Bienen im Bundestag Die Volk-Vertreter

Ein Zeichen gegen das Bienensterben soll es sein: Zwei Abgeordnete haben einen Bienenstock aufgestellt. Im Zentrum der Macht. Mal sehen, ob das was wird.

SPD-Politiker Burkert, Grünen-Politikerin Höhn mit Imker Benedikt Polaczek
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SPD-Politiker Burkert, Grünen-Politikerin Höhn mit Imker Benedikt Polaczek

Von Philip Kaleta


Höher können Bienen kaum hinaus, rein machtpolitisch jedenfalls nicht: Im Hof des Paul-Löbe-Hauses, einem Abgeordnetenkomplex des Bundestags, steht nun ein Bienenstock. Ein solcher Stock entspricht rund 50.000 Bienen.

Tatsächlich: Bienen im Parlament. Muss man auch erst mal drauf kommen.

Die Idee ist eine rot-grüne, hinter dem Projekt stecken der SPD-Abgeordnete Martin Burkert und die Grünen-Vertreterin Bärbel Höhn. An diesem Montag präsentieren sie sich mit Bienen. Die beiden wollen ein Zeichen gegen das verbreitete Bienensterben in Deutschland setzen. Schuld daran ist eine Milbenart. Rund ein Drittel der Bienenvölker hat so den letzten Winter nicht überstanden.

Und Bienensterben tut nicht nur den Bienen nicht gut, sondern auch den Blumen und Pflanzen nicht, die auf die Bestäubungsaktivitäten der Bienen angewiesen sind. In Deutschland weiß das mittlerweile wohl jeder Politiker. Höhn und Burkert wollen mit ihrem Volk im Bundestag nun auch draußen im Volk für mehr Aufmerksamkeit werben.

Probezeit erfolgreich absolviert

Klingt simpel, ist es aber nicht. Also nicht im Parlament. Denn da ist das Imkern mit großem Verwaltungsaufwand verbunden. Schließlich gibt es eine ganze Reihe an Richtlinien und Vorschriften, die auf dem Gelände des Bundestages berücksichtigt werden müssen. Und dann auch noch Bienen , diese potentiellen Gefährder.

Auch Norbert Lammert, der Bundestagspräsident, ließ Vorsicht walten. So mussten zunächst rund 2000 Bienen im Innenhof des Paul-Löbe-Hauses eine Probezeit absolvieren, bevor der größere Stock aufgestellt werden konnte. Die Evaluationsphase dauerte über neun Monate.

Das Zusammenspiel von Biene und Politik wurde offenbar genau überprüft. Es stellte sich als unproblematisch, ja, gar symbiotisch heraus. Schließlich gelten Bienen als gute Demokraten. Wichtige Sachverhalte werden im Kollektiv erörtert und mittels energischer Tänze debattiert, Entscheidungen werden kollektiv getroffen.

Der Standort des Bienenstocks hat neben der unmittelbaren Nähe zu den politischen Entscheidern auch andere Vorteile. Etwa den Tiergarten und die Straße Unter den Linden, mit ihrer Vielfalt an unterschiedlichen Blumen und Pflanzen. Das sei ein Paradies für die Bienen, findet Burkert. Und es steigere die Qualität des Honigs, der in einer Menge von 50 Kilogramm jährlich als Ertrag des Bienenstocks erwartet wird.

Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft würden den Bienen zu schaffen machen, deswegen sammelten sie in der Stadt sogar besseren Honig als auf dem Land, meint Benedikt Polaczek. Der Mann ist vom Fach, unterrichtet an der Freien Universität Berlin Bienenhaltung. In der Stadt werde weniger gespritzt und es gebe mehr Blütensorten.

In Berliner Hipster-Kreisen ist das natürlich längst bekannt. Dort gilt Imkern mittlerweile manchem als das neue Yoga.

Dessen wiederum sind sich Höhn und Burkert bewusst. Schmerzlich bewusst. Sie verweisen auf die meist unqualifizierte Imkerei solcher Kreise, die oftmals unbewusst besonders stechende und begrenzt Honig liefernde Bienenarten kultivieren.

Das Gegenteil soll - natürlich! - beim Bundestags-Bienenstock der Fall sein. Weil der wird ja von der Universität begleitet und von einem echten Imker ehrenamtlich betreut.

Was sagen die anderen Abgeordneten? Alles schick! "Bienen und Blumen öffnen Tür und Tor, damit kriegt man alle", stellt der Büroleiter von Bärbel Höhn fest. Keiner der konsultierten Bundestagsabgeordneten habe protestiert. Im Gegenteil, sie hätten sich gefreut.

Und nun? Gibt's vielleicht noch ein zweites Bienenvolk, eine zweite Behausung jedenfalls steht schon bereit. Mehr noch: Höhns Büro bastelt schon am nächsten großen Projekt, der Herrichtung der Wiese vorm Reichstagsgebäude mittels Blumen und Sträuchern.

So macht Rot-Grün den Bienen Freude.



insgesamt 38 Beiträge
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bronstin 25.04.2016
1. Naja
die meisten Imker (alte Leute) die ich kenne, sind eher traditionell und meinen generell, von allem was mit Bienen zu tun hat Ahnung zu haben... Die Varoa-Bekämpfung machen sie meist eher nachlässig bzw. garnicht und verlassen sich wenn schon dann auf "ihr Gefühl". Dieses besserwisserische Herangehen führt dan auch prompt dazu, dass die Beuten durch die Varoa-Milbe geradezu leergeräumt werden... Ich warte jetzt anschließend auf die Kommentare welche die Schuld der "modernen" Landwirtschaft geben.
grecco-el 25.04.2016
2. Die Mär vom Bienensterben
Philip Kaleta lässt sich hier richtig von den Politprofis am Nasenring durch die Manege führen. Ohne selber etwas von der Imkerei zu verstehen, plappert er alles nach was man ihm einflüstert. Das einzig richtige an diesem Artikel ist die Aussage, dass eine Milbenart in den Bienenvölkern schaden anrichten kann, aber auch nur dann, wenn der Imker nicht darauf achtet, den notwendigen Hygienestandard einzuhalten. Der Abschnitt im Artikel "Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft würden den Bienen zu schaffen machen, deswegen sammelten sie in der Stadt sogar besseren Honig als auf dem Land, meint Benedikt Polaczek. Der Mann ist vom Fach, unterrichtet an der Freien Universität Berlin Bienenhaltung. In der Stadt werde weniger gespritzt und es gebe mehr Blütensorten." enthält durch und durch schwachsinnige Aussagen und hat nur das eine Ziel, die Landwirtschaft zu diffamieren. Monokulturen sind positiv in Bezug auf die Honiggewinnung. Es ergibt nämlich artenreinen Honig. Pestizide haben höchstens eine marginale Bedeutung. Es mag zwar sein, dass durch Milbenfall vereinzelt Bienenstöcke zugrunde gehen. Dies ist aber unerheblich, da es die einfachste Sache der Welt ist, Bienenstöcke zu teilen und somit zu vermehren. Benedikt Polaczeks Fachwissen basiert einzig auf dem Machwerk "Bitterer Honig". ich empfehle dem Autor Philip Kaleta, sich einmal an die Universität Bochum zu wenden, denn dort existiert ein Lehrstuhl für das Bienenverhalten.
Darknessfalls 25.04.2016
3. Jetzt muss es ja besser werden
Das nenne ich mal ein Zeichen gegen das Bienensterben! Ein Verbot der Neo-Nikotinoide war offensichtlich eine Nummer zu groß für unsere Volkshelden. Dann doch lieber den kleinen Hinterhofgärtner anhalten, keine Pflanzenschutzmittel zu benutzen (was ja an sich okay ist, aber am Problem vorbei geht) - oder eben ein bisschen Show machen. Was die Varoa-Milben angeht: die Imker (junge und alte), die ich kenne, nehmen deren Bekämpfung sehr ernst, aber diese geht meist mit der Vernichtung des Bienenvolks einher, weil die eingesetzten Mittel wie Knüppel auf den Kopf wirken. Und der Bücherskorpion hat in den modernen Bienenstöcken schlicht keinen Platz, um sich einzunisten und die Milben zu dezimieren. Modern ist halt nicht immer top notch... Wer nicht weiss, was ein Bücherskorpion ist: guckeln!!!
halbtagsgott 25.04.2016
4. Politik & Bienen ...& Monsanto
Die Bundestagspolitik und die Bienen haben bereits eine bewegte Geschichte; so biederte sich die ehemalige FDP-Abgeordnete dem Imkerverband 2008 an, letztendlich mit dem Ziel dort Präsidentin zu werden. Diese fielen auf die "Charmeoffensive" aber nicht herein, sondern warfen ihr "Konzernprostitution" vor, da sie doch zeitgleich als Lobbyistin des Gentechnik-Konzerns Monsanto unterwegs war. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12975 Letztendlich hat sie ihr Ziel, den Vorsitz eines Naturschutzverbandes in der Vita zu haben, doch erreicht und ist bei den Anglern gelandet. Die gehen aber nun reihenweise flüchten und treten großteils aus dem Angler-Bundesverband aus. Wir lernen: Honig macht anscheinend doch schlauer als Fisch ;-)
and_over 25.04.2016
5. endlich
wird im Bundestag mal produktiv gearbeitet! :-)
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