Umstrittener AfD-Abgeordneter CDU-Politiker nennt Glaser einen "Hassprediger"

Albrecht Glaser sollte für die AfD Bundestagsvizepräsident werden, fiel aber durch. Nun sorgt er mit neuen Äußerungen für Empörung - der CDU-Politiker Michael Brand nennt ihn gar einen "Hassprediger".

AfD-Politiker Glaser
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AfD-Politiker Glaser

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Albrecht Glaser hat schon oft für Schlagzeilen gesorgt. Für die AfD war er einst chancenloser Kandidat bei der Wahl des Bundespräsidenten. Aber auch nach dem erstmaligen Einzug seiner Partei in den Bundestag hatte der 76-Jährige kein Glück. Dreimal trat er als Kandidat der AfD für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten an, in drei Wahlgängen scheiterte er.

Der Mann aus Hessen, der 2012 aus der CDU aus- und der AfD beitrat, hatte vor allem mit seinem antimuslimischen Äußerungen für Unmut gesorgt. So sprach er den Muslimen in Deutschland das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Religionsfreiheit ab. Seine Begründung: Der Islam kenne schließlich auch keine Religionsfreiheit, wer so mit einem Grundrecht umgehe, "dem muss man das Grundrecht entziehen".

Es war einer der Gründe, warum die anderen Parteien Glaser schließlich ablehnten. Ein Vizepräsident, so ihre Überzeugung, repräsentiert das Verfassungsorgan Bundestag. "Ein Vizepräsident soll mich vertreten, ich muss ihn respektieren können", begründete etwa der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs sein Nein.

CDU-Politikerin und Kanzlerin Merkel, AfD-Abgeordneter Glaser
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CDU-Politikerin und Kanzlerin Merkel, AfD-Abgeordneter Glaser

In ihrer Ablehnung fühlt sich mancher Vertreter aus den anderen Parteien nun erneut bestätigt - durch jüngste Äußerungen Glasers.

In der "Oberhessischen Zeitung", dem "Wiesbadener Kurier" sowie der Onlineausgabe des "Darmstädter Echo" wurde jetzt über eine Veranstaltung des AfD-Politikers im hessischen Zwingenberg berichtet.

Glaser hatte dort auf einem Neujahrempfang des AfD-Kreisverbands Bergstraße gesprochen. In seiner Rede nannte er den Euro, die "Migrationskrise", den Islam und die Kriminalität als Gefahren, die nur mit einer starken AfD gebannt werden könnten. Dies, so zitierten ihn die Medien, sei eine "schicksalhafte Aufgabe", die Hingabe und Leidenschaft erfordere, "um die Zerstörung Deutschlands zu verhindern". Es lohne sich, "noch einmal die Stiefel anzuschnallen und den Revolver auszugraben", sagte Glaser nach dem Bericht der Medien.

Um seine Argumente zu untermauern, soll Glaser weitere fragwürdige Theorien aufgestellt haben. So sei Frankreich etwa kein Verbündeter Deutschlands, sondern nach wie vor ein Rivale. Naturvölkern habe Glaser einen durchschnittlichen niedrigen Intelligenzquotienten zugeschrieben, der "genetisch bedingt" sei. "Alles, was wahr ist, kann nicht rassistisch sein", zitieren ihn die beiden Blätter und auch die Onlineausgabe des "Darmstädter Echo".

Der SPIEGEL konfrontierte Glaser schriftlich am Donnerstag mit seinen Zitaten, bis zur Veröffentlichung dieses Textes lag jedoch keine Stellungnahme vor.

CDU-Politiker Brand
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CDU-Politiker Brand

Glasers Äußerungen sorgten in- und außerhalb des Bundestags für Empörung. Der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, griff Glaser im Gespräch mit dem SPIEGEL scharf an. "Wer zu Gewalt aufruft und so über Menschen spricht, ist nicht bürgerlich, sondern radikal", sagte der CDU-Politiker. "Dass die AfD ausgerechnet diesen Hassprediger als Repräsentanten für das deutsche Parlament durchsetzen wollte, sollte sich jeder vor Augen halten, der dieser Partei, aus welchen Gründen auch immer, seine Stimme gegeben hat", so der CDU-Abgeordnete, der ebenfalls aus Hessen stammt.

Auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus twitterte über Glaser: "Ähnliche Äußerungen kennen wir nur von Neonazis", lautete ihr Kommentar. Der 2012 gegründete Verein, der von zahlreichen Prominenten unterstützt wird, bezog sich mit seinem Tweet auch auf einen Begriff, den Glaser auf dem Neujahrsempfang des AfD-Kreisverbands Bergstraße benutzt haben soll.

So habe er die Anwesenden "aus Hessen und den angrenzenden Gauen" begrüßt, hieß es in den Medienberichten. Der Begriff "Gaue" ist ein zumindest mehrdeutiger Begriff: Die Nazis hatten ihn für Verwaltungseinheiten im Deutschen Reich benutzt. Weil er seitdem historisch belastet ist, strich etwa der ADAC vor drei Jahren die bis dahin gültigen Begriffe "Gau" und "Gaue" für seine Regionalvereine aus seiner Satzung.

Glaser wird nicht mehr als Vize kandidieren können

Die mittlerweile aus der AfD ausgetretene frühere Parteichefin Frauke Petry hatte Glaser einst gefördert. 2016 schlug sie ihn auf einem AfD-Bundesparteitag als Bundespräsidenten-Kandidaten vor - mit der Bemerkung, er sei ein "konservativer Intellektueller mit einem weiten Blick für alle Facetten des menschlichen Lebens".

Das Kapitel Glaser dürfte für die AfD vorerst abgeschlossen sein. Er wird keine weitere Gelegenheit bekommen, sich im Bundestag als Vize-Parlamentspräsident zur Wahl zu stellen. Der Ältestenrat des Parlaments - in dem der Bundestagspräsident, seine fünf Vize und auch die Fraktionsgeschäftsführer sitzen - hatte jüngst mehrheitlich vereinbart, keinen weiteren Wahlgang mit Glaser durchzuführen. Eine erneute Kandidatur erscheine aussichtslos, hieß es, zuletzt habe er jeweils mehr als 540 Nein-Stimmen im Plenum erhalten. Die AfD protestierte zwar intern - konnte sich aber nicht durchsetzen.

AfD-Politiker Meuthen, Glaser und die damalige Parteichefin Petry (Aufnahme vom März 2017)
DPA

AfD-Politiker Meuthen, Glaser und die damalige Parteichefin Petry (Aufnahme vom März 2017)

So bleibt der für die AfD vorgesehene Posten des Vizepräsidenten weiterhin vakant. Die AfD-Fraktion müsste einen neuen Kandidaten vorschlagen, will sie das Amt eines Tages doch noch ausfüllen. An diesem Recht der AfD gibt es von den anderen Parteien im Bundestag keinen Zweifel. Eile scheint die AfD jedoch bei der Nominierung eines neuen Kandidaten nicht zu haben. Die Wahl des früheren leitenden Berliner Oberstaatsanwalts Roman Reusch in das für die Geheimdienste zuständige parlamentarische Kontrollgremium sei derzeit "aktuell", umschiffte der AfD-Fraktionsgeschäftsführer Bernd Baumann diese Woche Fragen von Journalisten zu Glaser.

Der Fall Reusch - er war kürzlich im ersten Wahlgang als einziger der Kandidaten gescheitert - ist zumindest für die AfD erfolgreich abgeschlossen. Er wurde am Donnerstag vom Plenum doch noch mehrheitlich in das Kontroll-Gremium gewählt.

Glaser hingegen ist Geschichte. Auf dem AfD-Neujahrsempfang im hessischen Zwingenberg wurde der AfD-Politiker gefragt, warum ihn die anderen Parteien als Vizepräsidenten des Bundestags verhindern wollten. Die Online-Ausgabe des "Darmstädter Echo" zitierte ihn mit einem Satz, den die Glaser-Kritiker in Berlin aufmerksam registrierten: "Ich würde dort genauso reden wie hier."

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Seite 1
From7000islands 01.02.2018
1. ewig Gestrige
"...In ihrer Ablehnung fühlt sich mancher Vertreter aus den anderen Parteien nun erneut bestätigt - durch jüngste Äußerungen Glasers" Ablehnen ist nicht anstrengend, nur um die alten Irrtümer zu bewahren. Bisher hat noch niemand die Äusserungen Glasers über das Wesen des Islam nach Mohamed, so wie er in allen islamischen Staaten behandelt wird, widerlegen können. Aber verunglimpft wird regelmässig, wenn die leiseste Kritik am Islam laut wird.
willibaldus 01.02.2018
2.
Wenn so eine Figur früher in der CDU war, was war dann seine Stellung dort und gibt da noch mehr von der Sorte? Bei solchen Sprüchen kein Wunder, dass die grosse Mehrheit des Bundestages ihn als Vizepräsident nicht haben will. Das kann doch selbst die AfD nicht ernst meinen? Diejenigen, die die AfD für eine ernstzunehmende Opposition halten, werden dadurch jedenfalls abgeschreckt. Die ewig gestrigen aus der NPD und die verbündeten Apartheitler finden sich da vielleicht wieder aber wer sonst noch?
Crom 01.02.2018
3.
Wenn man sich das so ansieht, haben gewisse AfD-Kreise und der radikale Islam in ihrer Art gewisse Gemeinsamkeiten, es gibt Hassprediger, Religions- und andere Freiheiten gelten nur für einen selbst. Fazit: Es sind eben Radikale und Extremisten, die sind vom Denken her immer gleich.
mostly_harmless 01.02.2018
4.
Zitat von From7000islands"...In ihrer Ablehnung fühlt sich mancher Vertreter aus den anderen Parteien nun erneut bestätigt - durch jüngste Äußerungen Glasers" Ablehnen ist nicht anstrengend, nur um die alten Irrtümer zu bewahren. Bisher hat noch niemand die Äusserungen Glasers über das Wesen des Islam nach Mohamed, so wie er in allen islamischen Staaten behandelt wird, widerlegen können. Aber verunglimpft wird regelmässig, wenn die leiseste Kritik am Islam laut wird.
Es ist wirklich unglaublich, welche Ausmaße die Realitätsvereigerung am äussersten rechten Rand inzwischen angenommen hat. Mehr als eine Milliarde Menschen auf desem Planeten gehören der Religion Islam an. Der Islam ist seit Jahrhunderten als Religion anerkannt. Und Sie schwadronieren darüber, dass noch niemand dem Mumpitz, den Glaser verzapft hat widerlegt hat?
HeisseLuft 01.02.2018
5. Sicher doch :-)
Zitat von From7000islands"...In ihrer Ablehnung fühlt sich mancher Vertreter aus den anderen Parteien nun erneut bestätigt - durch jüngste Äußerungen Glasers" Ablehnen ist nicht anstrengend, nur um die alten Irrtümer zu bewahren. Bisher hat noch niemand die Äusserungen Glasers über das Wesen des Islam nach Mohamed, so wie er in allen islamischen Staaten behandelt wird, widerlegen können. Aber verunglimpft wird regelmässig, wenn die leiseste Kritik am Islam laut wird.
*lach* Ja, der angesehene, äh, Islamforscher Glaser wurde ja bekanntlich wegen seiner neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse über die verschiedenen Ausprägungen dieser Weltreligion scharf angegriffen. Und nicht etwa weil er die Religionsfreiheit in Deutschland einschränken wollte, oder weil er nun damit zitiert wird, Naturvölker hätten genetisch bedingt einen niedrigeren IQ oder man müsse noch mal den Revolver ausgraben und Frankreich sei immer noch Rivale. usw. usf.... Es gibt akuten Grund zur Annahme, dass zwischen Naturvölkern auf der einen Seite und Afd-Mitgliedern auf der Anderen tatsächlich eine Differenz im Durchschnitts-IQ klafft. Glaser hat nur die Skala verkehrt herum gehalten.
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