Steinmeier als Bundespräsident Ein Mutmacher gegen die Angstmacher

Frank-Walter Steinmeier will als Bundespräsident Mut machen. Er sollte all jenen Hoffnung geben, die vom Geschrei derer übertönt zu werden drohen, die mit der Angst Politik machen.

Frank-Walter Steinmeier
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Mut braucht dieses Land. Frank-Walter Steinmeier hat in seiner ersten kurzen Ansprache nach seiner Erklärung, das Amt des Bundespräsidenten annehmen zu wollen, bereits einen ersten Akzent gesetzt, welches sein großes Thema für die kommenden fünf Jahre sein wird: Was bei Joachim Gauck die Freiheit war, wird bei Steinmeier der Mut sein.

Der gewählte Präsident zitierte eine junge Frau aus Tunesien: "Ihr macht mir Mut", habe die gesagt, und gemeint waren die Deutschen. Deutschland, das Land, das gezeigt hat, wie man von einer kriegerischen zu einer friedliebenden Nation werden kann. Deutschland, das zum Anker der Hoffnung für Menschen in aller Welt geworden sei. Ein Land, das Mut machen wolle - dafür aber selbst Mut brauche.

Das sind erste programmatische Worte, die all jenen nicht gefallen können, die mit der Angst Politik machen wollen: mit der Angst vor Zuwanderung, der Angst vor wirtschaftlicher Globalisierung, der Angst um die Sicherheit und die Zukunft des Landes.

Signal gegen Rechtspopulisten

Steinmeiers Ansprache war ein Signal gegen die Rechtspopulisten in aller Welt und im eigenen Land. Er hat dabei angekündigt, auch das Vertrauen all jener gewinnen zu wollen, die nicht für ihn gestimmt haben, und man darf annehmen, dass er damit auch all jene außerhalb der Bundesversammlung gemeint hat, die ihn nicht als Bundespräsidenten favorisiert hatten.

Enttäuschend wäre es nun, würde Steinmeier seine Rolle als Mutmacher so interpretieren, dass er als verständnisvolles Staatsoberhaupt zunächst die Hochburgen der sogenannten besorgten Bürger bereisen würde, um sich dort, nachdem das "Volksverräter"-Geschrei bei der Ankunft abgeklungen ist, anzuhören, wie schlimm die Politiker, die Medien und die Ausländer sind. Diese Leute brauchen keinen Mut, sie fühlen sich im Gegenteil schon jetzt recht selbstgewiss allzu sehr in einem Aufwind, der am liebsten die ganze Demokratie und deren Institutionen wegfegen soll.

Mut und Bestätigung brauchen andere in diesem Land: die übergroße Mehrheit der Deutschen nämlich, die dieses Land durch ihre Arbeit und ihren Einsatz zum Hoffnungsanker gemacht haben. All diejenigen, die ohne zu jammern zupacken, wo Menschen Hilfe brauchen, die aber lieber leise sprechen als schreien, und deren Stimmen bisweilen übertönt werden von den Krakeelern.

Frank-Walter Steinmeier mag kein überbordend charismatischer Mensch sein, er kommt so wenig eitel und auftrumpfend daher, dass ihn mancher gar für einen Langweiler halten mag. Doch gerade in dieser ruhigen Beharrlichkeit, die Steinmeier auch schon als Außenminister gezeigt hat, liegt eine große Kraft. Denn irgendwann wird auch der lauteste Schreihals heiser.

Wenn der Bundespräsident Steinmeier den Wohlmeinenden Mut machen kann, sich nicht vom Geschrei verschrecken zu lassen, sondern beharrlich und unbeeindruckt vernunftgläubig weiter an einem Land zu arbeiten, das seinen Bewohnern und der Welt Hoffnung gibt - dann wird er der Präsident sein, den Deutschland braucht in dieser Zeit.

Steinmeier im Video: "Ich nehme die Wahl an, gerne sogar"

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kraus.roland 12.02.2017
1. Glückwunsch!
Von Herzen - und für uns Alle! Das könnte - hoffentlich - ein sehr politischer Bundespräsident werden, einer ,der sich einmischt und den Rahmen der Verfassung auch ausfüllt.
m_e_m 12.02.2017
2. Eine sehr gute Entscheidung
Ich freue mich, dass Herr Steinmeier der neue Bundespräsident ist und wünsche ihm viel Erfolg. Ich denke er ist genau der Richtige für die anstehenden stürmischen Zeiten in der Weltpolitik.
loui96 12.02.2017
3.
Ich habe wirklich nichts gegen Steinmeier und habe auch verstanden, warum er als Bundespräsident vorgeschlagen wurde, aber Mut? Steinmeier war schon als Außenminister kein großer Rhetoriker und jetzt, da er keine wirkliche politische Macht mehr hat, wird er noch weniger in der Lage sein, den Menschen mit seinen Reden Mut zu machen. Ich glaube auch nicht, dass Präsidenten generell dazu in der Lage sind, ein nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung würde das Amt am liebsten ganz abschaffen und noch viel mehr finden es nicht besonders interessant. Präsidenten sollen Debatten anstoßen und uns im Ausland würdevoll vertreten und beides kann Steinmeier, aber um Mut und Zuversicht zu stiften ist dieses Amt und Steinmeier persönlich der falsche.
edhomme 12.02.2017
4. Kluger Kommentar
Nachdenklich macht allerdings, warum der Diplomat Steinmeier ausgerechnet auf einen Begriff kommt, der seine Amtszeit als Außenminister nicht unbedingt geprägt hat. Mit dem was er meint, hat er ja recht, aber ist es wirklich "Mut", was wir brauchen? Für mich ist das Freiheitsthema noch längst nicht beendet. Es hätte eine "zweite Amtszeit" verdient. Es fortzuführen wäre mutig gewesen.
auf_dem_Holzweg? 12.02.2017
5. Gratulation, Respekt und ein großes Aber...
denn heutzutage dient das "hohe" Amt des Bundespräsidenten lediglich dazu uns an unsere schlechte Vergangenheit zu erinnern (was gut ist, damit dieselben Fehler nie wiederkehren), allerdings beinhaltet das Amt ansonsten nur repräsentative Zwecke und hat keinerlei Gewichtung mehr in der täglichen Politik. Herrn Steinmeier auf dieses Amt zu setzen war Merkels bester Schachzug, hat sie doch damit den einzgen wahren Gegner ruhig gestellt der ihr gefährlich werden könnte. Daher ist die Wahl Steinmeier zum Bundespräsidenten eher eine Vergeudung von politischen Potenzial und ist der Weiterführung des Merkel-Regimes sehr behilflich.
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