Bundestag einig "Kampfhunde müssen weg"

Thema Kampfhunde auch im Bundestag. Einmütige Meinung der Parlamentarier: Die Tiere müssen verboten werden. Es gehe nicht um Tierschutz, sondern in erster Linie um Menschenschutz, sagte Innenminister Otto Schily.


Umstritten: ein Pittbull
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Umstritten: ein Pittbull

Berlin - Der Bundestag trat für ein Verbot von Kampfhunden, wirksame Kontrollen und spürbare Strafen ein. "Ich halte die denkbar schärfsten Maßnahmen für geboten", sagte Schily (SPD) in einer von der FDP beantragten Aktuellen Stunde.

Eines müsse "kristallklar" sein, sagte Schily: "Wir lassen nicht zu, dass das Leben und die Gesundheit von Menschen durch das Imponiergehabe, die Aggressionslust und die Verantwortungslosigkeit von bestimmten Hundehaltern in Gefahr gebracht werden." Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erwin Marschewski, stimmte dem SPD-Minister voll zu. Schily hob die Situation in Bayern hervor, wo schon 1992 eine scharfe Verordnung gegen Kampfhunde erlassen wurde. Der innenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, forderte die anderen Länder auf, diese Verordnung "abzuschreiben".

"Die Kampfhunde müssen weg", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach. Sie seien "ungesicherte Waffen auf vier Pfoten". Wie andere Redner auch, lehnte er eine Debatte darüber ab, ob der Mensch schuld sei, "weil einige Hundehalter nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Wir brauchen rasche und klare Entscheidungen."

Der FDP-Abgeordnete Klaus Haupt sagte, nach den schwerwiegenden Vorfällen der jüngsten Zeit erwarte die Bevölkerung "Null Toleranz". Es könne nicht sein, "dass wir unsere Kinder dressieren, damit Hunde zu ihrem Recht kommen". "Kampfhunde sind überflüssig. Sie müssen alle ohne Ausnahme verschwinden." Der Schutz der Bevölkerung stehe eindeutig vor den Interessen von Kampfhundbesitzern, betonte FDP- Generalssekretär Guido Westerwelle. "In Deutschland hat niemand das Recht, Raubtiere wie Löwen und Tiger an der Leine über die Straße zu führen." Kampfhunde seien gezüchtete Kampfmaschinen. Der SPD-Abgeordnete Rolf Stöckel sprach von "Bestien" und "Killerhunden".

Heftige Kritik gab es in der Debatte an dem Verhalten der meisten Länder. Ihnen wurde vorgeworfen, zu lange mit Gegenmaßnahmen gewartet zu haben. Die Bekämpfung von Kampfhunden fällt in den Zuständigkeitsbereich der Länder. "Die Politik hat das Problem schlicht verschlafen", saget der FDP-Politiker Haupt. Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl sagte, erst jetzt, wo etwas passiert sei, seien sich alle einig.



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