Bundespräsidenten-Geschichte Wie die Sowjets beinahe die Wahl entschieden

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6. Teil: Eine Stimme für Hitlers Nachfolger


Nach Eröffnung der Bundesversammlung nennen die einzelnen Fraktionen ihre Kandidaten. Nur so kommt man als Präsidentschaftsbewerber auf die Wahlkarten. Das hinderte allerdings vornehmlich in der Frühphase der Bundesrepublik einzelne Wahlleute nicht, einfach andere Namen auf die Kärtchen zu schreiben.

Auf diese Weise kam in der zweiten Bundesversammlung 1954 Karl Dönitz zu einer Stimme. Der Mann saß zu diesem Zeitpunkt allerdings noch im Gefängnis. Während des Kriegs Oberbefehlshaber der Marine, hatte ihn Hitler in seinem Testament zu seinem Nachfolger als "Reichspräsident" berufen.

Die Bundesversammlung reagierte 1954 laut Protokoll mit Pfui-Rufen auf diese Personalie.

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stephan370 29.06.2010
1. Die Amerikaner wählen ihren Präsidenten?
Es ist zwar richtig, dass die Wahlmänner die den amerikanischen Präsidenten bestimmen Amerikaner sind, aber direkt werden Präsidenten dort vom Volk nicht gewählt. Oder irre ich mich?
Teletobi 29.06.2010
2. .
Zitat von stephan370Es ist zwar richtig, dass die Wahlmänner die den amerikanischen Präsidenten bestimmen Amerikaner sind, aber direkt werden Präsidenten dort vom Volk nicht gewählt. Oder irre ich mich?
Es stimmt schon, das der Präsident in den USA von Wahlmännern gewählt wird. Diese sind aber im Gegensatz zu Deutschland in ihrer Wahl festgelegt und können sich beim Wahlakt selber frei entscheiden. Sie werden aufgrund ihrer Wahlaussage gewählt. Bei uns ist das auf Grund des "Fraktionszwangs" in der Regel zwar faktisch auch so, prinzipiell kann aber jedes Mitglied der Bundesversammlung für den Kandidaten seiner Wahl stimmen (was morgen vielleicht auch der eine oder andere machen wird).
manicmecanic 29.06.2010
3. Verfassung
was mich mal wieder nervt bei diesem Artikel,es wird wieder von der Verfassung geredet,die uns der parlamentarische Rat 1949 gegeben hat.Es grenzt mittlerweile an Volksverdummung,so oft wie man das querbeet durch die Medien lesen kann.Dieser Rat hat das Grundgesetz gemacht,und wer das kennt,weiß,daß es die gewollte Vorstufe zu einer endgültigen Verfassung sein sollte.Die BRD hat immer noch keine Verfassung,so sieht die traurige Wahrheit aus.
olligod 29.06.2010
4. parlamentarisch / präsidial
Zitat von TeletobiEs stimmt schon, das der Präsident in den USA von Wahlmännern gewählt wird. Diese sind aber im Gegensatz zu Deutschland in ihrer Wahl festgelegt und können sich beim Wahlakt selber frei entscheiden. Sie werden aufgrund ihrer Wahlaussage gewählt. Bei uns ist das auf Grund des "Fraktionszwangs" in der Regel zwar faktisch auch so, prinzipiell kann aber jedes Mitglied der Bundesversammlung für den Kandidaten seiner Wahl stimmen (was morgen vielleicht auch der eine oder andere machen wird).
Unseren Bundespräsident mit dem US- oder französichem Präsidenten zu vergleichen ist nur ein populistischer Aufmacher des Artikels. Wir haben ja ein ganz anderes System: Parlamentarische statt Präsidialdemokratie. Ob man das nachträglich ändern will wie einst Frankreich ist eine ganz andere Frage. Will man wirklich den machtlosen BPräs vom Volk wählen lassen, den Kanzler aber vom Parlament? Das wäre ein Systemfehler. Das ist eigentlich "Verarsche" wie es Österreich macht. Hätte man andererseits den vom Volk gewählten Kanzler, so wäre dieser unabhängig vom Bundestag - das Parlament kann ja schlecht den Kanzler stürzen, den das Volk gewählt hat. Also kein Vertrauens-/Misstrauensvotum. Man bräuchte den Bundespräsidenten sicher überhaupt nicht mehr. (Oder was soll der noch tun? Er hat doch seine Schlüsselstellung in und um die parlamentarische Kanzlerwahl, -Vertrauensvotum etc. -- wenn es hier kritisch wird mit Mehrheiten). ...Man könnte somit den direkt gewählten Kanzler wiederum in Bundespräsident umbenennen und wäre wieder bei der Präsidialdemokratie...
Silverhair, 29.06.2010
5. Machtkonzentration
Zitat von olligodUnseren Bundespräsident mit dem US- oder französichem Präsidenten zu vergleichen ist nur ein populistischer Aufmacher des Artikels. Wir haben ja ein ganz anderes System: Parlamentarische statt Präsidialdemokratie. Ob man das nachträglich ändern will wie einst Frankreich ist eine ganz andere Frage. Will man wirklich den machtlosen BPräs vom Volk wählen lassen, den Kanzler aber vom Parlament? Das wäre ein Systemfehler. Das ist eigentlich "Verarsche" wie es Österreich macht. Hätte man andererseits den vom Volk gewählten Kanzler, so wäre dieser unabhängig vom Bundestag - das Parlament kann ja schlecht den Kanzler stürzen, den das Volk gewählt hat. Also kein Vertrauens-/Misstrauensvotum. Man bräuchte den Bundespräsidenten sicher überhaupt nicht mehr. (Oder was soll der noch tun? Er hat doch seine Schlüsselstellung in und um die parlamentarische Kanzlerwahl, -Vertrauensvotum etc. -- wenn es hier kritisch wird mit Mehrheiten). ...Man könnte somit den direkt gewählten Kanzler wiederum in Bundespräsident umbenennen und wäre wieder bei der Präsidialdemokratie...
Was man faktisch hat! Man wollte das Wort für den Machthaber einfach nicht mehr "Präsident" nennen, also hat man die gesamte Staatsmacht an den Kanzler übertragen. Der "B.Präsident" ist nur noch Unterschriftenmachine und Nettes Werbeplakat". Faktisch konzentriert sich die gesamte Staatsmacht im Kanzler, er ist nebenbei ja auch noch Parteichef, er bestimmt (mit Ministern) letztlich und Fraktionszwang den Bundestagspräsidenten, den Bundespräsidenten, den Bundestaatsanwalt , über das Justizministerium die Staatsanwälte und die Auswahl der Richter, die Polizei - hier da BKA wurde trickreich wieder eingeführt, er kontrolliert die Verfassungschützer, die Armeee - schlichtweg alles in D. Und das praktisch ohne Kontrolle - was die Regierung als "geheim erklärt" ist eben geheim, kein Gericht kann das prüfen - die Regierung kann nicht verklagt werden .. siehe Bundestaatsanwalt der ja auch von ihr bestimmt wird, und sogar das BVerfG wird besetzt von der Regierung .. die anderen dürfen letztlich nur zuschauen. Die Machtfülle der dt. Regierung und des Kanzlers übersteigt jegliche Machtfülle in einem anderen Europäischen /Amerikanischen Staat - liegt teilweise oberhalb von Diktaturen - und übersteigt ganz sicherlich sogar die Machtfülle die Hitler zur Verfügung stand. Der hätte sich gefreut über solche unbeschränkte Machtfülle - serveriert auf dem Tablett einer sich zwar Demokratie nennenden - aber das Prinzip der Gewaltenteilung vollkommen ignorierenden Machtkonzentration.
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