Bundespräsident: Wulff muss Privatgeschäft erläutern

Hat der Bundespräsident im vergangenen Jahr die Unwahrheit gesagt? Als niedersächsischer Ministerpräsident soll Wulff einen Privatkredit in Höhe von einer halben Million Euro von der Gattin eines befreundeten Unternehmers bekommen, dies aber auf Nachfrage im Landtag verschwiegen haben. Jetzt muss er sich dazu äußern.

Präsidentenpaar Wulff (während seiner Golfstaaten-Reise): Ärger wegen eines Privatkredits Zur Großansicht
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Präsidentenpaar Wulff (während seiner Golfstaaten-Reise): Ärger wegen eines Privatkredits

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff will an diesem Dienstag zu Vorwürfen der "Bild"-Zeitung wegen eines Privatkredits in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident Stellung nehmen. Das hat sein Sprecher Olaf Glaeseker am Rande von Wulffs derzeitiger Golfstaaten-Reise angekündigt. Wie die Zeitung berichtet, soll Wulff 2010 im Landtag auf die Frage nach einer Geschäftsbeziehung zu einem Unternehmer nicht angegeben haben, dass er und seine Frau Bettina von der Unternehmergattin ein Darlehen über eine halbe Million Euro erhalten hatten.

Zuvor hatte Wulff seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Florida-Villa des mit ihm lange befreundeten Unternehmers Egon Geerkens aus Osnabrück verbracht. Der Flug dorthin brachte Wulff die Air-Berlin-Affäre ein, weil er und seine Frau Bettina sich von der Fluggesellschaft kostenlos von der Economy- in die Business-Class hatten hochstufen lassen.

Zwei Landtagsabgeordnete der Grünen fragten Wulff daraufhin, ob er zu Geerkens oder dem damaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold geschäftliche Beziehungen unterhalten habe. Daraufhin ließ Wulff am 18. Februar 2010 im Landtag erklären: "Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben."

Die "Bild"-Zeitung spricht nun vom Verdacht auf Täuschung des Landtags. Denn nach ihren Recherchen hatte Wulff mit Geerkens Ehefrau im Oktober 2008 einen privaten Kreditvertrag über 500.000 Euro zu einem Zinssatz von vier Prozent geschlossen. "Mit dem Geld kauften die Wulffs zum Preis von 415.000 Euro ein Einfamilienhaus und zahlten dafür per Dauerauftrag 1666 Euro Zinsen im Monat", schreibt das Blatt weiter.

Wulff habe den privaten Kredit im Februar 2010 - wenige Tage nach der Parlamentsanfrage im Landtag und wenige Monate vor der Bundespräsidentenwahl - durch einen Kredit bei der BW-Bank in Stuttgart abgelöst. Eigentlich wäre der Darlehensvertrag mit der Unternehmergattin noch bis November 2013 gelaufen, schreibt die Zeitung.

Egon Geerkens ist ein wohlhabender Freund von Christian Wulff, er war Trauzeuge bei der ersten Hochzeit des CDU-Politikers. Der Unternehmer aus Osnabrück schuf sein Vermögen mit Geschäften mit Rohstoffen, Schrott, alten Autos, Antiquitäten und Schmuck. Inzwischen hat er seinen Wohnsitz in der Schweiz.

hen/dpa

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1. Die Geschichte, die die "Bild"-Zeitung auftischt ...
regierungs4tel 13.12.2011
... stimmt vorne und hinten nicht. Vorne nicht, weil Bild.de gestern Abend als erstes das Fass aufmachte mit der Schlagzeile "Wirbel um ...", als außer Bild noch gar niemand etwas wusste. Der Wirbel soll erst generiert werden. Die Geschichte stimmt aber auch "hinten" nicht, weil die "Bild"-Redaktion vorgibt, dass Wulff auf wiederholte Anfragen "offiziell" bis heute sich "nicht habe äußern" wollen. Es verstieße auch gegen das Protokoll, wenn ein Staatsoberhaupt auf Staatsbesuch sich zu innenpolitischen "offiziellen Äußerungen" hinreißen ließe. Andererseits sitzen Vertreter der Bild-Redaktion seit 6 Tagen - auf Steuerzahlers Kosten - mit in der Präsidentenmaschine, und begleiten derzeit die Reise des Bundespräsidenten in die Golfregion. In den -zig Flugstunden will "Bild" keine Einlassung von Wulff erhalten haben? Eine inoffizielle bestimmt. Will sagen, der angebliche Wirbel ist getimed, und die offizielle Stellungnahme, die heute Mittag von Wulff kommt, bei der "Bild" inoffiziell längst hinterlegt. Wenn nicht sogar mit ihr abgestimmt. Unseriös, alle beide.
2.
aprilapril 13.12.2011
Zitat von sysopHat der Bundespräsident im vergangenen Jahr die Unwahrheit gesagt? Als niedersächsischer Ministerpräsident soll Wulff einen Privatkredit in Höhe von einer halben Million Euro von der Gattin eines befreundeten Unternehmers bekommen, dies aber auf Nachfrage im Landtag verschwiegen haben. Jetzt muss er sich dazu äußern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803326,00.html
Ein Mann (Gauck) oder eine Frau Käßmann) der Kirche wäre ohnehin die bessere Wahl gewesen. Bei Politikern mit hohen Ämtern ist grundsätzlich Korruption anzunehmen. Diesen Leisetreter Wulff sollte man in Gorleben entsorgen.
3. Die Politelite der CDU
PRhodan 13.12.2011
Wen wundert es eigentlich? Gibt es in dieser C-Partei Spitzenpolitiker, die es mit den 10 Geboten und mit bestehenden Gesetzen wirklich ernst nehmen bzw. genommen haben? Wohl nicht! Man denke nur an Kohl, Schäuble, Koch u. v. a. m. Dass hier das Zentralorgan der geistig Minderbemittelten investigativen Journalismus zu betreiben scheint, gibt dem Ganzen noch ein ganz anderes Geschmäckle...
4. Privatkredit? Den Özdemir gemacht?
almabu 13.12.2011
Zitat von sysopHat der Bundespräsident im vergangenen Jahr die Unwahrheit gesagt? Als niedersächsischer Ministerpräsident soll Wulff einen Privatkredit in Höhe von einer halben Million Euro von der Gattin eines befreundeten Unternehmers bekommen, dies aber auf Nachfrage im Landtag verschwiegen haben. Jetzt muss er sich dazu äußern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803326,00.html
Ab nach den USA, für mindestens drei Monate und dann als Praktikant bei EU-Kommissar Günther Oettinger in Brüssel hospitieren und dann mit großem Bahnhof zurück nach Schloss Bellevue...
5. soso
flower power 13.12.2011
Zitat von regierungs4tel... stimmt vorne und hinten nicht. Vorne nicht, weil Bild.de gestern Abend als erstes das Fass aufmachte mit der Schlagzeile "Wirbel um ...", als außer Bild noch gar niemand etwas wusste. Der Wirbel soll erst generiert werden. Die Geschichte stimmt aber auch "hinten" nicht, weil die "Bild"-Redaktion vorgibt, dass Wulff auf wiederholte Anfragen "offiziell" bis heute sich "nicht habe äußern" wollen. Es verstieße auch gegen das Protokoll, wenn ein Staatsoberhaupt auf Staatsbesuch sich zu innenpolitischen "offiziellen Äußerungen" hinreißen ließe. Andererseits sitzen Vertreter der Bild-Redaktion seit 6 Tagen - auf Steuerzahlers Kosten - mit in der Präsidentenmaschine, und begleiten derzeit die Reise des Bundespräsidenten in die Golfregion. In den -zig Flugstunden will "Bild" keine Einlassung von Wulff erhalten haben? Eine inoffizielle bestimmt. Will sagen, der angebliche Wirbel ist getimed, und die offizielle Stellungnahme, die heute Mittag von Wulff kommt, bei der "Bild" inoffiziell längst hinterlegt. Wenn nicht sogar mit ihr abgestimmt. Unseriös, alle beide.
die bild-redakteure sitzen auf steuerzahlerkosten mit in der präsidentenmaschine........dann geben sie mal ihren kommentar dazu herr wulf - ist ja interessant. wulf sponsored by bild. ....haha und bild zeigt ihnen den bp von heute...... de oh weh. willkommen in korruptland.
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