Bundeswehr: De Maizière lobt präzise Kampftechnik von Drohnen

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Verteidigungsminister de Maizière: "Einsatz von Drohnen ist richtig"

Die Bundesregierung will Kampfdrohnen anschaffen, jetzt hat Verteidigungsminister de Maizière den Plan im Bundestag verteidigt. Die Flugkörper seien technisch sinnvoll und träfen Ziele präzise. Die SPD spricht von einer "neuen Qualität der Kriegsführung".

Berlin - Soll die Bundeswehr künftig mit bewaffneten Drohnen kämpfen? Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) spricht sich klar für die Anschaffung aus - auch wenn die Opposition das Vorhaben kritisiert.

"Wir können nicht sagen: 'Wir bleiben bei der Postkutsche', während alle anderen die Eisenbahn entwickeln", erklärte der Minister im Bundestag. Die unbemannten Fluggeräte seien "technologisch sinnvoll" und militärisch geboten, Die Drohnen müssten bewaffnet sein, um den Schutz der Soldaten besser und schneller zu gewährleisten. Bislang hat Deutschland lediglich unbewaffnete Aufklärungsdrohnen im Einsatz.

Er halte es für richtig, dass mit Drohnen Ziele präzise getroffen werden könnten - so würden Unbeteiligte weniger gefährdet, weil "Flächenwirkung" vermieden werde. "Wir verlangen von unseren Soldaten, dass sie gezielt wirken", sagte de Maizière.

Es dürfe keine emotionale Distanz zum Kampfgeschehen entstehen - er ging damit auf den häufig geäußerten Vorwurf ein, das Steuern von Drohnen ähnele Computerspielen. Bei jeder indirekten Waffe werde heute schon auf einen Monitor geschaut, sagte der CDU-Politiker - egal ob es sich um einen Torpedo oder eine Interkontinentalrakete handle. Seine Haltung fasste er so zusammen: "Ich halte den Einsatz von Drohnen ethisch und unter Einhaltung der bestehenden Regeln für richtig."

Schon in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung betont, die bisherige Einsatzerfahrung habe gezeigt , dass unbemannte Aufklärungsflugzeuge mit Waffen zum Schutz der Soldaten "unbedingt erforderlich" seien. Dies ging aus einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Zur Luftaufklärung in Afghanistan least das Berliner Verteidigungsministerium zurzeit das Modell "Heron 1" von einem israelischen Konsortium. Der entsprechende Vertrag läuft im Oktober 2014 aus. Seit längerem sucht die Bundeswehr nach einem Nachfolgesystem.

Opposition kritisiert Pläne als "völlig unangemessen"

Geplant ist nun offenbar die Ausstattung mit einer europäischen Kampfdrohne. Diese Drohnen könnten "mit Frankreich und anderen europäischen Partnern" entwickelt werden, sagte CDU-Außenexperte Andreas Schockenhoff am Donnerstag. Diese neuen Drohen sollten nicht nur aufklären, sondern auch bewaffnet sein. Bislang war als Nachfolge der "Heron 1" ein amerikanisches Modell im Gespräch.

Die Opposition jedoch ist besorgt. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin wirft der Koalition "blinden, verantwortungslosen Umgang mit militärtechnologischem Fortschritt" vor.

Auch aus der SPD kamen zuletzt kritische Töne. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Ich bin gegen eine vorschnelle Entscheidung. Es handelt sich um eine neue Qualität der Kriegsführung." Er forderte eine breite gesellschaftliche und parlamentarische Debatte zum Thema. "Es ist völlig unangemessen, dass die Öffentlichkeit und das Parlament eher zufällig von den Plänen erfahren."

Ein zudem oft geäußerter Kritikpunkt: Beim Einsatz von US-Drohnen in Pakistan werden nicht nur Terroristen getroffen, sondern häufig auch Zivilisten. Die Uno will einzelne Fälle jetzt genauer untersuchen - und einen rechtlichen Rahmen für die umstrittenen Angriffe schaffen.

kgp/dpa

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insgesamt 176 Beiträge
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1.
user124816 31.01.2013
Zitat von sysopde Maizière den Plan im Bundestag verteidigt. Die Flugkörper seien technisch sinnvoll und träfen Ziele präzise.
nam sollte mit so einer drohne mal ein auto präzise treffen, mit einer hellfire, während die misere daneben steht - und ihn danach fragen ob er immernoch der meinung ist das sei präzise, chirurgische kriegsführung.
2. Bewaffnete Drohnen sind ein Muss für jede Verteidigungsarmee
FreierBürger 31.01.2013
Hätte die Bundeswehr bewaffnete Drohnen bereits im Einsatz, duerfte mancher in Afghanistan gefallener Bundeswehrsoldat noch leben. Dieses Pseudo-Friedens-Geschwafel u.a. von Trittin ist unerträglich.
3. Trittin und Oppermann
albertusseba 31.01.2013
sollten im Rahmen einer "breiten gesellschaftlichen Debatte" darüber befinden, ob es nicht fair wäre, die deutschen Soldaten wieder nur mit Säbel und Pfeil und Bogen auszurüsten, damit sie dem "Feind" offen ins Auge sehen können. Vielleicht gehen Trittin und Oppermann dann mit gutem Beispiel voran oder schicken ihre Söhne mit primitiver Bewaffnung in den Kampf gegen hochgerüstete Gegner oder mit den neuesten Waffentechnologien ausgerüstete und gut als Zivilisten getarnte Terrorgruppen.
4. Mit diesen Kampfdrohnen kann man weder Brunnen bohren,...
Centurio X 31.01.2013
...noch können Mädchenschulen gebaut werden. Wenn man in Kriege hineingezogen wird, ist es auch notwendig zu kämpfen. Die Argumente des Verteidigungsministers sind nicht zu beanstanden, sind sie doch gerade bei assymetrischen Kriegen mit fanatisierten Terroristen äußerst effizient.
5.
tamtamm 31.01.2013
Zitat von Centurio X...noch können Mädchenschulen gebaut werden. Wenn man in Kriege hineingezogen wird, ist es auch notwendig zu kämpfen. Die Argumente des Verteidigungsministers sind nicht zu beanstanden, sind sie doch gerade bei assymetrischen Kriegen mit fanatisierten Terroristen äußerst effizient.
Seit wann befindet sich Deutschland im Krieg mit Afghanistan? Und alle Opfer jetzt als Terroristen hinzustellen ist billig, für einen Rechtsstaat der Deutschland sein will.
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Drohnen: Hightech-Spione auf dem Vormarsch

Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS