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14. Januar 2012, 16:54 Uhr

Bundespräsident

Wulff ließ sich auf Oktoberfest einladen

In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar auch ein Buch über Wulff sponserte.

Hamburg - In seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen hat sich Christan Wulff mit seiner Ehefrau Bettina von dem Berliner Film-Finanzier David Groenewold zum Münchner Oktoberfest einladen lassen. Dem SPIEGEL liegt dazu eine Hotelrechnung vor, ausgestellt am 28. September 2008 vom Bayerischen Hof, die Groenewold beglichen hat. Groenewold hat nach eigenen Angaben damit auch einen Teil der Unterbringungskosten des Ehepaars Wulff bezahlt.

Obwohl Groenewold dafür seine private American-Express-Karte belastete, ging diese Hotelrechnung an die Odeon Film AG, die er zu jener Zeit führte. In einem Begleitschreiben heißt es dazu: "Wie besprochen erhalten Sie in der Anlage die Rechnung über den Aufenthalt von Herrn Groenewold und seinen Gästen. Wie von Herrn Groenewold gewünscht, haben wir bei der Logis die Zimmernummern gelöscht."

Laut Groenewold deckte er einen "Differenzbetrag" für Wulffs Zimmer ab - die Differenz zwischen dem, was Wulff dafür zahlte, und was das Zimmer tatsächlich kostete. Außerdem habe er die Ausgaben für einen Babysitter übernommen; die Wulffs hatten ihren vier Monate alten Sohn dabei. Nur das Geld für das Kindermädchen habe der Ministerpräsident ihm, Groenewold, später zurückgezahlt. Diese Zahlung sei in bar erfolgt.

Unionsinterne Kritik an Wulff hält an

Wulffs Anwalt sagte dazu, sein Mandant habe eine eigene Hotelrechnung bekommen. Was dort aufgeführt worden sei, habe Wulff beglichen - und hinterher "gegenüber der Staatskanzlei und der niedersächsischen CDU abgerechnet". Grund dafür sei gewesen, dass Wulff noch weitere Termine in München gehabt habe, sowohl im Amt als auch für die Partei.

Erst kürzlich hatte SPIEGEL ONLINE über einen Buch-Deal berichtet, an dem Groenewold offenbar beteiligt war. Er zahlte dem Autor eines im Mai 2006 veröffentlichten Wulff-Buchs mehrere tausend Euro an Honoraren. Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wofür genau die Zahlungen bestimmt waren. Auch dieser Fall wirft Fragen auf, denn Wulff setzte sich in dieser Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident für die Interessen der Filmbranche ein, in der Groenewold aktiv war.

Die unionsinterne Kritik am Bundespräsidenten reißt unterdessen nicht ab. Steffen Bilger, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, will zwar nicht, dass Wulff zurücktritt, doch er kritisiert gegenüber dem SPIEGEL das Staatsoberhaupt: "Die ganze Affäre zeigt, dass man als Politiker sehr vorsichtig sein sollte, auch was seinen Freundeskreis anbelangt." Karl-Georg Wellmann, der Berliner CDU-Abgeordnete, der Wulff vergangene Woche als Erster aus der eigenen Partei den Rücktritt nahelegte, macht sich bereits Gedanken über einen Ersatzkandidaten. "Unsere Wähler leiden wie die Hunde, wenn sie sehen, wie der Bundespräsident sich im Fernsehinterview demütigen lässt. Der Nächste braucht von vornherein eine überparteiliche Zustimmung, sonst wird nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre das Amt beschädigt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Wulff zu weiterer Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe auf. Wulff müsse die an ihn gestellten Fragen "umfangreich" beantworten, sagte Merkel nach einer Klausurtagung des CDU-Vorstands am Samstag in Kiel. Erkennbar distanziert zu Wulff äußerte sich dessen Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, David McAllister. Er sagte zu, auf Forderungen der Opposition in Niedersachsen nach weiterer Aufklärung einzugehen. "Sollte es falsche Auskünfte der Landesregierung gegenüber dem Parlament gegeben haben, werden wir sie richtigstellen", sagte McAllister der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

wit

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