Bundespräsidentenwahl Martin Sonneborn stellt seinen Vater als Kandidaten auf

Kurz vor der Wahl zum Amt des Bundespräsidenten ist ein neuer Kandidat aufgetaucht: der Vater des Satirikers Martin Sonneborn.

Martin Sonneborn (l.), Vater Engelbert Sonneborn
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Martin Sonneborn (l.), Vater Engelbert Sonneborn

Von Sophie Krause


"Er ist ein Mann von Manieren und großer Höflichkeit." Mit warmen Worten beschrieb Martin Sonneborn am Donnerstag seinen Vater Engelbert Sonneborn - den der Europaabgeordnete als Kandidaten der Piratenpartei für die Bundespräsidentenwahl am kommenden Sonntag vorstellte.

Mit 79 Jahren sei Engelbert Sonneborn im besten Alter für das hohe Amt, so der Satiriker. "Er pflegt ein konservatives Weltbild, was in der heutigen Zeit nicht verkehrt ist. Er würde mit Kanzlerin Angela Merkel ganz gut harmonieren." Weitere Qualifikationen: Sein Vater habe einen dunklen Anzug und "uns nicht an die NSA verraten", so Sonneborn. "Hast du doch nicht, oder? Nein."

Martin Sonneborn ist Mitglied der Bundesversammlung, die am kommenden Sonntag das neue Staatsoberhaupt wählt. Entsandt wurde er von den Piraten im nordrhein-westfälischen Landtag - und überzeugte diese, seinen Vater gemeinsam offiziell als Bundespräsidenten-Kandidaten zu nominieren.

"Ja, wir dürfen das"

SPD und Union hatten sich im Vorfeld auf Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) geeinigt. Auch FDP und Grüne unterstützen den Vorschlag. Damit gilt Steinmeier als Favorit für das Amt. Engelbert Sonneborn ist nun einer von fünf Bewerbern für das höchste Staatsamt, über das die 1260 Mitglieder der Bundesversammlung am Sonntag abstimmen.

NRW-Pirat Michele Marsching sagte auf die Frage, ob man aus der Bundespräsidentenwahl einen Spaß machen dürfe: "Ja, wir dürfen das. Mit diesem Amt wurde schon so viel Schindluder getrieben." Bei all dem Gekungel um politische Posten, "da ist ein solcher Spaß wirklich harmlos". Die Entscheidung sei am selben Tag gefallen, an dem Trump ankündigte, er würde seinen Sohn zu seinem Berater machen. "Am Ende haben wir festgestellt, das ist eine ganz lustige Idee."

Patrick Schiffer, Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland, sagte: "Engelbert Sonneborn ist ein Symbol für das Vorschlagsrecht der Bundesversammlung." Man habe den Wahlmännern und Wahlfrauen aber die Option gelassen. Man rechne mit drei Stimmen, so Sonneborn: Seiner eigenen und denen von Schiffer und Marsching. Auch der YouTuber Rayk Anders bekannte sich bei der Pressekonferenz als Mitglied der Bundesversammlung und Engelbert-Wähler.

Kalle Schwensen wollte nicht

Bevor sein Vater nominiert wurde, habe man die Hamburger Kiezgröße Kalle Schwensen gefragt, ob er Bundespräsident werden wolle, sagte Sonneborn. Doch dieser habe abgesagt. Für ihn ein großer Erfolg, denn: "Wenn Frank-Walter Steinmeier am Sonntag gewählt werden sollte, wird er ein Amt antreten, das Kalle Schwensen vorher abgelehnt hat." Da blieb nur noch sein Vater übrig.

Es sei schwer gewesen, einen angemessenen Gegenkandidaten für Frank-Walter Steinmeier zu finden. "Wir haben es mit Murat Kurnaz versucht, aber der ist viel jünger, als er aussieht - wegen vier Jahren Guantanamo wegen Steinmeier." Der Deutschtürke saß ohne Anklage als Terrorverdächtiger von 2002 bis 2006 im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay. Kurnaz forderte 2016 eine Entschuldigung des Außenministers Steinmeier.

Eine Anekdote aus dem Privatleben gab Sonneborn auch preis. Die einzige Folter, die er in seiner Kindheit erlebt habe, geschah nach seinem 18. Geburtstag: "Als wir volljährig wurden, hat mein Vater für uns die Briefwahl beantragt und uns erklärt, wie man die CDU wählt." Abgesehen davon sei er friedlich erzogen worden.

Freizeit statt Freiheit

Der Bundespräsidentenkandidat selbst durfte sich am Donnerstag nicht äußern: "Ich bin sein Sohn und kenne ihn sehr gut", sagte der Satiriker. "Er wird auf öffentliche Anfragen erst antworten, wenn er dafür bezahlt wird." Das Thema während seiner Amtszeit werde die "Freizeit" sein, so Sonneborn. "Wir haben Reden von Joachim Gauck abgetippt und das Wort 'Freiheit' durch das Wort 'Freizeit' ersetzt." Schließlich sei sein Vater Rentner und habe viel Zeit. Wenn ihm langweilig werden sollte, werde er Gaucks umgeänderte Reden vom Balkon des Schlosses Bellevue halten.

Die Nominierung Engelbert Sonneborns sei offiziell bei der Bundestagsverwaltung eingereicht worden, so Sonneborn. Diese würde dessen Echtheit und die Verwandtschaft der beiden Sonneborns "akribisch prüfen". Die Pressestelle des Bundestages war am Donnerstagabend nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Auf die Frage, ob er sicher sei, das Engelbert Sonneborn sein Vater sei, antwortete Sonneborn Junior jedoch: "Nein."



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