Gedenken an Holocaust-Opfer: "Dunkelstes Kapitel der deutschen Geschichte"

Der Bundestag hat in einer Feierstunde an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Bundestagspräsident Lammert rief dazu auf, die Erinnerung an das "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte" wach zu halten.

Deutschkron (mit Bundespräsident Gauck): Erinnerung an den Jubel der Massen über Hitler Zur Großansicht
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Deutschkron (mit Bundespräsident Gauck): Erinnerung an den Jubel der Massen über Hitler

Berlin - 80 Jahre nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler hat Bundestagspräsident Norbert Lammert zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Dass dies auch heute noch notwendig sei, zeigten "in jüngster Zeit die unglaubliche, entsetzliche NSU-Mordserie und antisemitisch motivierte Gewalttaten", sagte Lammert während einer Gedenkstunde an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus im voll besetzten Plenum des Bundestages: "Der Reichstag ist ein stummer Zeuge der Demontage der ersten deutschen Demokratie vor 80 Jahren."

Die Machtergreifung durch Hitler "war kein Betriebsunfall", sagte Lammert. Dies sei weder zufällig noch zwangsläufig geschehen. Lammert rief dazu auf, das Gedenken an das "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte" wach zu halten. "Das Wissen um die Vergangenheit ist eine verbindliche Verpflichtung für alle Demokraten", sagte er. Das Gedenken gelte den "Millionen und Abermillionen Toten und den Überlebenden des Nazi-Terrors".

Deutschkron erinnerte an den Jubel der Massen

Die Hauptrede der Veranstaltung hielt die 90-jährige Inge Deutschkron, die als Jüdin den Holocaust in Berlin im Untergrund überlebte. Deutschkron präge ihr "unermüdliches Engagement gegen das Vergessen", sagte Lammert.

Die deutsch-israelische Schriftstellerin Deutschkron erinnerte an den Jubel der Massen, als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Von da an habe sie als Jüdin einer Minderheit in Deutschland angehört, sagte sie. Sie habe damals nicht gewusst, "was eine Jüdin ist", berichtete Deutschkron in ihrem Vortrag "Zerrissenes Leben". Bei ihr zu Hause sei dies kein Thema gewesen.

Inge Deutschkron versteckte sich in der NS-Zeit mit ihrer Mutter jahrelang in Berlin, um Deportation und Holocaust zu entgehen. Als sie den "gelben Stern" habe tragen müssen, habe die Mehrheit der Deutschen weggeschaut. Der Stern habe zu einer "diskriminierenden Isolation" geführt, erzählte sie in der Gedenkstunde.

Merkel: "Die breite Mehrheit sah einfach weg"

Angela Merkel forderte einen aktiven Einsatz für Demokratie und Freiheit. Die Nationalsozialisten seien durch fatale politische Fehleinschätzungen und gesellschaftliche Ignoranz an die Macht gekommen, sagte die Kanzlerin bei der Eröffnung der Ausstellung "Berlin 1933 - Der Weg in die Diktatur".

"Der Aufstieg des Nationalsozialismus wurde möglich, weil die Eliten daran mitwirkten und weil eine breite Mehrheit einfach wegsah, weil sie schwieg", sagte sie. "Man glaubte an einen Schachzug, um den Nationalsozialisten die Zügel anzulegen. Was für ein fataler Irrtum - es kam alles ganz anders." Bereits unmittelbar danach hätten die Nazis Deutschland mit Terror überzogen. Der Reichstagsbrand im Februar 1933 sei zum Vorwand genommen worden, um die Weimarer Verfassung außer Kraft zu setzen. Das folgende Ermächtigungsgesetz habe ihnen endgültig die totale Macht gesichert.

Die Schau im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors befasst sich mit den ersten sechs Monaten des Hitlerregimes.

als/dapd/dpa

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