Bundespräsidentenkandidat SPD und Grüne schicken Gauck ins Rennen

SPD und Grüne treten mit Joachim Gauck als Bundespräsidenten-Kandidat an. Der ehemalige Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde wird parteiübergreifend geschätzt, könnte so auch ein paar schwarz-gelbe Stimmen holen. Für die Linke ist Gauck nicht akzeptabel - sie will nun einen eigenen Kandidaten aufstellen.

Bürgerrechtler Gauck: Laut Selbstauskunft ein "linker, konservativer Liberaler"
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Bürgerrechtler Gauck: Laut Selbstauskunft ein "linker, konservativer Liberaler"

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Berlin - SPD und Grüne wollen mit Joachim Gauck ins Rennen um das Amt des Bundespräsidenten gehen. Parteichef Sigmar Gabriel und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin trafen sich demnach am Donnerstag in Berlin mit dem ehemaligen Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde, um Details der Kandidatur zu besprechen. Gauck soll von den Grünen ins Gespräch gebracht worden sein, am Freitag wird er offiziell vorgestellt.

Die Sozialdemokraten hatten Gauck, der auch im schwarz-gelben Lager geschätzt wird, schon am Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als Kompromisskandidaten vorgeschlagen. Merkel war darauf allerdings nicht eingegangen. Gauck hatte sich sowohl offen gezeigt für die Rolle des Kompromisskandidaten als auch für die des rot-grünen Gegenvorschlags.

Der 70-jährige Gauck, im Jahr 1990 für das "Neue Forum" Mitglied in der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer, wurde kurz darauf erster Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde. Gauck amtierte bis zum Jahr 2000 und wurde zu einer der Stimmen Ostdeutschlands, die auch in den alten Ländern auf große Resonanz stießen. Er selbst bezeichnet sich als "linken, konservativen Liberalen". Gauck war nach der Wende für kurze Zeit Mitglied bei Bündnis 90.

SPD und Grüne spekulieren auf Gauck-Stimmen von Schwarz-Gelb

Sozialdemokraten und Grüne gehen davon aus, dass sie mit ihrem Kandidaten auch Stimmen aus dem schwarz-gelben Lager ziehen können. Dafür stößt Gauck bei der Linken auf keine Zustimmung - sie will nun einen eigenen Vorschlag präsentieren. Besonders mit Linke-Fraktionschef Gregor Gysi liefert sich der Bürgerrechtler seit Jahren harte Auseinandersetzungen um die Frage, ob Gysi als IM für die Stasi tätig war. Union und FDP haben eine Mehrheit von 23 Stimmen in der Bundesversammlung.

SPD-Chef Gabriel griff die Regierung am Donnerstag scharf dafür an, dass sie nicht auf zwei Gesprächsangebote der Opposition eingegangen war. Die Koalition schade dem Amt des Bundespräsidenten, wenn sie nur jemanden als Kandidaten ins Auge fasse, der durchs "Stahlbad der Parteipolitik" gegangen sei. Das Amt werde so zum "Spielball machtpolitischer Interessen in der Union".

Die schwarz-gelbe Nominierung von Christian Wulff als Bundespräsidenten-Kandidat stieß bei SPD und Grünen auf entsprechend harsche Kritik. "Sie hat ihr angekündigtes Versprechen, einen Kandidaten vorzuschlagen, der für die Opposition wählbar ist, nicht umgesetzt", sagte Grünen-Fraktionschef Trittin zu der Personalie. Dazu komme: "Die Nominierung von Wulff ist eine krachende Niederlage für Merkel". Er sei ihr, so Trittin, "von konservativen Kreisen aufgenötigt worden."

Auch SPD-Chef Gabriel machte Merkel als große Verliererin des Geschachers im schwarz-gelben Lager aus. "Sie wollte das Schloss Bellevue zu einer Art Wohngemeinschaft machen, mit Frau von der Leyen als Statthalterin - aber selbst das gelingt ihr nicht." Merkel mache Deutschland zur "Toyota-Nation", sagte der SPD-Chef: "Erst heißt es: Nichts ist unmöglich, dann gibt es die größte Rückholaktion der Geschichte."

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Seite 1
unelcoendesa 03.06.2010
1.
Wenn schon zwischen den beiden gewählt werden soll, dann bitte Gauck.
oliver twist aka maga 03.06.2010
2.
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
Gauck.
Izmir.Übül 03.06.2010
3.
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
Gauck natürlich! Deshalb wird's wohl auch Wulff werden.
eikfier 03.06.2010
4. Monnometer
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
....Mann Gottes, ist das ein Durchgang hier, diesen Streß halte ich nicht mehr lange durch, muß erst mal austreten...
lulaga 03.06.2010
5. Beine hochlegen
Denkt eigentlich jemand auch daran wie lange wir Steuerzahler für Wulff zahlen müssen, wenn dieser Präsident wird? Läuft es so wie bei Köhler, dann kann er mit 56 Jahren die Beine hochlegen. Im Übrigen ist es mir ein Rätsel was den guten Mann aus Niedersachsen, der außer Osnabrück und Hannover noch nichts gesehen hat, auszeichnet solch ein repräsentatives Amt zu bekleiden. Weltmännisch ist anders!
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