Im Parlament regnet's rein Die Bundestag-Leaks

Immer wenn es regnet, werden im Bundestag Eimer aufgestellt. Seit Jahren ist das Dach undicht. Wann wird sich das ändern? "Irgendwann", heißt es von der Verwaltung.

Einige Besucher hielten die Eimer schon für eine Kunstinstallation.
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Einige Besucher hielten die Eimer schon für eine Kunstinstallation.

Von Timo Lehmann


Der weiße Eimer steht immer griffbereit hinter einer Säule im Flur des Jakob-Kaiser-Hauses, dem mit 1.745 Büros größten Gebäude des Deutschen Bundestags. Wenn es draußen regnet, dann dauert es nicht lange und es fängt auch hier drinnen an zu tropfen. Dann kommt jemand und positioniert den Eimer, der eigentlich ein Mülleimer ist, in der Mitte des Gangs. Damit sich auf dem Parkett keine Pfütze bildet.

Wer schon länger hier arbeitet, hat sich daran gewöhnt, der würdigt die provisorische Auffangeinrichtung keines Blickes mehr. Denn jeder weiß es, und die meisten nehmen es schulterzuckend hin: Der Bundestag ist nicht ganz dicht - und das seit Jahren.

In nahezu allen Gebäuden im Regierungsviertel regnet es immer wieder rein. Und immer wieder werden dann die Eimer rausgeholt. Der ein oder andere Tourist hielt diese schon für einen Teil einer Kunstinstallation.

2015 ärgerten sich Abgeordnete im Wirtschaftsausschuss über pitschnasse Sitzplätze - und wieder mussten Eimer herhalten. Immerhin: Im vergangenen Jahr wurde das Glasdach im Paul-Löbe-Haus für rund eine Million Euro saniert, bisher scheint die neue Dichtung zu halten.

Aber wie lange es trocken bleibt, weiß niemand. Auch das flache Glasdach des Jakob-Kaiser-Hauses wurde 2009 bereits für 400.000 Euro saniert. Geholfen hat es wenig, schon kurz danach regnete es wieder rein.

Die Regeneimer im Bundestag haben inzwischen eine echte Tradition. Getröpfelt hat es auch schon in den Fraktionssaal der Grünen, selbst in einzelne Abgeordnetenbüros, heißt es. Die älteren Parlamentarier trösten sich: Im rheinländischen Bonn regnet es statistisch fast 50 Tage mehr im Jahr als in Berlin. Aber in der alten Hauptstadt war man wenigstens im Trocknen, wenn man sich im Gebäudeinneren befand.

30 Millionen Euro sind im Haushalt für die Instandhaltung der Bauten im Regierungsviertel vorgesehen. Was genau wo repariert werden muss, darüber scheinen längst alle Beteiligten den Überblick verloren zu haben. Genaue Angaben dazu kann keiner machen.

Im Bundestag ist man vor allem mit einer anderen großen Baustelle beschäftigt: Die Erweiterung des Elisabeth-Lüders-Haus sollte schon 2012 fertiggestellt werden. Vor 2020 wird aber wohl kein Abgeordneter hier einziehen können, die Baukosten explodieren. Der Grund: Auch dieses Gebäude ist undicht - hier dringt die Feuchtigkeit allerdings von unten ein, durch Risse in der Bodenplatte.

Zuständig für die Bauten ist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, BBR. Die Bundestagsverwaltung lässt nur verlauten, man sei sich des Problems bewusst: "Das BBR ist inzwischen entsprechend beauftragt worden und stimmt derzeit die bauliche Lösung sowie die terminliche Umsetzung der altersbedingten Ausbesserungsarbeiten mit der Bundestagsverwaltung ab."

Wann genau das seit 2012 bestehende undichte Dach des Jakob-Kaiser-Hauses repariert werden soll? "Das wissen wir noch nicht. Irgendwann", heißt es. Bis dahin hilft nur der Eimer.

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