Annäherung an Ankara Bundesregierung will Aufrüstung türkischer Leopard-Panzer genehmigen

Die Bundesregierung zeigt sich bei der Wiederannäherung an die Türkei flexibel: Nach SPIEGEL-Informationen will Berlin jetzt einen millionenschweren Rüstungsdeal mit Ankara abnicken.

Leopard-Panzer (Archiv)
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Leopard-Panzer (Archiv)


Die Bundesregierung will im Zuge der schrittweisen Normalisierung des deutsch-türkischen Verhältnisses eine umfangreiche Modernisierung türkischer Leopard-Panzer genehmigen.

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Heft 4/2018
Warum sich SPD, Grüne und Linke neu erfinden müssen

Nach dem Treffen von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu in Goslar am vorvergangenen Wochenende wies Gabriel sein Haus nach SPIEGEL-Informationen an, die Frage einer Genehmigung des Panzer-Upgrades auf die Tagesordnung der nächsten Runde der amtierenden Staatssekretäre über Rüstungsexporte zu setzen und diese dort wohlwollend zu prüfen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Türkei hatte schon im März 2017 um eine Genehmigung für eine "Kampfwertsteigerung" der Leopard-Panzer gebeten, wegen der deutsch-türkischen Krise kam es aber nicht dazu. Seit Monaten liegen zudem mehrere andere Rüstungsprojekte für den Nato-Partner auf Eis.

Ankara möchte seine Leopard-Panzer durch den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall mit dickeren Bodenplatten zum Schutz gegen Sprengfallen und Minen ausstatten lassen. Zudem soll ein Sensorsystem zur Verteidigung gegen Panzerabwehrgeschosse installiert werden.

Deutschland hatte in den letzten Monaten alle Anfragen für Rüstungsexporte an den Nato-Partner Türkei auf den Prüfstand gestellt. Die nun angepeilte Genehmigung gilt unter Diplomaten als Entgegenkommen zur Lösung der Krise mit der Türkei und als weiterer Schritt auf dem Weg hin zu einer Freilassung des "Welt"-Journalisten Deniz Yücel, der seit fast elf Monaten in der Türkei ohne Anklage in Haft sitzt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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mgb/csc



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Seite 1
kraus.roland 19.01.2018
1. Da bleibt Einem die Luft weg!
Diese Meldung zu Beginn von Erdogans Vernichtungsfeldzug gegen die Kurden ist die absolute 'Krönung' einer ganz und gar schandbaren Beziehung. Das Regierunselend ist nun nicht mehr zu unterbieten!
Orthoklas 19.01.2018
2. Wenn das Geld im Kasten klingt,...
So kann man die türkischen Expansionspläne in Syrien auch unterstützen. Ich muss mich schämen für unsere Volksvertreter.
Sal.Paradies 19.01.2018
3. Der Oberheuchler vom Dienst
Und wenn dann, wie aktuell, die Türken kurdische Dörfer mit dem Leo dem Erboden gleichmachen, wird Gabriel wieder an vorderster Front sehen, um diese Angriffe zu verurteilen und vor deutschen Kameras seine Krokodilstränen vergießen. Wie kann man diesem Diktator Erdogan jetzt auch noch sein Kriegsspielzeug aufrüsten? Ist denen in Berlin nicht klar, dass genau jene Waffen eines Tages gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden kann? Mea Culpa, aber an den Händen solcher Politiker klebt jede Menge Blut und Zuhause sipelen sie sich als weltweite Pazifisten auf.
ptb29 19.01.2018
4. Die Türkei beschießt gerade Orte in Syrien
Für Geld scheinen unsere Repräsentanten jede Moral über Bord zu werfen. Ein Philosoph hat im 19. Jahrhundert genau dieses Verhalten vorhergesagt. Das nennt man Kapitalismus.
dbrown 19.01.2018
5. Das hat Klasse, Berlin!
Nur ein weiterer Beweis dafür, daß das Einknicken, egal jetzt ob vor der Waffenlobby oder diesem Erdogan, in Berlin Programm ist. Egal, Geld verdienen, was hab ich mit Kurden im Syrien zu schaffen!? Wenn Gabriel, Merkel und Co. sich beschweren, daß deutsche Journalisten in der Türkei im Knast sitzen wegen nichts, dann ist das Gejammere groß, aber Waffenverkäufe werden bis auf's Letzte verteidigt. Was für ein armseliger, scheinheiliger Haufen! Dieses ewige Gekusche vor diesem Diktator.
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