Interner Bericht Bundeswehr gibt unsinnige Millionen für Waffen aus

Konzeptlos, ordnungswidrig, nicht einsatzorientiert: Nach SPIEGEL-Informationen kritisiert der Rechnungshof die Beschaffungspraxis der Bundeswehr scharf. Die Truppe kaufe für viele Millionen Euro Handwaffen, die den Ansprüchen in der Praxis nicht genügen - und ignoriere die Erfahrung der Soldaten.

Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Erfahrung der Truppe beim Waffenkauf ignoriert
dapd

Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Erfahrung der Truppe beim Waffenkauf ignoriert

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Berlin - Prüfer im Auftrag des Bundesrechnungshofs kritisieren nach SPIEGEL-Informationen die Bundeswehr massiv für ihre Praxis beim Einkauf von Handwaffen. In einem als Verschlusssache eingestuften Bericht, der dem Verteidigungsministerium bereits Ende Juli übergeben wurde, bemängeln die Experten, dass die Truppe seit vielen Jahren ohne jegliches Gesamtkonzept neue Waffen einführe. Bei Nachbestellungen von neuen Waffen würden zudem "alarmierende Einsatzerfahrungen" einfach ignoriert.

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Heft 37/2012
Vom Staatsdiener zum Großverdiener

Gleich zu Beginn des Dossiers üben die Prüfer erhebliche Kritik an der Bundeswehrführung. So habe das Ministerium "ohne konzeptionelle Planung" mehr als 200.000 Handwaffen, also Gewehre und Pistolen, für 210 Millionen Euro eingekauft. Allerdings zeigten sich seit Jahren "deutliche Mängel der Wirksamkeit". Den Bericht hat das Prüfungsamt des Bundes in München erstellt, das zum Geschäftsbereich des Rechnungshofs gehört.

Als Beispiel nennt der Report das Gewehr G36 des Herstellers Heckler und Koch, von dem mittlerweile knapp 160.000 Stück bei der Truppe sind, für das es aber nie eine sorgsame Einsatzprüfung gegeben habe. Mittlerweile liegen laut dem 17-seitigen Report aus der Afghanistan-Mission Berichte von Soldaten vor, dass die im Vergleich zum Vorgänger G3 kleinkalibrigere Waffe in Gefechten über eine Distanz von mehr als 200 Metern den Gegner nicht sofort kampfunfähig mache, zudem würden die Kugeln schon bei leichtem Wind abgelenkt.

Wie wirksame Gewehre durch eingeschränkt wirksame ersetzt wurden

"Selbst heftiges Feuer", so ein Erfahrungsbericht, "beeindruckt den Gegner nicht mehr, zum Teil bewegt er sich ganz offen." Beobachtete Treffer beim Gegner, zitiert der Bericht weiter, "führen, zumindest nicht unmittelbar, zu einem Erfolg".

Der Rechnungshof nennt als Grund für die fehlende Durchschlagskraft einen falschen Kalibertyp für das G36, dessen Wirksamkeit vor dem Einkauf nicht geprüft wurde. Letztlich sei das "bis dahin wirksame Gewehr G3 durch ein eingeschränkt wirksames Gewehr G36 ersetzt" worden, die Erneuerung kostete mindestens 210 Millionen Euro. Auch nach Bekanntwerden der eingeschränkten Tauglichkeit habe die Truppe dies beim Hersteller "nicht kritisch hinterfragt". Vielmehr seien weitere G36 bestellt und die Ausbildung so geändert worden, dass die Soldaten nun jeweils zwei Schüsse statt einem abgeben sollen.

Der Bericht prangert für weitere Waffenkäufe "ordnungswidrige Projektabläufe" und "fehlende Nutzungsgenehmigungen" an. So seien für 3,2 Millionen Euro ohne ausreichende Tests 156 neue Gewehre für das Kommando Spezialkräfte (KSK) angeschafft worden, die sich später wegen Fertigungsfehlern als untauglich erwiesen. Statt den Hersteller verantwortlich zu machen, habe man auf Nachbesserung "gegen Entgelt" gesetzt.

Die Bewertung der Prüfer ist für die Bundeswehr ein Schlag ins Gesicht. Ein seit Jahren angestrebtes Gesamtkonzept für den Handwaffeneinkauf, so der Bericht, habe die Truppe nie erstellt. Vielmehr hätten "fehlende differenzierte Wirksamkeitskriterien" dazu geführt, dass "das Beschaffungsamt die Einsatzorientierung aus dem Auge verlor".

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insgesamt 139 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 09.09.2012
1. ist das jetzt etwas neues?
Kennt noch jemand den "Euro-Fighter"? Der kostete viele Milliarden, war kompletter Schrott & taugte nichts, wie eigentlich alles, wo "Euro" draufsteht.
antonhimbert 09.09.2012
2. Gibt noch ganz andere Dinger
Wie der "Kampfhubschrauber" Tiger, der es bis heute nicht schafft, im Flug eine Luft-Luft-Rakete abzufeuern oder die Nachbesserungen bzw. Runtersetzung von Normen beim A400. Alles Mängel vom Hersteller, aber der Steuerzahler darf immer schön weiterzahlen... Mafiabande
schwarzes_lamm 09.09.2012
3.
Zitat von sysopdapdKonzeptlos, ordnungswidrig, nicht einsatzorientiert: Nach SPIEGEL-Informationen kritisiert der Rechnungshof die Beschaffungspraxis der Bundeswehr scharf. Die Truppe kaufe für viele Millionen Euro Handwaffen, die den Ansprüchen in der Praxis nicht genügen - und ignoriere die Erfahrung der Soldaten. Bundesrechnungshof kritisiert Waffenkäufe der Bundeswehr - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854776,00.html)
Man darf nicht unterschlagen, das Grundkonzept der jetzigen Ausrüstung und Bewaffnung noch in Zeiten des Kalten Krieges stammt und es nicht einfach innerhalb von Monaten zu schaffen ist, eine komplette Armee, inklusive Logistik, Produktion von Ersatzteilen nebst Bedarfsermittlung, Neukonstruktion, Testphase von Neugerät umzurüsten.
ganta 09.09.2012
4. Schon lange bekannt...
Das ist schon seit Jahren bekannt und nichts neues, das die Bundeswehr nicht grad das beste Instrument für die Einsätze bekommt.
avon00 09.09.2012
5.
Das Problem mit dem zu kleinen Kaliber hat wohl nicht nur die BW sonder auch die anderen Armeen die Sturmgewehre und LMGs mit 5.56x45mm-Munition nutzen. Daher sind wohl nicht die Waffen selbst mangelhaft, so wie es hier dargestellt wird, sondern die Auswahl des Standartkalibers für die Waffen. Diese Auswahl wurde von den zuständigen Personen in der BW selbst getroffen, zu einem Zeitpunkt wo diese Kampfentfernungen wie sie jetzt in Afghanistan vorliegen nicht relevant waren. Tatsächlich würden sich in diesem Einsatz Gewehre mit 7.62x51mm besser eignen - zumindest für die Truppe in Afghanistan sollten moderne Gewehre mit diesem Kaliber zu Verfügung gestellt werden.
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