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Bundespräsidenten-Wahl Drama in drei Akten

Foto: AFP

4. Teil: Der dritte Akt: Das Finale

Für die Unions-Wahlleute wird es jetzt ernst: Angela Merkel formuliert die "herzliche Bitte" an die Delegierten, im letzten und entscheidenden Wahlgang ein "kraftvolles Symbol" zu geben. Auch CSU-Chef Horst Seehofer ergreift das Wort. Er ermahnt die Delegierten, ihrer historischen Verantwortung gerecht zu werden. "Wir haben es selber in der Hand, ob die Union den nächsten Bundespräsidenten stellt oder ob wir ihn uns von der Linkspartei diktieren lassen" - so wird Seehofer von Teilnehmern zitiert. Bei der FDP dauert die Ansprache an die eigenen Leute nur drei Minuten: "An uns liegt es ja nicht", sagt einer aus der Parteispitze.

Eine Dreiviertelstunde haben die Linke-Wahlleute nach dem Spitzentreffen mit SPD und Grünen zusammen gesessen - nun soll Fraktionschef Gregor Gysi berichten, wie man sich im dritten Durchgang entscheiden will. Aber Gysi wird schon nach wenigen Sätzen von einem "Pfui"-Ruf unterbrochen. "Beide Kandidaten sind für uns nicht wählbar", sagt er - da kommt vor laufenden Kameras der nächste Zwischenruf: "Ihr hättet über euren SED-Schatten springen können." Er stammt von Werner Schulz, einem ehemaligen Bürgerrechtler, der inzwischen für die Grünen im Europaparlament sitzt. Schulz hat in den vergangenen Wochen so engagiert wie kaum ein anderer im rot-grünen Lager für den Kandidaten Gauck geworben. Dass dessen Wahl nun tatsächlich an der Linken scheitert, macht ihn richtig sauer. Aber auch Gysi ist jetzt auf 180. "Ein bisschen spät" komme das rot-grüne Werben um die Linke, schimpft er. Es bleibt dabei: Die Linken werden sich mehrheitlich enthalten.

19.30 Uhr - dritter Wahlgang. Das einzelne Aufrufen der Wahlleute-Namen werden die Mitglieder der Bundesversammlung so schnell nicht vergessen. Und noch mal von A bis Z. Wenigstens sind inzwischen die Buffets auf der Fraktionsebene eröffnet - wer seine Stimme im Plenarsaal abgegeben hat, ist jetzt hier oben im fünften Stock des Reichstagsgebäudes anzufinden.

Und dann, um kurz nach neun, ist alles vorbei. Die zwei Bilder des Tages: Joachim Gauck, wie er nach Bekanntgabe seines Ergebnisses im dritten Wahlgang seine Niederlage realisiert. Er sitzt unten in der ersten Reihe der SPD-Fraktion und schließt sekundenlang die Augen, während ihn die sozialdemokratischen und grünen Wahlleute feiern. Und der wie beseelt lächelnde neue Bundespräsident.

Christian Wulff hat es doch noch geschafft.

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insgesamt 2443 Beiträge
xzz 01.07.2010
Möglicherweise, das wird sich zeigen; Ich sehe aber noch keinen zwingenden Grund, warum er ein besonders guter oder aber ein besonders schlechter Präsident sein sollte. Gauck hätte Präsident werden können, wenn sich Gabriel [...]
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
Möglicherweise, das wird sich zeigen; Ich sehe aber noch keinen zwingenden Grund, warum er ein besonders guter oder aber ein besonders schlechter Präsident sein sollte. Gauck hätte Präsident werden können, wenn sich Gabriel nicht so verzockt hätte. Als Kompromisskandidat wäre er auch für die Union wählbar gewesen, hätte ihn Gabriel nicht lange genug zurückgehalten bis die Union sich auf Wulff geeinigt hatte. Gauck hätte auch im ersten Wahlgang mit den Stimmen der Linken gewählt werden können, aber auch dort kam keine Einigung zustande. Ob Gauck oder Wulff, scheint mir kein grosser Unterschied zu sein, aber immerhin ist es erfreulich, das tatsächlich eine Wahl bestand! In den vergangenen Bundesversammlungen hat die jeweilige Opposition nie einen ernsthaften, gelungenen Kandidaten aufgestellt, besonders zweimal Schwan war wirklich unerträglich. Die Entscheidung zwischen Gauck und Wulff hat dem Wahlprozess insgesamt gut getan
Schroekel 01.07.2010
Wulff hat Erfahrung in der Politik und wohl auch Lebenserfahrung, aber durch was hat er sich für dieses Amt qualifiziert? Gibt es irgendeine wirklich richtungsweisende Äusserung oder Handlung oder einen entsprechenden Vorschlag [...]
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
Wulff hat Erfahrung in der Politik und wohl auch Lebenserfahrung, aber durch was hat er sich für dieses Amt qualifiziert? Gibt es irgendeine wirklich richtungsweisende Äusserung oder Handlung oder einen entsprechenden Vorschlag von ihm? Irgendetwas von Bedeutung? Mir fällt da nichts ein. Wulff ist in erster Linie Parteisoldat und gehört als solcher zu den abgeschliffenen und weich gekochten Politikern, die viele Menschen satt haben. Ein Kompromiss. Die Chancen, dass er ein gutes Staatsoberhaupt wird, sind begrenzt. Die Chance, die sich mit dem Rücktritt seines Vorgängers (sorry, name schon vergessen) ergab, wurde nicht genutzt.
pwbaumann 01.07.2010
gutes staatsoberhaupt aus welcher sicht? das merkel würde zz evtl. noch mit "ja" antworten. alle anderen wissen, was wulff selbst von sich sagte: er ist schon immer 3.wahl gewesen.
Zitat von sysop... Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
gutes staatsoberhaupt aus welcher sicht? das merkel würde zz evtl. noch mit "ja" antworten. alle anderen wissen, was wulff selbst von sich sagte: er ist schon immer 3.wahl gewesen.
zaphod1965 01.07.2010
Ich bin relativ lange optimistisch geblieben, dass Die Linke die Kurve noch kriegen könnte und sich zu einer ernsthaften und vor allem ernst zu nehmenden politischen Alternative entwickelt. Das Kasperletheater der Linken bei [...]
Ich bin relativ lange optimistisch geblieben, dass Die Linke die Kurve noch kriegen könnte und sich zu einer ernsthaften und vor allem ernst zu nehmenden politischen Alternative entwickelt. Das Kasperletheater der Linken bei der Wahl des Bundespräsidenten hat mich auch meiner letzten Hoffnung beraubt und ich bin heute aus der Partei wieder ausgetreten (war übrigens ursprünglich in die WASG eingetreten, nicht in Die Linke!). Zusammen mit dem Programm-Debakel und dem kindischen Verhalten der Linken Fraktion in NRW haben die 123 Enthaltungen von gestern das Fass einfach zum Überlaufen gebracht.
Der-Gande 01.07.2010
Die Zukunft erst wird es zeigen, ob diese verpfuschte Wahl was gebracht hat. Den Stimmen nach hat Herr Wulff ja gewonnen, aber ob er auch ein "Volks"-Bundespräsident werden wird oder ob er der Bundespräsident der [...]
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
Die Zukunft erst wird es zeigen, ob diese verpfuschte Wahl was gebracht hat. Den Stimmen nach hat Herr Wulff ja gewonnen, aber ob er auch ein "Volks"-Bundespräsident werden wird oder ob er der Bundespräsident der CDU/FDP-Regierung sein wird, wird sich noch herausstellen. DIE LINKEN haben nun wirklich gezeigt, dass sie nicht regierungsfähig sind. Kindergartengruppe wäre eine Beleidigung für die Kinder!!
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