Gesetzentwurf Bundesregierung will Genitalverstümmelung härter bestrafen

Die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen soll zukünftig härter bestraft werden. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der bis zu 15 Jahre Haft vorsieht. Frauenrechtlerinnen geht diese Initiative nicht weit genug.


Hamburg - Künftig soll die weibliche Genitalverstümmelung als eigener Straftatbestand gelten, der eine Haftstrafe zwischen einem und 15 Jahren vorsieht. Einen entsprechenden Gesetzentwurf beschloss das Kabinett am Mittwoch in Berlin. Bisher wurde eine solche Tat in der Regel als schwere Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren geahndet.

Die weibliche Genitalverstümmelung sei "ein schwerwiegender Eingriff in die körperliche Unversehrtheit", heißt es zur Begründung in der Kabinettsvorlage von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Die Reform soll noch vor der Bundestagswahl verabschiedet werden. Die Zeit dafür ist allerdings knapp: Bis zum Beginn der Sommerpause Anfang Juli sind nur noch drei parlamentarische Sitzungswochen vorgesehen.

Weltweit 140 Millionen Opfer

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes begrüßte die Initiative grundsätzlich, hält den Gesetzentwurf aber nicht für ausreichend. Die Gruppe fürchtet, dass zukünftig Familien zur Beschneidung ihrer Töchter ins Ausland reisen. Diese Delikte könnten dann nach jetzigem Stand nicht geahndet werden, selbst wenn die Opfer ihren Wohnsitz in Deutschland haben. "Wir fordern eine Aufnahme der Genitalverstümmelung in den Katalog der Auslandsstraftaten", sagte Franziska Gruber von Terre des Femmes.

Der traditionelle Brauch wird weltweit in etwa 30 Ländern praktiziert, vorwiegend in muslimisch geprägten Staaten im Norden Afrikas. Einige Fälle sind aber auch bei Einwandererfamilien in Europa dokumentiert. Allein in Deutschland sollen etwa 30.000 Frauen und Mädchen leben, die bereits verstümmelt wurden oder denen ein ähnliches Schicksal droht.

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung, die in einigen Kulturen als wichtiges Initiationsritual gilt, wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt. In besonders gravierenden Fällen wird sogar die Vagina zugenäht und nur eine kleine Öffnung belassen. Viele Betroffene leiden ihr Leben lang unter Schmerzen, aber auch unter den psychischen Folgen.

Darüber hinaus drohen lebensgefährliche Infektionen und Blutungen, weil die Eingriffe oft unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt werden. Zudem werden die Beschneidungen nicht selten mit stumpfen Rasierklingen, Glasscherben oder Teilen von Blechdosen durchgeführt. Schätzungen zufolge sind weltweit bereits rund 140 Millionen Mädchen und Frauen das Opfer von Genitalverstümmelungen geworden.

syd/dpa



insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Blaue Fee 29.05.2013
1.
Nun, ein Jahr Haft ist nun recht wenig, wenn, dann zwischen 10 bis 15 Jahre Haft und für Genitalverstümmlungen bei Jungs und Mädchen!
yggdra 29.05.2013
2. Und die männliche Genitalverstümmelung,
die in einigen Kulturen als wichtiges Initiationsritual gilt?
mactor2 29.05.2013
3. Ich hoffe
darunter zählt dann auch das Beschneiden von Jungen. Das ist ja auch eine Art Verstümmelung.
kabian 29.05.2013
4. Gleiches Recht?
Ich begreife nicht den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Eines ist legal und das andere eine Todsünde?
forumgehts? 29.05.2013
5. Sollte
Zitat von sysopDie Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen soll zukünftig härter bestraft werden. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der bis zu 15 Jahre Haft vorsieht. Frauenrechtlerinnen geht diese Initiative nicht weit genug. Bundesregierung will Genitalverstümmelung mit 15 Jahren Haft bestrafen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-will-genitalverstuemmelung-mit-15-jahren-haft-bestrafen-a-902636.html)
jedoch eine relevante Kulturgemeinschaft dies religiös begründen wie bei den Männern, dann hätten die Frauenrechtlerinnen eben Pech gehabt. Oder etwa nicht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.