MAD-Zuträger in Afghanistan Regierung holt Bundeswehr-Informanten nach Deutschland

Wenn die Nato bis Ende 2014 aus Afghanistan abzieht, fürchten einheimische Informanten die Rache der Taliban. Der Militärische Abschirmdienst hat nun einen Bundeswehr-Zuträger und dessen Familie nach Deutschland geholt. Viele weitere Afghanen hoffen auf eine Ausreiseerlaubnis.

Bundeswehreinsatz am Hindukusch: Afghanische Informanten fürchten um ihr Leben
REUTERS

Bundeswehreinsatz am Hindukusch: Afghanische Informanten fürchten um ihr Leben


Berlin - Er hat Hinweise auf geplante Anschläge, Hinterhalte und Sprengfallen der Taliban geliefert und so deutschen Soldaten seit 2007 das Leben gerettet. Um den Jahreswechsel flog der afghanische Informant auf und geriet fortan selbst ins Visier der militanten Extremisten. Sie drohten, ihn zu töten.

Um ihn vor der Rache der Taliban zu schützen hat die Bundesregierung den Zuträger der Bundeswehr in Kunduz nach Deutschland geholt. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hatte sich vehement für die Ausreise des Mannes eingesetzt. Ende Mai kam der Afghane nach Informationen des SPIEGEL gemeinsam mit seiner Familie in der Bundesrepublik an.

Er bekam vom für Sicherheit zuständigen Innenstaatssekretär eine Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 22 des Aufenthaltsgesetzes, der eine "Aufnahme aus dem Ausland aus völkerrechtlichen Gründen" und "zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik" ermöglicht.

Vor dem Nato-Abzug aus Afghanistan, der bis Ende 2014 abgeschlossen sein soll, steigt die Zahl der Ausreiseanträge von afghanischen Bundeswehr-Beschäftigten rasant an. Die Taliban drohen ihnen wegen ihrer Tätigkeit mit dem Tode. Insgesamt beschäftigt die Bundeswehr am Hindukusch etwa 1350 einheimische Mitarbeiter.

Aufnahme bei Lebensgefahr

Auf Flugblättern, die nach Angaben des Auswärtigen Amtes derzeit auf Deutsch und in der Landessprache Dari in den Bundeswehrcamps in Afghanistan ausgehängt und verteilt werden, heißt es: "Sollte sich zeigen, dass Sie einer konkreten Gefahr für Leib oder Leben ausgesetzt sind, die auch durch einen Umzug nicht auflösbar erscheint, ist eine Aufnahme in Deutschland möglich." Dieses Angebot soll auch für afghanische Helfer des Auswärtigen Amtes und der deutschen Polizei gelten.

Bis zur vergangenen Woche hatten 228 Afghanen entsprechende Gesuche gestellt. Bislang hat die Bundeswehr jedoch erst vier Ortskräften und deren Familien die Ausreise nach Deutschland gestattet.

Die afghanische Regierung verurteilte Ende Januar in einer scharfen Verbalnote jegliche Asylangebote für die afghanischen Helfer der Bundeswehr als "inakzeptabel". Deutschland wurde aufgefordert, seine Ideen für die Aufnahme "zu überdenken" und rasch eine Stellungnahme "zur Einstellung des Prozesses" abzugeben.

syd

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kent Brockman 21.07.2013
1. Hab ich nicht mit gerechnet
Muss aber sagen: Richtig
danielluecking 21.07.2013
2. Gelächter
Ich bat vor kurzem für eine Recherche an diesem Thema das Auswärtige Amt telefonisch um Übersendung des Infobogens, der mir über Umwege auf Deutsch zugänglich wurde in der Dari, Pashto und Englischen Version. So, wie z.B. die Arbeitsverträge der Ortskräfte in Afghanistan ausgefertigt werden. Ich bat zwei Mal um Übersendung - beide Male sage mir die Pressestelle des Auswärtigen Amtes: "Herr Fischer meldet sich." Auf den Rückruf und die Bögen warte ich bis heute ...
thanks-top-info 21.07.2013
3.
die Aufnahme in dem Fall finde ich richtig, man sollte aber im Land tunlichst nicht wieder verpassen, für eine baldige Integration in die Gesellschaft zu sorgen. Und dazu sollte man die Familien an verschiedenen Orten unterbringen, so das Landessprache und Sitten leichter zu übernehmen sind
thomas_gr 21.07.2013
4. optional
Regierugen entscheiden Kriege und die Söhne und Töchter anderer sterben. So ist das auch mit Helfer und Informanten. Wäre toll, wenn Regierende bei allen Entscheidungen persönlich "mithaften". Entscheidung für Krieg: Politiker muss selbst in Krieg ziehen oder seine Kinder schicken. Hartz 4 wird um 5% gekürzt, Diäten um den gleichen Satz, usw usf. Dann noch mehr plebiszitäre Elemente und alles wird jut.
stehaufmännchen 21.07.2013
5. Ich bin baff....
und es freut mich! Habe mir schon lange Sorge um die armen Leute gemacht. Weiter so!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.