Bundespräsident Johannes Rau ist tot

An dem Empfang, den ihm Bundespräsident Köhler vor knapp zwei Wochen bereitete, konnte er schon nicht mehr teilnehmen. Zu krank war Johannes Rau, um seinen 75. Geburtstag zu feiern. Heute früh starb der Alt-Bundespräsident.


Berlin - Der 75-Jährige ist nach Angaben seines Büros um 8.30 Uhr gestorben. Der Alt-Bundespräsident hatte aus gesundheitlichen Gründen zuletzt mehrere öffentliche Auftritte absagen müssen. So konnte er nicht an einem Empfang teilnehmen, den Bundespräsident Horst Köhler zu Raus 75. Geburtstag am Montag vergangener Woche in Berlin gegeben hatte.

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Johannes Rau: Der gute Mensch aus Wuppertal

Rau hatte sich im Sommer 2004 in Bad Oeynhausen einer Herzoperation unterziehen müssen und stand seither unter ärztlicher Beobachtung.

Schon im Juli 1992 war ihm wegen eines bösartigen Tumors die linke Niere entfernt worden. Nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt musste sich Rau zudem im Juli 2000 einer Operation an der Bauchschlagader unterziehen.

Rau hinterlässt seine Frau Christina und drei Kinder.

Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal geboren. Als 21-Jähriger trat er in die Gesamtdeutsche Volkspartei seines politischen Ziehvaters Gustav Heinemann ein. Nach der Auflösung der Partei folgte Rau Heinemann in die SPD. Mit 27 zieht Rau 1958 als jüngster Abgeordneter erstmals in den nordrhein-westfälischen Landtag ein.

Knapp 20 Jahre später, 1977, wird Rau in einer Kampfabstimmung gegen Arbeitsminister Friedhelm Farthmann zum Landesvorsitzenden der SPD in Nordrhein-Westfalen gewählt. Ein Jahr später löst er Heinz Kühn (SPD) als Regierungschef ab.

Raus Karriere geht weiter nach oben. 1982 wird er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. 1985 verteidigte er für die SPD die absolute Mehrheit in NRW. Dann die ersten Rückschläge: 1987 verliert die SPD mit ihm als Kanzlerkandidat die Bundestagswahl. 1994 unterliegt er Roman Herzog bei der Wahl zum Bundespräsidenten. 1998 tritt er als Ministerpräsident zurück. Wolfgang Clement wird sein Nachfolger in Düsseldorf.

Im Mai 1999 wird Rau im zweiten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt. Während seiner Präsidentschaft verschaffte sich Rau mehr und mehr Respekt als "Herr der Werte und der Worte". Seine Reden wurden zum Markenzeichen seiner Amtszeit. Im Februar 2000 sprach er als erstes deutsches Staatsoberhaupt in der Knesset. Er bat das jüdische Volk und Israel um Vergebung für den Holocaust.

Zum Gedenken an den Altbundespräsidenten ordnete Nachfolger Köhler für den 7. Februar einen Staatsakt an. Dies teilte das Präsidialamt mit. Zudem hätten Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Es liege von morgen an bis zum Montag jeweils von 10 bis 18 Uhr im Schloss Bellevue in Berlin und in der Villa Hammerschmidt in Bonn aus.



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