Intersexualität Kabinett billigt Gesetzentwurf für dritte Geschlechtsoption

Offiziell ist man entweder männlich oder weiblich? Das stimmt bald nicht mehr. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, wonach Menschen ihr Geschlecht auch mit "divers" angeben können.

Initiative "Dritte Option"
DPA

Initiative "Dritte Option"


Die Bundesregierung hat eine Neuregelung auf den Weg gebracht, die es intersexuellen Menschen ermöglichen soll, ihre Identität ins Geburtenregister eintragen zu lassen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf für eine dritte Geschlechtsoption hat das Bundeskabinett gebilligt. Das teilte das Bundesjustizministerium in Berlin mit. Das Bundesverfassungsgericht hatte eine entsprechende Neuregelung bis Ende diesen Jahres verlangt.

"Kein Mensch darf wegen seiner sexuellen Identität diskriminiert werden", sagte Justizministerin Katarina Barley (SPD). "Es ist überfällig, dass wir das Personenstandsgesetz jetzt endlich modernisieren." Mit dem zusätzlichen Eintrag "divers" werde Menschen, die sich nicht einem Geschlecht zugehörig fühlen, ein Stück Würde und eine positive Identität gegeben.

Regelungen sowohl für inter- als auch für transsexuelle Personen sollen demnach in einem weiteren Gesetz unter Federführung des Justiz- und des Innenministeriums erarbeitet werden.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) betonte, das geltende Transsexuellengesetz müsse aufgehoben und durch ein modernes Gesetz zur Anerkennung und Stärkung von geschlechtlicher Vielfalt ersetzt werden. Damit sollten auch Zwangssachgutachten über die geschlechtliche Identität von Menschen künftig nicht mehr zulässig sein."Alle Menschen sollen ihre geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung selbstbestimmt und frei leben können", sagte sie. Nach Angaben des Familienministeriums soll das Verfahren zur Reform des Gesetzes noch im Herbst gestartet werden.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am 10. Oktober 2017 entschieden, dass das Personenstandsrecht ein Verstoß gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht sowie das im Grundgesetz geregelte Diskriminierungsverbot darstellt. Die Entscheidung war im November 2017 veröffentlicht worden.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


aev/AFP



insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dasdingausdemsumpf 15.08.2018
1. Sehr gut!
Da wird die Realität anerkannt und entsprechend gehandelt.
Sokrates1939 15.08.2018
2. Freie Wählbarkeit?
Der Artikel liest sich so, als könne jeder dann seine "sexuelle Identität" frei wählen und sie auch beliebig wechseln.
RealSim 15.08.2018
3. Das ist sehr gut
Es sind manchmal diese ganz kleinen Schritte die den gesellschaftlichen Fortschritt formen. Wunderbar das zu erleben. Ich applaudiere diesem Gesetzesentwurf. Sicherlich kann man das ganze auch noch weiter ausdifferenzieren aber der Anfang ist erstmal gemacht.
severus1985 15.08.2018
4. Bin auf die Kommentare gespannt
Erfahrungsgemäß wird jetzt wieder gepoltert werden, mit was sich unsere Politer so beschäftigen ("Es gibt doch wohl wichtigeres..." etc.). Dabei geht es hier um eine kleine Änderung, die betroffenen Eltern und Kindern das Leben ein bisschen einfach machen, ohne das dabei jemand zu Schaden kommt. Solange man nicht betroffen ist, lässt sich so etwas eben leicht als Schwachsinn abtun.
cabeza_cuadrada 15.08.2018
5. kleine Änderung?
Zitat von severus1985Erfahrungsgemäß wird jetzt wieder gepoltert werden, mit was sich unsere Politer so beschäftigen ("Es gibt doch wohl wichtigeres..." etc.). Dabei geht es hier um eine kleine Änderung, die betroffenen Eltern und Kindern das Leben ein bisschen einfach machen, ohne das dabei jemand zu Schaden kommt. Solange man nicht betroffen ist, lässt sich so etwas eben leicht als Schwachsinn abtun.
So ziemlich jeder Antrag den man so ausfüllen kann oder muss erfordert die Angabe Herr oder Frau. Müssen die jetzt nicht auch alle geändert werden? Ist die Toilettenfrage denn auch schon vom Tisch oder gibt es demnächst die Forderung nach Herren Damen und Diver Toiletten? Ich denke nicht dass die Änderung sooo klein ist. Aber so tief stecke ich auch nicht im Thema.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.