 für großes Aufsehen gesorgt. Eine Folge war, dass der damals höchste Geheimdienstvertreter der USA in Deutschland ausreisen musste. Vor dem 8. Strafsenat sind zunächst 24 Verhandlungstage bis zum 15. März 2016 vorgesehen.

Der Angeklagte war seit 1. Dezember 2007 Mitarbeiter des BND und soll seit 2008 Dokumente und interne Informationen über Arbeit und Personal des BND an die CIA geliefert und dafür über die Jahre hinweg mindestens 95.000 Euro erhalten haben. Die Nachrichten habe er in immer kleineren Abständen versandt, in den letzten beiden Jahren etwa im Wochenrhythmus, sagte Bundesanwalt Wolfgang Siegmund.

Als "streng geheim" eingestuft

Die verratenen Dokumente waren bis zum Geheimhaltungsgrad "streng geheim" eingestuft. Darunter war offenbar auch eine Liste mit Decknamen und echten Identitäten deutscher Agenten im Ausland: In der Anklage heißt es, Markus R. habe eine "Personal- und Organisationsdatenbank" an die CIA übergeben, mit umfangreichen Datensätzen "sämtlicher aktuellen und zahlreicher früheren Mitarbeiter" der Abteilung "Einsatzgebiete Auslandsbeziehungen".

Mitte 2014 soll der Angeklagte außerdem versucht haben, sich dem russischen Geheimdienst anzudienen, und dabei drei BND-Dokumente an das russische Generalkonsulat in München übergeben haben. Wegen dieser Mail, die er unverschlüsselt übermittelte, flog er auf.

Ein Gerichtspsychiater wurde beauftragt, den Mann zu begutachten. Dieser erzählte zu Prozessbeginn, in seiner Kindheit und Jugend ein Einzelgänger gewesen zu sein. Wegen eines Impfschadens besuchte er einen Kindergarten, Schulen und Ausbildungsstätten für körperbehinderte Menschen. Zum BND sei er rein zufällig gekommen: Er habe damals Blindbewerbungen an viele Behörden und Firmen geschickt.

Auf Landesverrat steht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. In besonders schweren Fällen liegt die Strafe laut Strafgesetzbuch bei mindestens fünf Jahren und reicht bis lebenslang.

kev/dpa/Reuters

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
russiahastostopit, 16.11.2015
1. soll der gelernte Bürokaufmann ...
Ich hoffe doch inständig, dass "Bürokaufmann" nur eine Legende ist.
pegasus2012 16.11.2015
2. Skandal! U-Haft seit Juni 2014
Jemanden fast 1 1/2 Jahre in U-Haft zu halten ist nicht diskussionswürdig?
windpillow 16.11.2015
3. Ab sofort BND-Bonus:
Ab sofort bekommen alle BND-Mitarbeiter täglich frische Blümchen an den Schreibtisch, Lieblingsessen, soviel man will und abends Mädchen nach Hause, auch soviel wie man will -und natürlich alles kostenlos.
roby 16.11.2015
4. Er tat nur, was der BND eh schon tut....
...wie kann er verurteilt werden, wenn der BND im Gesamten nichts anderes tut..... ??
Phallus_Dei 16.11.2015
5.
"Wegen dieser Mail, die er _unverschlüsselt_ übermittelte, flog er auf." Gibt es beim BND denn keinerlei Grundlagenschulungen in IT-Sicherheit und kryptografischer Kommunikation?
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