Bundespräsident: Wulff ließ sich auf Oktoberfest einladen

In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar auch ein Buch über Wulff sponserte.

Ehepaar Wulff: 2008 von einem Film-Finanzier zum Münchner Oktoberfest eingeladen Zur Großansicht
DPA

Ehepaar Wulff: 2008 von einem Film-Finanzier zum Münchner Oktoberfest eingeladen

Hamburg - In seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen hat sich Christan Wulff mit seiner Ehefrau Bettina von dem Berliner Film-Finanzier David Groenewold zum Münchner Oktoberfest einladen lassen. Dem SPIEGEL liegt dazu eine Hotelrechnung vor, ausgestellt am 28. September 2008 vom Bayerischen Hof, die Groenewold beglichen hat. Groenewold hat nach eigenen Angaben damit auch einen Teil der Unterbringungskosten des Ehepaars Wulff bezahlt.

Obwohl Groenewold dafür seine private American-Express-Karte belastete, ging diese Hotelrechnung an die Odeon Film AG, die er zu jener Zeit führte. In einem Begleitschreiben heißt es dazu: "Wie besprochen erhalten Sie in der Anlage die Rechnung über den Aufenthalt von Herrn Groenewold und seinen Gästen. Wie von Herrn Groenewold gewünscht, haben wir bei der Logis die Zimmernummern gelöscht."

Laut Groenewold deckte er einen "Differenzbetrag" für Wulffs Zimmer ab - die Differenz zwischen dem, was Wulff dafür zahlte, und was das Zimmer tatsächlich kostete. Außerdem habe er die Ausgaben für einen Babysitter übernommen; die Wulffs hatten ihren vier Monate alten Sohn dabei. Nur das Geld für das Kindermädchen habe der Ministerpräsident ihm, Groenewold, später zurückgezahlt. Diese Zahlung sei in bar erfolgt.

Unionsinterne Kritik an Wulff hält an

Wulffs Anwalt sagte dazu, sein Mandant habe eine eigene Hotelrechnung bekommen. Was dort aufgeführt worden sei, habe Wulff beglichen - und hinterher "gegenüber der Staatskanzlei und der niedersächsischen CDU abgerechnet". Grund dafür sei gewesen, dass Wulff noch weitere Termine in München gehabt habe, sowohl im Amt als auch für die Partei.

Erst kürzlich hatte SPIEGEL ONLINE über einen Buch-Deal berichtet, an dem Groenewold offenbar beteiligt war. Er zahlte dem Autor eines im Mai 2006 veröffentlichten Wulff-Buchs mehrere tausend Euro an Honoraren. Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wofür genau die Zahlungen bestimmt waren. Auch dieser Fall wirft Fragen auf, denn Wulff setzte sich in dieser Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident für die Interessen der Filmbranche ein, in der Groenewold aktiv war.

Die unionsinterne Kritik am Bundespräsidenten reißt unterdessen nicht ab. Steffen Bilger, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, will zwar nicht, dass Wulff zurücktritt, doch er kritisiert gegenüber dem SPIEGEL das Staatsoberhaupt: "Die ganze Affäre zeigt, dass man als Politiker sehr vorsichtig sein sollte, auch was seinen Freundeskreis anbelangt." Karl-Georg Wellmann, der Berliner CDU-Abgeordnete, der Wulff vergangene Woche als Erster aus der eigenen Partei den Rücktritt nahelegte, macht sich bereits Gedanken über einen Ersatzkandidaten. "Unsere Wähler leiden wie die Hunde, wenn sie sehen, wie der Bundespräsident sich im Fernsehinterview demütigen lässt. Der Nächste braucht von vornherein eine überparteiliche Zustimmung, sonst wird nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre das Amt beschädigt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Wulff zu weiterer Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe auf. Wulff müsse die an ihn gestellten Fragen "umfangreich" beantworten, sagte Merkel nach einer Klausurtagung des CDU-Vorstands am Samstag in Kiel. Erkennbar distanziert zu Wulff äußerte sich dessen Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, David McAllister. Er sagte zu, auf Forderungen der Opposition in Niedersachsen nach weiterer Aufklärung einzugehen. "Sollte es falsche Auskünfte der Landesregierung gegenüber dem Parlament gegeben haben, werden wir sie richtigstellen", sagte McAllister der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

wit

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insgesamt 394 Beiträge
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1. Amüsant
maemo 14.01.2012
Zitat von sysopIn der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar*auch ein Buch über*Wulff sponserte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809132,00.html
Klasse, wie zuverlässig die Salami geschnitten wird. Jeden Tag ein neues Scheibchen. Ich hätte vielleicht die Scheibe von morgen zu bieten. Die ist zwar schon etwas älter und wellt sich schon, aber die meisten haben das sicherlich vergessen: Zum Sommerinterview mit dem ZDF 2011 hat sich Wulff mit der Flugbereitschaft auf Kosten der Steuerzahler nach Norderney fliegen lassen. Er wollte damit den Anschein erwecken, in seinem Urlaub interviewt worden zu sein, obwohl sein eigentlicher Urlaub auf der Insel erst 5 Wochen später stattfand. Und wie die Scheibe vergessen wird, wird auch alles andere vergessen werden. Wenn, ja wenn da nicht die Presse jeden Tag...
2. iss ja schon gut...
Oachkatzlschwoaf 14.01.2012
Zitat von sysopIn der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar*auch ein Buch über*Wulff sponserte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809132,00.html
Upgrading bei Lufthansa, Oktoberfest..... habt ihr noch was in der Mottenkiste? Wulff ist untragbar als Bundpräsident, dass wissen wir. Und hiermit oute ich mich: auch ich wurde schon upgegraded und von Geschäftspartnern auch auf's Oktoberfest eingeladen. Bin ja gespannt, ob ich am Montag gekündigt werde!
3. Nja
Wolfes74 14.01.2012
Zitat von sysopIn der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar*auch ein Buch über*Wulff sponserte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809132,00.html
Ich hab mich auch schon mal auf das Oktoberfest einladen lassen und mich da komplett durchgeschlaucht. Hätte ich dafür Geld ausgeben müssen wäre das nicht mit meinem soziokulturellen Gewissen/Verständnis und schon gar nicht mit meiner Brieftasche vereinbar gewesen. Ähnlich könnte es auch Wulff gegangen sein. Für solch ein Unfug Geld ausgeben - zumal datt Fest maßlos überteuert ist. Hier hat unser BP nur richtig gehandelt - Kritik unangebracht!!
4. Nee wissense nee, auch das noch!
Sapientia 14.01.2012
Zitat von sysopIn der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar*auch ein Buch über*Wulff sponserte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809132,00.html
Die Republik ist arm dran; 80 Millionen von der Politik als Deppen eingeordnete Bürger müssen wehrlos mitansehen, wie die von der Industrie finanzierte politische Klasse das Land immer weiter verfilzt, vorrangig betrieben durch kleine provinzieller Gemüter, die ihre vergleichsweise kleinen Vorteile als dafür natürlich nicht Privilegierte ausnutzen, anstatt spürbar - wofür sie bezahlt werden - Volkspolitik zu betreiben. Das Problem ist immer, wenn jemand sozial aus der untersten Schublade ganzen hinten stammt und dann in der Poltik Karriere macht, fehlt ihm der Verstand, wann man rechtzeitig aufhört sich erpressbar zu machen - so scheint es hier zu sein. Das Lügen sol jetzt weiterhelfen, das Aussitzen nach dem Muster: Kohl wird von der Merkel - um die DDR-Erffahrung erweitert - perfektioniert, das will der Bundespräsident offenbar noch toppen. Arme Republik, nicht mehr mit: "Die öffentliche Sache"
5. wir haben es doch gewusst
wehwehwehdievernunft 14.01.2012
Zitat von sysopIn der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar*auch ein Buch über*Wulff sponserte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809132,00.html
ja, wir wissen es ja nun. Wulff ist käuflich. Wir wussten es aber vorher. Mutti ist beliebter denn je. Und nun?
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