Bundespräsidenten-Wahl: Linkspartei lädt Gesine Schwan zum Vorstellungsgespräch

Von , München

Erst die Abfuhr, jetzt die Einladung: Die Linkspartei will sich nun doch mit Gesine Schwan treffen. Allerdings gibt es in der Bundestagsfraktion der Linken weiterhin Vorbehalte gegen eine Wahl der Präsidentschaftsbewerberin - und die Hoffnung auf eine eigene Kandidatin.

München - Ein Gespräch wollen sie dann doch mit ihr führen: Die Linkspartei lädt die Bundespräsidentenkandidatin der SPD, Gesine Schwan, zu einem offiziellen Treffen mit der Bundestagsfraktion ein. Darauf einigte sich der Fraktionsvorstand in München. Schwan hatte angekündigt, um die Stimmen der Linken werben zu wollen - nur so hätte sie möglicherweise die Chance auf eine Mehrheit in der Bundesversammlung. Als Favorit gilt Amtsinhaber Horst Köhler, der für Union und die FDP erneut antritt.

Kandidatin Schwan, Bundespräsident Köhler: Die Linke will die SPD-Politikerin immerhin anhören
AP, DPA

Kandidatin Schwan, Bundespräsident Köhler: Die Linke will die SPD-Politikerin immerhin anhören

Das Treffen gilt als rein formeller Termin: "Das entspricht unserem Verständnis von politischer Fairness", sagte Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine SPIEGEL ONLINE. Es stelle sich jetzt die Frage, ob die SPD umgekehrt auch den Kandidaten oder die Kandidatin der Linkspartei einladen werde, sagte Lafontaine.

Allerdings gibt es diesen eigenen Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten bisher nicht. Eine Entscheidung darüber will die Linkspartei am 14. Oktober bekanntgeben. Zuletzt hatten Vertreter der Linkspartei betont, mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen gehen zu wollen, um die Bedeutung ihrer Partei als eigenständige politische Kraft deutlich zu machen. Offen ist, wie sich die Linkspartei in einem möglichen dritten Wahlgang verhielte. Bei der letzten Bundespräsidenten-Wahl 2004 hatte die Linke geschlossen für Schwan gestimmt, die bereits damals als Kandidatin von SPD und Grünen angetreten war.

Ende Juli kam es bereits zu einem Geheimtreffen zwischen Schwan und Linksfraktionschef Gregor Gysi, in dem die beiden auch die Frage einer möglichen Wahl Schwans mit Hilfe der Linkspartei in einem dritten Wahlgang erörterten. Das Treffen wurde als Annäherung nach einer Phase atmosphärischer Störungen zwischen Schwan und der Linkspartei gewertet: In einem SPIEGEL-Interview hatte Schwan Lafontaine als Demagogen bezeichnet und der Linkspartei vorgeworfen, keine politischen Rezepte auf die Herausforderungen der Gegenwart zu haben.

Die Aussicht auf eine Wahl Schwans mit den Stimmen der Linken dürfte aber auch durch den Personalwechsel in der SPD gesunken sein. Die baldige Rückkehr von Franz Müntefering an die SPD-Spitze und die Entscheidung der Sozialdemokraten für Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat werden in der Linkspartei äußert kritisch bewertet - beide gelten bei den Genossen als führende Vertreter der Hartz-IV- und Agenda-Politik, die die Linkspartei ablehnt. "Da hätten sie auch gleich Gerhard Schröder nehmen können, aber der hat jetzt wahrscheinlich einen besseren Job", sagte Gysi auf der Fraktionsklausur in München.

Ein Gespräch mit Schwan sei sinnvoll, sage Linkspartei-Fraktionsvize Klaus Ernst SPIEGEL ONLINE. "Aber die Motivation, sie zu wählen, liegt unter dem Nullpunkt."

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