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Bundesregierung: Frauen werden ein kleines bisschen mächtiger

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Gespräch unter Frauen: Die Politikerinnen Grütters, Wanka, von der Leyen und Özoguz Zur Großansicht
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Gespräch unter Frauen: Die Politikerinnen Grütters, Wanka, von der Leyen und Özoguz

Angela Merkel, Ursula von der Leyen - wird die Bundesregierung wirklich weiblicher? Eine Studie zeigt jetzt: In den Top-Etagen der Ministerien arbeiten immer noch viel mehr Männer als Frauen. Vor allem im Haus der Verteidigungsministerin.

Berlin - Angela Merkel, Deutschlands erste Kanzlerin, Ursula von der Leyen, Deutschlands erste Verteidigungsministerin - ganz offensichtlich ist die Politik in den letzten Jahren weiblicher geworden. Im Kabinett sitzen fünf Ministerinnen. Aber wie viele Frauen arbeiten unter Merkel im Kanzleramt, wie viele sitzen in den Führungsetagen der Ministerien?

An diesem Mittwoch empfängt die Kanzlerin auf einem Frauengipfel 100 Managerinnen - für die Wirtschaft soll ab 2016 eine 30-Prozent-Frauenquote in den Aufsichtsräten der größten deutschen Firmen gelten. Ist die Politik hier Vorbild?

Antwort darauf liefert eine neue Studie. Die Unternehmensberatung Kienbaum hat den Anteil von Frauen in Führungspositionen im Kanzleramt, dem Bundespresseamt und den Bundesministerien untersucht - und mit Zahlen aus dem Jahr 2012 verglichen.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Insgesamt hat sich der Frauenanteil in den Führungspositionen in der Bundesregierung seit 2012 erhöht. Es gibt aber eine Ausnahme: Auf den Posten der beamteten Staatssekretäre gibt es prozentual weniger Frauen als 2012. Ihr Anteil sank von 24 auf 20,7 Prozent

  • Noch nie war eine Bundesregierung so weiblich wie im Jahr 2014. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Hierarchieebenen. Auf der obersten Führungsebene der Ressortleiter (also Kanzlerin und Bundesminister) sind 40 Prozent Frauen. Insgesamt sind 32 Prozent der Führungskräfte im Kanzleramt, den Ministerien und dem Bundespresseamt weiblich - das ist gegenüber 2012 ein Anstieg von drei Prozent.

  • In den Top-Etagen der Bundespolitik, also auf Ebene der Minister und beamteten Staatssekretäre, sitzen mehr Frauen (29 Prozent) als in vergleichbaren Positionen in der freien Wirtschaft, so ein Fazit der Kienbaum-Autoren. Auf Ebene der Abteilungs- und Unterabteilungsleiter gibt es zwar deutlich mehr Frauen als 2012, ihr Anteil sei aber niedriger als auf entsprechender Wirtschaftsebene.

  • Trotz des Anstiegs - die Studie kommt auch zu einem negativen Ergebnis: In allen Ministerien und im Kanzleramt ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen niedriger als der Anteil der Frauen an der Belegschaft insgesamt - weibliche Führung ist in der Bundesregierung also durchweg unterrepräsentiert.

  • Große Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Ministerien. Die Studie beleuchtet detailliert den Frauenanteil, die Entwicklung der letzten zwei Jahre und zum Beispiel Maßnahmen zur Förderung weiblicher Spitzenkräfte in jedem Ressort.

  • Beim Anteil von Frauen in der Führung liegt das Familienministerium mit 52,6 Prozent ganz vorne. Das Ressort von Manuela Schwesig (SPD) ist damit das einzige, in dem Frauen in der Leitung die Mehrheit stellen - und das ist zum ersten Mal in einem Ministerium überhaupt so. Auf den zweiten und dritten Platz kommen das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) mit 46,6 Prozent und das Ministerium für Forschung und Bildung mit 42,5 Prozent.

  • Schlusslicht bei Frauen auf Top-Positionen ist immer noch Ursula von der Leyens Haus - aber im Verteidigungsministerium hat sich der Frauenanteil in den letzten zwei Jahren am meisten gesteigert. Der Anteil der weiblichen Führungskräfte stieg von 8 auf 13,7 Prozent. "Die Öffnung der Bundeswehr für den weiblichen Dienst an der Waffe und insbesondere der Stabsoffizierslaufbahn für Frauen führt nur langsam zu einem Anstieg des Frauenanteils in militärischen Führungspositionen, was sich schmälernd auf den Gesamtanteil von Frauen in Führungspositionen im BMVg auswirkt", heißt es in der Studie. Hervorgehoben wird auch das Auswärtige Amt von Außenminister Steinmeier, wo es insgesamt weniger Führungspositionen als 2012 gibt, aber trotzdem mehr Frauen - ihr Anteil stieg von 17 Prozent im Jahr 2012 auf jetzt 25,7 Prozent.

  • Eine Rüge hingegen gibt es von den Autoren für das Bundesfinanzministerium, das Bundesverkehrsministerium und das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung. Hier ließen sich "keine vergleichbaren Dynamiken" feststellen, heißt es. Gesunken ist der Frauenanteil im Bundesumweltministerium und im Agrarministerium.

  • Frauen als Chefinnen fördern Frauen in Spitzenpositionen - das wird in der Studie sehr deutlich: "Unter den ersten vier Ressorts mit den höchsten Frauenanteilen an Führungspositionen sind drei Häuser, die seit mehr als zehn Jahren von Frauen geführt werden", heißt es in der Studie. Gemeint sind das Familienministerium, das seit 27 Jahren weiblich geführt wird, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem seit 14 Jahren eine Frau vorsteht, und das BMZ, das zwar in dieser wie schon in der letzten Legislaturperiode einen Mann an der Spitze hat, aber vorher elf Jahre von einer Ministerin geführt wurde. Auf Ebene der Staatssekretäre und Abteilungsleiter sei der Frauenanteil bei entsprechendem politischem Willen sehr schnell zu ändern, so die Autoren. Unterdurchschnittliche Frauenanteile weisen umgekehrt jene Ministerien auf, die von Männern geführt werden und auch in den letzten Legislaturperioden durchgehend oder überwiegend männliche Spitzen hatten.

Welches Fazit zieht die Unternehmensberatung? Kienbaum sieht die Politik angesichts der geplanten Quoten für die Wirtschaft noch stärker in der Pflicht, auch auf den obersten Führungsebenen mehr Frauen einzusetzen. Übliche Ausreden, dass keine qualifizierten Kandidatinnen für die Top-Positionen zur Verfügung stünden, würden nicht mehr gelten - die Zahlen zeigten nämlich, dass weiblicher Nachwuchs auf allen Ebenen zu rekrutieren sei.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Soziale Zusammensetzung der Parteien
dasguteeinhorn 14.10.2014
Eine wichtige Info fehlt der Studie leider um sie wirklich bewerten zu können. Anbei die Parteimitgliedschaften aufgeteilt nach Männer und Frauen: SPD Frauen 32 % (Aufgerundet?) Männer 69 % CDU Frauen 26 % Männer 74 % CSU Frauen 19 % Männer 81 % Grüne Frauen 38 % Männer 62 % Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung
2.
DerExperte 14.10.2014
Wieder mal teures Geld für eine sinnlose Studie. " In allen Ministerien und im Kanzleramt ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen niedriger als der Anteil der Frauen an der Belegschaft insgesamt - weibliche Führung ist in der Bundesregierung also durchweg unterrepräsentiert." Kommt schlicht dadurch, dass Frauen öfter Teilzeitkräfte sind. Aber es geht nur eins, Karriere oder Teilzeit. Ich sehe nicht, was da geändert werden soll.
3. Frauenpräsenz als Selbstzweck?
lagermeister17 14.10.2014
Eine Regierung hat Aufgaben. Doch das wichtigsteZiel scheint jetzt zu sein, den Anteil von Frauen immer mehr zu erhöhen. So als sei das selbstverständlich, wird davon ausgegangen, daß eine Erhöhung des Frauenanteils eine zu begrüßende Entwicklung, eine Senkung jedoch eine zu beklagende Entwicklung sei, m.a.W., daß nicht die Arbeitsresultate, sondern die geschlechtliche Zusammensetzung der Regierung bzw. der Betriebsvorstände das Wichtigste sei. Warum eigentlich?
4. Unterm Strich...
Bundeskanzler20XX 14.10.2014
...muss immer das Ergebnis stimmen. Ob Mann oder Frau. Zwang ist auf jeden Fall kontraproduktiv. Eine natürliche Entwicklung finde ich durchaus in Ordnung. Wichtig ist es die allgemeine Gleichberechtigung in jede Richtung zu berücksichtigen.
5.
mapomuc01 14.10.2014
In meiner ganzen 30 jährigen Berufszeit konnte ich nie feststellen, dass Frauen benachteiligt wurden - eher im Gegenteil. Wenn man die Quoten bei den Studien ansieht, wird es sowieso bald anders aussehen, soweit die Frauen bereit sind, gleich viel in ihre Karriere zu stecken. Insgesamt sehe ich eher die Notwendigkeit, Jungs und Männer zu fördern für die Zukunft.
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