Bundespräsidenten-Affäre Wulff-Nachfolger McAllister attackiert Glaeseker

David McAllister gilt als Ziehsohn des Bundespräsidenten - nun aber distanziert sich der niedersächsische Ministerpräsident von Christian Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Dieser habe unorthodox gearbeitet und "offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt".

Ministerpräsident McAllister: "Offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt"
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Ministerpräsident McAllister: "Offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt"


Hannover - Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) geht auf Distanz zu Olaf Glaeseker: Er fühle sich von dem ehemaligen Sprecher des Bundespräsidenten Christian Wulff getäuscht, sagte er der "Bild"-Zeitung. Glaeseker habe eine unorthodoxe Arbeitsweise gehabt, so McAllister, "und er hat offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt."

Kürzlich hatte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) bereits am Rande einer Plenarsitzung in Hannover den Ex-Sprecher heftig kritisiert: "Ich fühle mich von Olaf Glaeseker beschissen." Dieser Begriff drücke "das allgemeine Empfinden der Landesregierung aus", sagte McAllister der "Bild-Zeitung".

Der unter Korruptionsverdacht stehende Glaeseker hat nach Angaben des Ministerpräsidenten für die umstrittene Lobby-Veranstaltung "Nord-Süd-Dialog" "wohl einiges nicht nur vom Büro aus geregelt". In der Staatskanzlei seien nur wenige Unterlagen gefunden worden, "und wenn, zumeist da, wo man sie nicht vermuten würde". Die Landesregierung werde aber alle nötigen Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben.

McAllister hatte nach eigenen Angaben seit Monaten keinen Kontakt mehr zu Glaeseker. Für die Staatskanzlei sei der Wulff-Vertraute seit Wochen nicht zu erreichen, so der Ministerpräsident. Über Wulff sagte er: "Wir haben viele Jahre gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet."

Grüner spricht erneut von Lüge

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, bezichtigte den Bundespräsidenten erneut der Lüge. "Es wird immer offensichtlicher, dass Wulff nicht nur die halbe Wahrheit gesagt hat, sondern den Landtag nach Strich und Faden hinters Licht geführt hat", sagte Wenzel der "Frankfurter Rundschau".

Er bezog sich dabei auf einen Bericht von tagesschau.de, wonach der Geschäftsmann Egon Geerkens Vermieter und Mandant bei der Osnabrücker Anwaltskanzlei war, in der Wulff vor seiner Politikkarriere als Rechtsanwalt angestellt war.

Wulff-Anwalt widerspricht

Einer der Anwälte der Kanzlei Funk, Tenfelde und Partner, Stefan Fels, bestätigte den Bericht von tagesschau.de am Dienstag. Allerdings sei Geerkens ausschließlich von einem anderen Anwalt beraten und vertreten worden.

Wulffs Anwalt, Gernot Lehr betonte am Dienstag, dass sein Mandant "zu keinem Zeitpunkt Partner der Anwaltssozietät" gewesen sei. Wulff sei nur angestellter Anwalt gewesen und habe seine Tätigkeit für die Kanzlei 1994 eingestellt. "Er hat seit 1994 kein Honorar oder sonstige Vergütungen der Anwaltssozietät erhalten", so Lehr. Er sei lediglich damit einverstanden gewesen, dass die Kanzlei seinen Namen auf dem Briefkopf führte, ihm die Kammerzulassung ermöglichte und ihn in die Berufshaftpflichtversicherung einbezog.

Im niedersächsischen Landtag hatte Wulff 2010 eine Frage nach geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens verneint. Es habe in den vergangenen zehn Jahren keine solche Verbindungen gegeben, sagte Wulff damals. Der Unternehmer Geerkens gilt als persönlicher Freund Wulffs. Die Affäre um den Bundespräsidentenhatte im Dezember begonnen, als bekannt wurde, dass Wulff einen zinsgünstigen Kredit von Geerkens' Ehefrau Edith erhalten hatte.

Nahles vergleicht Wulff mit Pinocchio

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte am Dienstag dem Sender N24: "Wir haben jetzt doch einen Pinocchio offensichtlich im Bundespräsidialamt." Sie halte Wulffs Verhalten für "peinlich". Sie habe den Eindruck, dass der Bundespräsident angesichts der scharfen Kritik an ihm "wohl offensichtlich Wachs in den Ohren hat". Zu befürchten sei, "dass das kein Ende nimmt, dass es immer weiter geht".

Nach Informationen der Zeitung wird sich die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart mit dem BW-Bank-Kredit von Wulff befassen müssen. Es seien zwei Beschwerden gegen den Beschluss der Staatsanwaltschaft Stuttgart eingegangen, kein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Bank und den Bundespräsidenten wegen des Verdachts der Untreue oder der Vorteilsannahme einzuleiten, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth dem Blatt. Die Generalstaatsanwaltschaft müsse innerhalb von vier Woch en prüfen, ob die Beschwerden begründet seien.

heb/dpa

insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
Mortaro 31.01.2012
1.
Zitat von sysopDavid McAllister gilt als Ziehsohn*des Bundespräsidenten - nun aber distanziert sich der niedersächsische Ministerpräsident von Christian Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Dieser habe "unorthodox" gearbeitet und "offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812355,00.html
Bitte was ? *Wer* war denn für seine Kontrolle zuständig, hmm ? Der anscheinend völlig überforderte und schlicht inkompetente Herr W. !
snoekie 31.01.2012
2. Wulff/Glaeseker
Ich glaube es ist schon alles dazu gesagt! Das warten ist nur auf den Rücktritt von Herrn Wulff.
mischpot 31.01.2012
3. McAllister zu diesem Zeitpunkt
ist wie viele andere auch nur eine Marionette Wulffs der Ihm jetzt schützend zur Seite springt um zu vertuschen und zu verschleiern. Haben wir in der Politik nur noch solche verantwortungslose Menschen. Es wird Zeit sich von diesem Abschaum der Gesellschaft zu trennen.
mamasliebling 31.01.2012
4. Nachtigall ich hör dir trapsen!
Klar muss sich McAllister distanzieren, er möchte ja die nächste Landtagswahl gewinnen. Da vollbringt die CDU Winkelzüge und will den Bürgern ein X für ein U vormachen, damit Wulff "reingewaschen" wird. Egal was Glaeseker gemacht hat, Wulff war sein Chef! McAllister sich mal bei seinem Parteikollegen Wulff bedanken, schließlich hat der Glaeseker ins Haus geholt, kein anderer und deshalb ist auch Wulff "haftbar" zu machen. Vorallem hat Wulff ja noch eigene Leichen im Keller. Es ist auch nicht zu fassen, wie schmerzfrei er zu sein scheint.
w.r.weiß 31.01.2012
5. Witzig.....
...Herr McAllister, dann legen se sich mal ordentlich ins Zeug und rudern und rudern und rudern und rudern....irgendwann kommt der Hafen in Sicht. Ja ja.....die großen Fußstapfen die der auf großem Fuße-etc.pp.-MP hinterlassen hat......wenn man kein Ruderboot unterm Hintern hätte, man würde glatt absaufen....! Noch ein paar Wochen und McAllister kennt die Namen der beiden Berliner Spezi-Grössen schon gar nicht mehr.
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