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Resolution im Bundestag: Mehrheit spricht sich für Beschneidung aus

Das Thema religiöse Beschneidung sorgt für hitzige Debatten - nun hat der Bundestag eine Resolution verabschiedet. Das Parlament spricht sich symbolisch dafür aus, dass eine "medizinisch fachgerechte Beschneidung" bei männlichen Kindern grundsätzlich zulässig sein soll.

Bundestag in Berlin: Votum für religiöse Beschneidung bei Jungen Zur Großansicht
dapd

Bundestag in Berlin: Votum für religiöse Beschneidung bei Jungen

Berlin - In der aufgeheizten Diskussion um die religiöse Beschneidung von Jungen hat der Bundestag eine eindeutige Position bezogen. Die Kernaussage der Resolution des Parlaments: "Eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen" müsse "grundsätzlich zulässig" sein. Die Abgeordneten stimmten mit breiter Mehrheit zu.

In der Entschließung wird zudem gefordert, dass die Bundesregierung möglichst bis Herbst eine gesetzliche Regelung vorlegen soll. Diese müsse Rechtssicherheit für Eltern und Mediziner schaffen. Der Bundestagsbeschluss hat allerdings nur symbolischen Wert - rechtlich bindend ist er nicht.

Hintergrund der Debatte ist ein Urteil des Landgerichts Köln. Die Richter hatten die Beschneidung eines vierjährigen Jungen als rechtswidrige Körperverletzung gewertet und damit Proteste in den muslimischen und jüdischen Gemeinden ausgelöst.

Auch die Grünen hatten im Vorfeld Bedenken gegen die geplante Resolution angemeldet. Der fraktionsübergreifende Antrag wurde deshalb am Donnerstagnachmittag nur von CDU/CSU, SPD und FDP eingebracht. Die Grünen würden die Erklärung - anders als geplant - nicht als Gesamtfraktion unterstützen, hieß es. Fraktionschefin Renate Künast begründete dies mit der fehlenden Zeit für ausgiebige Beratungen. "Wir finden, dass dieses Hauruckverfahren der Koalition nicht angemessen ist."

Den Grünen-Abgeordneten sei jedoch freigestellt, ob sie den Antrag unterstützen oder nicht. Auch die Linke beteiligte sich nicht an der Resolution.

Deutsche sind beim Thema unentschieden

Die Bevölkerung ist in dieser Frage durchaus gespalten: Fast die Hälfte der Deutschen ist für ein Verbot ritueller Beschneidungen von Jungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa sprachen sich 45 Prozent dafür aus, der jahrhundertealten islamischen und jüdischen Tradition einen Riegel vorzuschieben. 42 Prozent waren gegen ein Verbot, 13 Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema.

Angesichts der internationalen Empörung über das Kölner Urteil glauben 33 Prozent der Befragten, dass ein bundesweites Verbot Deutschlands Ansehen in der Welt schaden würde. 55 Prozent glauben das nicht.

jok/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 556 Beiträge
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1. optional
omega84 19.07.2012
Diese Resolution ist eine Farce. Allein der Satz " "Eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen" müsse "grundsätzlich zulässig" sein."... Da stellen sich mir zwei Fragen: Ist eine Beschneidung schmerzfrei? Was sind "unnötige" Schmerzen? Ist die Beschneidung "nötig"? Nötig kommt von Not... irgendwie kann ich das nicht nachvollziehen. Ich wurde mit 5 beschnitten, ohne größere Komplikationen, und kann mich bis heute noch an die Schmerzen in den Wochen danach erinnern. Nur weil im Kleinkindalter das Erinnerungsvermögen noch nicht eingesetzt hat heißt das nicht dass es legitim ist, zur Befriedigung der eigenen Religion ein Kleinkind zu quälen.
2.
NichtsWissenMachtNichts 19.07.2012
Zitat von sysopdapdDas Thema religiöse Beschneidung sorgt für hitzige Debatten - nun hat der Bundestag eine Resolution verabschiedet. Das Parlament spricht sich symbolisch dafür aus, dass eine "medizinisch fachgerechte Beschneidung" bei männlichen Kindern grundsätzlich zulässig sein soll. Bundestag beschließt Resolution gegen Beschneidung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845389,00.html)
Warum nicht bei afrikanischen Mädchen aus religiösen Gründen? Eine heuchlerische Resolution.
3. Gleichberechtigung
fritzyoski 19.07.2012
Wie waere es denn mit der viel gepriesenen Gleichberechtigung? Es ist einfach nur noch ekelhaft was fuer Feiglinge im Bundestag sitzen, mal wieder vor religoesen Fanatikern eingeknickt.
4. Einfach nur noch unerträglich...
doc 123 19.07.2012
Zitat von sysopdapdDas Thema religiöse Beschneidung sorgt für hitzige Debatten - nun hat der Bundestag eine Resolution verabschiedet. Das Parlament spricht sich symbolisch dafür aus, dass eine "medizinisch fachgerechte Beschneidung" bei männlichen Kindern grundsätzlich zulässig sein soll. Bundestag beschließt Resolution gegen Beschneidung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845389,00.html)
... dieser vollständig undemokratische Merkel-Abnickverein, dem jeglichste deutsche Interessen und Meinung und vor allem das deutsche Grundgesetz am Allerwertesten vorbei geht. Der deutsche Bundestag kann nicht das Grundgesetz außer Kraft setzen, das jeglichste Verstümmung von kleinen Kindern mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit verhindert. UND was soll das heißen, "medizinisch fachgerechte Beschneidung", dafür müsste sich ja wohl ein deutscher Arzt finden eine derartig unnötige Operation durchzuführen. Jeder "normale" Arzt mit einigermaßen intakter Ethik und Moral würde eine derartige Op ganz sicherlich ablehnen, einmal ganz unabhängig davon, dass sich selbst die entsprechdnen Fachgesellschaften gegen diesen Eingriff ausgesprochen haben; daher war doch wohl auch die jüdische Praxis, diesen Eingriff in irgendwelchen Hinterzimmern auf Opferstöcken und durch "Priester" durchführen zu lassen. Diese Heuchelung von Merkel und ihrem Abnickverein ist einfach nur noch unterträglich!
5. optional
nasif70 19.07.2012
ich bin für Beschneidung..
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