Von Veit Medick und Florian Gathmann
Für die Unions-Wahlleute wird es jetzt ernst: Angela Merkel formuliert die "herzliche Bitte" an die Delegierten, im letzten und entscheidenden Wahlgang ein "kraftvolles Symbol" zu geben. Auch CSU-Chef Horst Seehofer ergreift das Wort. Er ermahnt die Delegierten, ihrer historischen Verantwortung gerecht zu werden. "Wir haben es selber in der Hand, ob die Union den nächsten Bundespräsidenten stellt oder ob wir ihn uns von der Linkspartei diktieren lassen" - so wird Seehofer von Teilnehmern zitiert. Bei der FDP dauert die Ansprache an die eigenen Leute nur drei Minuten: "An uns liegt es ja nicht", sagt einer aus der Parteispitze.
Eine Dreiviertelstunde haben die Linke-Wahlleute nach dem Spitzentreffen mit SPD und Grünen zusammen gesessen - nun soll Fraktionschef Gregor Gysi berichten, wie man sich im dritten Durchgang entscheiden will. Aber Gysi wird schon nach wenigen Sätzen von einem "Pfui"-Ruf unterbrochen. "Beide Kandidaten sind für uns nicht wählbar", sagt er - da kommt vor laufenden Kameras der nächste Zwischenruf: "Ihr hättet über euren SED-Schatten springen können." Er stammt von Werner Schulz, einem ehemaligen Bürgerrechtler, der inzwischen für die Grünen im Europaparlament sitzt. Schulz hat in den vergangenen Wochen so engagiert wie kaum ein anderer im rot-grünen Lager für den Kandidaten Gauck geworben. Dass dessen Wahl nun tatsächlich an der Linken scheitert, macht ihn richtig sauer. Aber auch Gysi ist jetzt auf 180. "Ein bisschen spät" komme das rot-grüne Werben um die Linke, schimpft er. Es bleibt dabei: Die Linken werden sich mehrheitlich enthalten.
19.30 Uhr - dritter Wahlgang. Das einzelne Aufrufen der Wahlleute-Namen werden die Mitglieder der Bundesversammlung so schnell nicht vergessen. Und noch mal von A bis Z. Wenigstens sind inzwischen die Buffets auf der Fraktionsebene eröffnet - wer seine Stimme im Plenarsaal abgegeben hat, ist jetzt hier oben im fünften Stock des Reichstagsgebäudes anzufinden.
Und dann, um kurz nach neun, ist alles vorbei. Die zwei Bilder des Tages: Joachim Gauck, wie er nach Bekanntgabe seines Ergebnisses im dritten Wahlgang seine Niederlage realisiert. Er sitzt unten in der ersten Reihe der SPD-Fraktion und schließt sekundenlang die Augen, während ihn die sozialdemokratischen und grünen Wahlleute feiern. Und der wie beseelt lächelnde neue Bundespräsident.
Christian Wulff hat es doch noch geschafft.
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