Bundespräsident Gauck "Einwanderung tut diesem Land sehr gut"

In der Debatte um Einwanderung aus Osteuropa sendet Bundespräsident Gauck eine klare Botschaft: Es dürften in Deutschland keine Ängste vor Ausländern geschürt werden. Das sei "gefährlich für den inneren Frieden". "Partiell" gebe es zwar Probleme mit Zuwanderern, doch darüber will er offen reden.

Bundespräsident Gauck (Archivbild): "Regelverstöße nimmt der Staat nicht hin"
DPA

Bundespräsident Gauck (Archivbild): "Regelverstöße nimmt der Staat nicht hin"


Berlin - Seit Wochen diskutiert Deutschland über die Chancen und Risiken einer steigenden Zuwanderung aus Osteuropa. Vor allem politische Kräfte des konservativen Spektrums - allen voran die CSU - nutzen die Debatte, um immer wieder Vorurteile und Ressentiments gegen Ausländer zu schüren. Nun hat Bundespräsident Joachim Gauck ein deutliches Plädoyer für mehr Toleranz und Sachlichkeit geliefert.

Eindringlich warnte der Politiker in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" davor, in Deutschland weiter "Ängste" vor Ausländern zu befeuern. "Es ist falsch und gefährlich für den inneren Frieden, wenn man suggeriert, Zuwanderer schadeten diesem Land, nähmen uns Arbeit weg oder gefährdeten unser Sozialsystem", sagte Gauck der Zeitung. Richtig sei das Gegenteil: "Einwanderung tut diesem Land sehr gut."

Das Staatsoberhaupt räumte zugleich ein, dass die Zuwanderung "partiell" auch Probleme schaffe. "Die politische Korrektheit darf nicht verhindern, dass man sie benennt." So seien die Roma beispielsweise "noch immer eine diskriminierte Minderheit in Europa", was zwar geändert werden müsse. "Trotzdem sollte man auch benennen, was manche Kommunen hierzulande belastet", sagte Gauck der Zeitung. "Dass es dort einen Teil von Roma-Familien gibt, die etwa ihre Kinder nicht zur Schule schicken und ihnen damit Lebenschancen verbauen."

Im Gespräch mit Bürgermeistern sei ihm sehr klar geworden, wie wichtig es sei zu sagen: "Dieses Verhalten oder andere Regelverstöße nimmt der Staat nicht hin."

Vor allem in Deutschland und Großbritannien waren jüngst Debatten zum Thema Zuwanderung entbrannt. In beiden Ländern warnten Politiker nach der vollständigen Öffnung des EU-Arbeitsmarkts für Bulgaren und Rumänen zu Jahresbeginn vor einer angeblichen Armutszuwanderung und großen Belastung der Sozialsysteme.

Studie belegt positiven Effekt der Zuwanderung

Seit Anfang des Jahres dürfen die Bürger aus diesen Ländern vollkommen legal in Deutschland arbeiten. Der Fokus der Debatte lag jedoch vor allem auf der Frage, ob sie Sozialleistungen beanspruchen dürfen.

Auch die Wissenschaft belegt Gaucks These. In einer aktuellen Studie kommen Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft zu dem Schluss, dass die überwiegende Zahl der Zuwanderer gut ausgebildet ist. Sie trügen dazu bei, den Fachkräftemangel in Deutschland einzudämmen. Zum Teil seien die Zuzügler sogar besser qualifiziert als die einheimische Bevölkerung.

jok/dpa/Reuters/AFP

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
leonkennedy 24.01.2014
1. er sollte das spezieller formulieren
Zitat von sysopDPAIn der Debatte um Einwanderung aus Osteuropa sendet Bundespräsident Gauck eine klare Botschaft: Es dürften in Deutschland keine Ängste vor Ausländern geschürt werden. Das sei "gefährlich für den inneren Frieden". "Partiell" gebe es zwar Probleme mit Zuwanderern, doch darüber will er offen reden. Bundespräsident Gauck: Plädoyer für mehr Zuwanderung nach Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundespraesident-gauck-plaedoyer-fuer-mehr-zuwanderung-nach-deutschland-a-945279.html)
es tut vielleicht der wirtschaft gut, wenn billige arbeitskräfte für mehr konkurrenz sorgen und so die löhne weiter niedrig gehalten werden können. kein präsident des volkes, nur einer der wirtschaft
karrenstein 24.01.2014
2. Wieder richtig
Zunächst die wahren und richtigen Worte zu Freiheit und Liberalismus, mit denen sich viele Staatsverantwortungsverliebte aus dem linken Lager schwer taten und jetzt das ebenso Passende und klare Bekenntnis zu Vielfalt und Wachstum. Wir haben einen liberalen, pluralistisch progressiven Präsidenten, der insoweit Wertekonservativ ist. Das finde ich ganz unkritisch richtig gut.
Wunderläufer 24.01.2014
3. Klar
Das primitive Schüren von Ängsten durch die CSU und ihr Zentralorgan BILD ignoriert, dass Deutschland mit seiner zentralen Lage in Europa immer schon ein Einwanderungsland war. Es wirft jedoch ein bezeichnendes Bild auf unsere gesellschaftliche Verfasstheit, wenn es wie auf Kommando solchen Brandstiftern immer wieder gelingt, Urängste zu instrumentalisieren. "Biedermann und die Brandstifter" lässt grüßen
tomatosoup 24.01.2014
4. Ja!
Ja, wenn man im Schloss Bellevue wohnt und die Wachmannschaft patrouilliert und ein lautes "Guten Morgen, Herr Bundespräsident" erschallt, dann hat man eben auch "partiell" keine Probleme, dann ist die Welt noch in Ordnung, dann könnte man vor lauter Lust Federn in die Luft blasen - ach, was sag ich denn da, Herr Pastor! -, Federn? Ich meinte Daunen!
exil-berliner 24.01.2014
5. Gut für die Wirtschaft...
Zitat von sysopDPAIn der Debatte um Einwanderung aus Osteuropa sendet Bundespräsident Gauck eine klare Botschaft: Es dürften in Deutschland keine Ängste vor Ausländern geschürt werden. Das sei "gefährlich für den inneren Frieden". "Partiell" gebe es zwar Probleme mit Zuwanderern, doch darüber will er offen reden. Bundespräsident Gauck: Plädoyer für mehr Zuwanderung nach Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundespraesident-gauck-plaedoyer-fuer-mehr-zuwanderung-nach-deutschland-a-945279.html)
Gut für die Wirtschaft, wenn Einwanderer zumindest temporär "motiviert" für Niedrig Löhne für das Bruttosozialprodukt arbeiten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.