Bundespräsidenten-Wahl Drama in drei Akten

Geheimtreffen, Ohnmachtsanfälle und ein Hitler-Vergleich: Nach einem dramatischen Tag und drei Wahlgängen ist Christian Wulff neuer Bundespräsident. Seine Kandidatur brachte Schwarz-Gelb an den Rand der Verzweiflung - die Chronik einer politischen Beinahe-Katastrophe.

Von und


Berlin - Er lächelt jetzt. Er winkt in die Reihen der Abgeordneten von Union und FDP, die ihm zujubeln und irgendwann in rhythmisches Klatschen verfallen. Er sieht fast so entspannt aus, wie am Anfang dieses Tages.

Um 21.13 Uhr an diesem warmen Juniabend ist Christian Wulff der zehnte Bundespräsident dieser Republik.

Gewählt mit der absoluten Mehrheit von 625 Stimmen, sein Widersacher Joachim Gauck bekam 494 Stimmen, 123 enthielten sich. Er ist es doch noch geworden. Es hat Stunden gedauert. Zehrende, dramatische Stunden, auf die Wulff gerne verzichtet hätte. Genau wie Kanzlerin Angela Merkel. Die Koalition wackelte, der Kandidat zitterte.

Dass Wulff durch zwei Wahlgänge rasselte, lässt sich durchaus als verdeckte Rebellion gegen Merkel verstehen. Auch wenn es am Ende gerade so gut ging - sie hat jetzt schwarz auf weiß, dass sie auf die eigenen Reihen nur noch bedingt zählen kann. Einen Neustart, auf den viele in der zerstrittenen Bundesregierung gehofft hatten, wird dieser Mittwoch jedenfalls nicht einläuten. Der Wulff-Effekt - er bleibt wohl Phantasie.

SPIEGEL ONLINE fasst das Drama dieser Wahl zusammen.



Forum - Christian Wulff als Bundespräsident - eine gute Wahl?
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xzz 01.07.2010
1. Titelbefreit
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
Möglicherweise, das wird sich zeigen; Ich sehe aber noch keinen zwingenden Grund, warum er ein besonders guter oder aber ein besonders schlechter Präsident sein sollte. Gauck hätte Präsident werden können, wenn sich Gabriel nicht so verzockt hätte. Als Kompromisskandidat wäre er auch für die Union wählbar gewesen, hätte ihn Gabriel nicht lange genug zurückgehalten bis die Union sich auf Wulff geeinigt hatte. Gauck hätte auch im ersten Wahlgang mit den Stimmen der Linken gewählt werden können, aber auch dort kam keine Einigung zustande. Ob Gauck oder Wulff, scheint mir kein grosser Unterschied zu sein, aber immerhin ist es erfreulich, das tatsächlich eine Wahl bestand! In den vergangenen Bundesversammlungen hat die jeweilige Opposition nie einen ernsthaften, gelungenen Kandidaten aufgestellt, besonders zweimal Schwan war wirklich unerträglich. Die Entscheidung zwischen Gauck und Wulff hat dem Wahlprozess insgesamt gut getan
Schroekel 01.07.2010
2. Merkel und Wulff
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
Wulff hat Erfahrung in der Politik und wohl auch Lebenserfahrung, aber durch was hat er sich für dieses Amt qualifiziert? Gibt es irgendeine wirklich richtungsweisende Äusserung oder Handlung oder einen entsprechenden Vorschlag von ihm? Irgendetwas von Bedeutung? Mir fällt da nichts ein. Wulff ist in erster Linie Parteisoldat und gehört als solcher zu den abgeschliffenen und weich gekochten Politikern, die viele Menschen satt haben. Ein Kompromiss. Die Chancen, dass er ein gutes Staatsoberhaupt wird, sind begrenzt. Die Chance, die sich mit dem Rücktritt seines Vorgängers (sorry, name schon vergessen) ergab, wurde nicht genutzt.
pwbaumann 01.07.2010
3.
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
gutes staatsoberhaupt aus welcher sicht? das merkel würde zz evtl. noch mit "ja" antworten. alle anderen wissen, was wulff selbst von sich sagte: er ist schon immer 3.wahl gewesen.
zaphod1965 01.07.2010
4. Die Linke ist gestorben
Ich bin relativ lange optimistisch geblieben, dass Die Linke die Kurve noch kriegen könnte und sich zu einer ernsthaften und vor allem ernst zu nehmenden politischen Alternative entwickelt. Das Kasperletheater der Linken bei der Wahl des Bundespräsidenten hat mich auch meiner letzten Hoffnung beraubt und ich bin heute aus der Partei wieder ausgetreten (war übrigens ursprünglich in die WASG eingetreten, nicht in Die Linke!). Zusammen mit dem Programm-Debakel und dem kindischen Verhalten der Linken Fraktion in NRW haben die 123 Enthaltungen von gestern das Fass einfach zum Überlaufen gebracht.
Der-Gande 01.07.2010
5. Meine Meinung!
Zitat von sysopMit Hängen und Würgen hat die Koalition ihren Kandidaten ins Schloss Bellevue gehievt - erst im dritten Wahlgang wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Wird er ein gutes Staatsoberhaupt?
Die Zukunft erst wird es zeigen, ob diese verpfuschte Wahl was gebracht hat. Den Stimmen nach hat Herr Wulff ja gewonnen, aber ob er auch ein "Volks"-Bundespräsident werden wird oder ob er der Bundespräsident der CDU/FDP-Regierung sein wird, wird sich noch herausstellen. DIE LINKEN haben nun wirklich gezeigt, dass sie nicht regierungsfähig sind. Kindergartengruppe wäre eine Beleidigung für die Kinder!!
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