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Bundesratsbeschluss: Regeln für Stammzellenforschung werden gelockert

Erleichterung für Stammzellenforscher: Wissenschaftler in Deutschland erhalten mehr Spielraum für die Forschung. Die Einwände aus Bayern und dem Saarland fanden im Bundesrat keine Mehrheit.

Berlin - Die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen in Deutschland wird erleichtert. Der Bundesrat hat am Freitag in Berlin die Lockerung des Stammzellgesetzes gebilligt, die vom Bundestag bereits beschlossen wurde.

Chromosomen einer Eizelle: In Zukunft darf auch an jüngeren Stammzellen aus dem Ausland geforscht werden
DDP

Chromosomen einer Eizelle: In Zukunft darf auch an jüngeren Stammzellen aus dem Ausland geforscht werden

Bisher erlaubte das Gesetz nur die Forschung an Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland gewonnen wurden. Künftig dürfen Forscher embryonale Stammzellen aus dem Ausland einführen, die vor dem 1. Mai 2007 entstanden. Ein Antrag Bayerns, auf die Stichtagsverschiebung zu verzichten und den Vermittlungsausschuss anzurufen, fand keine Mehrheit.

Nach Angaben deutscher Wissenschaftler kann mit den bisher in Deutschland verwendeten rund 20 Zelllinien in absehbarer Zeit nicht mehr gearbeitet werden. Durch die Verschiebung des Stichtages können deutsche Forscher auf etwa 500 Zelllinien zurückgreifen.

In der Debatte wandte sich Bayerns Regierungschef Günther Beckstein (CSU) nachdrücklich gegen eine Verschiebung des Stichtages. Damit gerate man auf eine "schiefe Ebene", warnte er. Schon das Stammzellgesetz von 2002 sei ein Kompromiss gewesen, bei dem an die Grenzen des Verantwortbaren gegangen worden sei.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) unterstützte den bayerischen Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses. Dabei gehe es nicht darum, die Gewissensentscheidung der Bundestagsabgeordneten zur "Verhandlungsmasse" zu machen. Vielmehr müsse nochmals erörtert werden, ob es wirklich richtig sei, "durch eine Verschiebung des Stichtages einer Forschung zusätzliche Möglichkeiten zu eröffnen, obwohl keine therapeutischen Perspektiven damit verbunden sind".

Embryonale Stammzellen sind Urzellen menschlichen Lebens. Aus einer befruchteten Eizelle entwickeln sich mittels Teilung in den ersten Stunden und Tagen "Bausätze", die zunächst alles sein können. Binnen weniger Wochen werden daraus rund 200 verschiedene Zelltypen - zum Beispiel Nerven, Haut, Herz oder Lunge.

Forscher hoffen, mit diesen Zellen im Labor Ersatzgewebe und -organe herzustellen, um damit einmal schwere Krankheiten heilen zu können. Dazu zählen Krebs, Alzheimer oder Multiple Sklerose.

fat/AP/dpa/ddp

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