Pressekompass Muss die Sterbehilfe neu geregelt werden?

Wie dürfen wir sterben? Was sollen Patienten verlangen können? Diese Fragen beschäftigen nun auch den Bundestag. Die Meinungstrends der Medien.

Patient im Krankenhaus (Symbolbild): Hitzige Debatte über assistierten Suizid
Corbis

Patient im Krankenhaus (Symbolbild): Hitzige Debatte über assistierten Suizid




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Mastermason 02.07.2015
1. Wie dürfen wir sterben?
In meinem Fall: So wie ich das für richtig halte. Der Staat hat sich gefälligst aus meinen letzten, intimsten Angelegenheiten herauszuhalten.
MarciusCato 02.07.2015
2. Sozialer Sprengstoff, tödlich für viele
Eine Gesellschaft besteht aus gesellschaftlichen Wesen. Eigentlich klar. Geht es aber um Selbst-Mord und soll ein entsprechendes Tötungs-Gesetz durchgesetzt werden, wird so getan, als schwebe der Einzelne, gleich David Bowies Major Tom, mutterseelenallein draußen im Weltall, losgelöst von allen sozialen Bezügen. Diese Blindheit für das gesellschaftliche Verbundensein aller ist gewollt, denn so kann man sagen: Selbst-Mord, das ist ganz allein Sache des Einzelnen und seiner autonomen unabhängigen selbstgewählten freien Selbstbestimmung. Aber bei jedem Selbst-Mord werden die drum herum selbstverständlich mitgerissen! Erst recht dann, wenn die Umgebung dazu gebracht wurde, beim Töten mitzuwirken, wie es das geplante Selbst-Mord-Gesetz nahelegt. Denn es ist wahr: Zu jedem Selbst-Mord gehören viele Täter. Wo ist der Unterschied zum Mord? Da werden Wunden geschlagen, die bleiben für immer, das kriegt niemand je wieder los, das zerreißt alle. Eine Gesellschaft kann es nicht zulassen, dass ungestraft getötet wird. Wird TÖTUNG ZUM GESETZ, dann ist das in seiner sozialen Auswirkung so verheerend wie die Zündung eines Sprengstoffgürtels in einem vollbesetzten Bus. Aber im Parlament hantieren sie, gleich Schlafwandlern, sorglos und unbekümmert mit diesem sozialen Sprengstoff. Dieser Sprengstoff, einmal scharf gemacht, wird viele in den Tod reißen.
rayraymed 02.07.2015
3.
Ehrlich gesagt habe ich nicht Medizin studiert um am Ende von Patienten gefragt zu werden ob ich sie nicht töten könnte. Davor graut es mir und mir wird schlecht. Das kann einfach keine generelle Lösung sein das jeder Arzt zum .... wird. Es gibt natürlich auch andere Stimmen unter der Ärzteschaft.... Ein richtig schwieriges Thema indem es für mindestens eine Seite eine sehr schlechte Lösung geben wird....
MarciusCato 02.07.2015
4. Geh' doch nach drüben!
Das Gesetz, das die Tötung von Kranken erlauben soll, ist Ausdruck eines politischen Vertreibungs-Willens, der ganz klar sagt: Ihr – gemeint die Kranken – habt hier bei uns nichts zu suchen. Geht doch nach drüben! Das konnte man auch hören, als es noch die Mauer gab und die DDR. So wollte man sich Kritiker und Störenfriede vom Hals schaffen. Wer Veränderung wollte, der sollte verschwinden. Nun ist Krankheit, sind vor allem aber die Kranken zweifellos ein Störfaktor, störend vor allem auch für die anderen, eine Beunruhigung, eine Klage, eine Anklage, eine Aufforderung zur Veränderung. Es ist kein Zufall, dass in allen Revolutionen die Kranken, die Krüppel, die Invaliden an vorderster Front kämpften. Man schaue sich die Bilder an von der Russischen Revolution und von der Novemberrevolution 1918. Das geplante Tötungs-Gesetz sagt: Wem es hier nicht passt, der soll nach drüben gehen! Er braucht nicht einmal, wie noch zu DDR-Zeiten, einen Passierschein. Ein paar Milliliter Gift aus der Arzt-Spritze und schon ist er drüben. Aber: Ich will nicht mehr leben, heißt das im Grunde nicht immer: Ich will SO nicht weiterleben? Der Ruf nach Selbst-Mord wäre somit ein Schrei nach Veränderung. Also ist jeder, der vordergründig nach Sterbe-Hilfe verlangt, im Grunde ein Kritiker und Feind dieser lebensfeindlichen Verhältnisse, die er eigentlich geändert haben will, statt sich selbst zu beseitigen. Dies in seiner vollen Konsequenz erfasst, hätte es nie auch nur eine Debatte geben dürfen über ein Selbst-Mord-Gesetz. Mehr dazu hier: Identität von Krankheit und Kapital (googeln)
karlsiegfried 02.07.2015
5. Wem gehört der Mensch?
Den Politikern, der Kirche, den Ärzten, den Angehörigen. Was für eine gruasame Debatte. Wer im Pflegeheim monatelang rumsiechen soll es tun. Wer darauf verzichten kann, soll es auch tun. Mal in Netz sachkundig machen und es lohnt sich. Viele Hinweise sind zu finden für einen friedvollen Abgang. Man muss es nur wollen.
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