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Bundesparteitag FDP-Spitze fürchtet Schlammschlacht um Westerwelle

Guido Westerwelle: "Eine Frage der Ehre"Zur Großansicht
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Guido Westerwelle: "Eine Frage der Ehre"

Die FDP kommt nicht zur Ruhe: Vizefraktionschef Martin Lindner sorgt mit einem Vorstoß über die Zukunft von Guido Westerwelle kurz vor dem Bundesparteitag für Aufregung. Doch der neue Vorsitzende Rösler will eine Abrechnung mit dem Außenminister um jeden Preis verhindern.

Berlin - Zehn Jahre hat Guido Westerwelle dieses Amt bekleidet, er hat die FDP zu Höhenflügen geführt, zuletzt ins tiefe Tal. Seine Zeit ist abgelaufen, am Freitag wird Westerwelle auf dem Bundesparteitag in Rostock seine letzte Rede als Vorsitzender halten.

Danach wird es, wie üblich, eine allgemeine Aussprache geben. Doch die könnte zur Abrechnung mit dem Außenminister geraten. Der Frust bei Teilen der Liberalen über ihren scheidenden Chef sitzt tief. Schon am vergangenen Wochenende auf dem Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen hatten manche Delegierte kaum ein gutes Haar an Westerwelle gelassen.

Am Mittwoch ging der neu gewählte Vizefraktionschef der Bundestagsfraktion, Martin Lindner, in die Offensive - und verlangte auf SPIEGEL ONLINE, der Bundesparteitag solle mit einem Antrag über den Verbleib Westerwelles im Amt des Außenministers entscheiden. "Der Bundesparteitag fordert Guido Westerwelle auf, sein Amt als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland fortzusetzen", könne eine Formulierung lauten. Das könne als Dringlichkeitsantrag geschehen.

Lindners Vorstoß sorgt für mächtig Ärger. Teile der Fraktion sind stocksauer auf ihn - in der Landesgruppe NRW und in der Landesgruppe Ost werde bereits an einem Abwahlantrag gegen Lindner gearbeitet, heißt es aus dem Umfeld der Fraktion. "Es könnte eine sehr kurze Karriere als Fraktionsvize gewesen sein", heißt es weiter.

Nur Westerwelle stellt sich keinem Votum

Doch es gibt hinter den Kulissen auch Unterstützung für den Vorstoß. In FDP-Kreisen, die Lindners Vorschlag im Prinzip für richtig halten, geht die Überlegung so: Alle künftigen Führungspersonen haben sich im Zusammenhang mit der Neuordnung der FDP einem Votum gestellt oder werden sich einem solchen Entscheid stellen. Rainer Brüderle ist bereits zum Fraktionschef gewählt worden, die künftigen neuen Minister Philipp Rösler (Wirtschaft) und Daniel Bahr (Gesundheit) wurden von Fraktion und Bundesvorstand bestätigt. Auf dem FDP-Parteitag schließlich, bei den Wahlen zum Präsidium, muss sich der künftige Parteichef Philipp Rösler noch dem Votum stellen, seine künftigen Vizes Birgit Homburger und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie Entwicklungsminister Dirk Niebel als Beisitzer im Präsidium. Auch Generalsekretär Christian Lindner wird wiedergewählt.

Nur Westerwelle als Teil der alten Mannschaft suche sich keine neue Legitimation, heißt es.

In den Landesverbänden wird nun aufgeregt telefoniert. Aus der FDP-Bundestagsfraktion heißt es: "Keinesfalls ist es so, dass es sich hier um einen Vorstoß eines Einzelnen handelt." Eine Entscheidung, ob der Antrag am Ende auch gestellt werde, sei noch nicht gefallen. Es gehe auch um die Reputation Röslers - wenn dieser sich für Westerwelle einsetze, werde man sich nicht gegen ihn stellen können. Der FDP-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, Hans-Ulrich Rülke, sagte sueddeutsche.de, er halte es nach Rücksprache mit seiner Fraktion für "sinnvoll, wenn der Parteitag sich zu der Frage äußert", um die Personaldiskussion um Westerwelle endgültig zu beenden.

Doch gibt es auch massive Kritik am Vorhaben Lindners. Gisela Piltz, ebenfalls Vizefraktionschefin im Bundestag und Mitglied des NRW-Landesverbands, sagte SPIEGEL ONLINE: Die Behauptung von Martin Lindner, mit einer neuerlichen Personaldebatte um die Person des Außenministers zur Ruhe in der FDP beitragen zu wollen, sei "in etwa so glaubwürdig als würde ein Brandstifter erklären, es ginge ihm ums Feuerlöschen". Lindner hatte erklärt, sein Vorschlag diene dazu, den "wabernden Unmut über Westerwelle in einem einzigen Antrag zu kombinieren und zu bündeln". Damit würde auf dem Bundesparteitag auch verhindert, dass in einer "schmutzigen Weise" über Westerwelle gesprochen werde.

Piltz sagt, die Besetzung des Amtes des Außenministers stehe auf dem Bundesparteitag nicht zur Disposition. "Es würde der FDP guttun, wenn nicht jeden Tag aus den eigenen Reihen eine neue Personaldebatte vom Zaun gebrochen würde. Guido Westerwelle genießt als Bundesaußenminister das Vertrauen der FDP-Bundestagsfraktion." Wer nun den Bundesparteitag missbrauchen wolle, um hier ein Tribunal zu veranstalten, versuche, einen Riss zwischen Fraktion und Regierung herbeizuführen. "Und das schadet auch der Partei", warnte Piltz.

Martin Lindner bräuchte weitere 49 Delegierte, um einen Dringlichkeitsantrag vorzubringen. Doch der müsste erst einmal die Antragskommission passieren, die prüfen würde, ob es überhaupt einen Grund für eine Dringlichkeit gibt. In der neuen FDP-Spitze um Philipp Rösler will man das auf jeden Fall verhindern. Dem Antrag des früheren Berliner Fraktionschefs wird dort kaum eine Chance eingeräumt. Der Bundesparteitag sei dafür das "falsche Gremium", heißt es in der FDP-Führung. Über Minister entscheide laut Satzung die Bundestagsfraktion zusammen mit dem Bundesvorstand. "Insofern geht der Vorstoß von Martin Lindner ins Leere", heißt es weiter.

Stellt sich Westerwelle?

Der neue Fraktionschef Rainer Brüderle sagte zwar am Mittwoch vor Journalisten, jeder habe das Recht, auf dem Parteitag einen Antrag zu stellen. Zu dem Vorwurf, nur der Außenminister stelle sich keinem Votum der Gremien, sagte Brüderle, auch Westerwelle habe "eine Veränderung vollzogen - er ist nicht mehr Bundesvorsitzender". Westerwelle solle jetzt die Möglichkeit haben, sich auf sein Amt als Außenminister "zu konzentrieren", so Brüderle, der noch im vergangenen Jahr als ein möglicher Nachfolger für den Parteichef an der Spitze der FDP gehandelt worden war.

Dass sich am Freitag Delegierte zu Westerwelle äußern werden, damit rechnet die Parteiführung fest. FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagt, es werde "mit Sicherheit" über ihn als Außenminister in der Aussprache geredet werden. "Es wird über das gesamte Führungspersonal kritische Stimmen geben - auch über ihn."

Der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Pascal Kober glaubt, dass es um den Außenminister wie zuletzt in NRW eine "offene und ehrliche Debatte" geben werde. Und er sagt: "Ich gehe davon aus, dass Guido Westerwelle sich von sich aus dem Votum der Delegierten stellen wird." Warum? "Weil er es als eine Frage der Ehre begreift, nicht den Anschein zu erwecken, sich wegzuducken."

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insgesamt 38 Beiträge
venicius 11.05.2011
Die Debatte darüber, ob Hr. Westerwelle als Außenminister schädlich ist für seine Partei (FDP) ist doch eine Scheindebatte und soll von dem eigentlich vordringlichen Problem ablenken. Es spielt keine Rolle, ob Hr. Westerwelle [...]
Zitat von sysopDie FDP kommt nicht zur Ruhe: Vize-Fraktionschef Martin Lindner sorgt mit einem Vorstoß über die Zukunft von Guido Westerwelle kurz vor dem Bundesparteitag für Aufregung. Doch der neue Vorsitzende Rösler will eine*Abrechnung*mit dem Außenminister um jeden Preis verhindern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,761976,00.html
Die Debatte darüber, ob Hr. Westerwelle als Außenminister schädlich ist für seine Partei (FDP) ist doch eine Scheindebatte und soll von dem eigentlich vordringlichen Problem ablenken. Es spielt keine Rolle, ob Hr. Westerwelle schädlich ist für die FDP oder ihr eher nützt. Hr. Westerwelle schadet dem Land - Deshalb muss er weg. Strenggenommen ist es eine Missachtung seines Amtseides durch Hr. W. wenn er sich weiterhin weigert die einzig richtige Konsequenz eines bedingungslosen Rücktritts zu ziehen. Denn sein Verbleiben im Amt schadet Deutschland und dem Deutschen Volk. In seinem Amtseid schwor Herr G. Schaden eben von D. und dem Dt. Volk abzuwenden. Dies scheint für ihn heute eine bedeutungslose Floskel zu sein. Fr. Merkel, die entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, Hr. W. aus ihrem Kabinett zu entfernen macht sich damit in derselben Weise schuldig durch fortgesetzte Missachtung ihres Amtseides. Durch die fortgesetzte Duldung Westerwelles im Amt, wendet sie Schaden von Deutschland nicht ab, sondern lässt ihn stillschweigend zu. Ist sie nicht wilens Schaden von Deutschland durch die Absetzung Hr. Ws. abzuwenden, ist sie als Kanzklerin ungeeignet und wegen Missachtung des Amtseides zur Rechenschaft zu ziehen. Ist sie nicht in der Lage Schadeb von Deutschland durch die Absetzung Hr. Ws. abzuwenden, ist sie als Kanzlerin ungeeignet und es wäre an ihr selbst von allen Ämtern zurückzutreten. Eine KAnzlering, die nicht in der Lage ist, durch eine kleine aber alternativlose Kabinettsumbildung Schaden von Deutschland abzuwenden, sonder getrieben wird von den persönlichen Macht-Interessen ihres Koalitionspartners (streggenommen die Interessen eines einzigen Mannes - Hr. W. selbst) darf nicht weiterhin die Inhaberin der Richtlinienkompetenz dieses Staates sein. Offenbar ist Fr. Merkel in dem Falle nämlich entweder die Fähigkeit oder Wille abhandengekommen, ihre Richtlinienkompetenz zum Wohle des Landes einzusetzen und nicht zuletzt: Eine Kanzlerin die die Kontrolle über die Zusammensetzung der eigenen Regierung offensichtlich nicht mehr innehat ist doch im Grunde bereits schon keine Kanzlerin mehr.
daslästermaul 11.05.2011
Ex-Inneminister Baum hat Recht, wenn er Guido Westerwelle entsprechend charakterisiert hat. Da wäre es nur noch eine logische Konsequenz, wenn derjenige, der an der Parteispitze gescheitert ist, jetzt auch das Amt des [...]
Zitat von sysopDie FDP kommt nicht zur Ruhe: Vize-Fraktionschef Martin Lindner sorgt mit einem Vorstoß über die Zukunft von Guido Westerwelle kurz vor dem Bundesparteitag für Aufregung. Doch der neue Vorsitzende Rösler will eine*Abrechnung*mit dem Außenminister um jeden Preis verhindern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,761976,00.html
Ex-Inneminister Baum hat Recht, wenn er Guido Westerwelle entsprechend charakterisiert hat. Da wäre es nur noch eine logische Konsequenz, wenn derjenige, der an der Parteispitze gescheitert ist, jetzt auch das Amt des Aussenministers abgibt.
cheguevara73 11.05.2011
wer braucht ihn und was hat er bewegt? Zu allem ein Jein, keine klare Meinung, immer sich vor der Verantwortung zu drücken klare Worte zu finden? Von der Klientel- und Lobbyarbeit im Amt ganz zu schweigen. Er hat das Amt eh [...]
wer braucht ihn und was hat er bewegt? Zu allem ein Jein, keine klare Meinung, immer sich vor der Verantwortung zu drücken klare Worte zu finden? Von der Klientel- und Lobbyarbeit im Amt ganz zu schweigen. Er hat das Amt eh nicht gewollt, warum sollte er jetzt darum kämpfen wollen? Schlechter wird es aus der FDP keiner machen, wenn man für ihn Ersatz aufstellt.
Monark™ 11.05.2011
Das ist wirklich ein tolles Kasperletheater, das die Freidemokraten uns dieser Tage bieten. Herr Lindner spricht ja nur aus, was viele Deutsche denken, aber von Loyalität scheint er nicht viel zu halten. Er wird mit seinem [...]
Zitat von sysopDie FDP kommt nicht zur Ruhe: Vize-Fraktionschef Martin Lindner sorgt mit einem Vorstoß über die Zukunft von Guido Westerwelle kurz vor dem Bundesparteitag für Aufregung. Doch der neue Vorsitzende Rösler will eine Abrechnung mit dem Außenminister um jeden Preis verhindern.
Das ist wirklich ein tolles Kasperletheater, das die Freidemokraten uns dieser Tage bieten. Herr Lindner spricht ja nur aus, was viele Deutsche denken, aber von Loyalität scheint er nicht viel zu halten. Er wird mit seinem urkomisch verklausulierten Umsturzversuch kaum durchkommen - aber Hauptsache, mal wieder in den Medien gewesen. Wenn es nicht um eine Regierungspartei ginge, könnte man wenigstens noch drüber lachen.
ramanujan 11.05.2011
Wurde evtl. W. im "Schlamm" zum Außenminister?
Zitat von sysopFDP fürchtet Schlammschlacht um Westerwelle
Wurde evtl. W. im "Schlamm" zum Außenminister?
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