Berlin - Es geht um Betrug im großen Stil - und um erhebliche Summen. Ein Mitarbeiter der Postfiliale des Bundestags hat vor Gericht die Veruntreuung von knapp 780.000 Euro gestanden. Im Prozess vor dem Berliner Landgericht gab der Beamte am Freitag zu, von März 2007 bis Januar 2012 regelmäßig Tausende Euro in seine Tasche gewirtschaftet zu haben.
Der Mann erschlich das Geld über Tricksereien bei der Bezahlung erfundener Nachnahmesendungen. Er autorisierte nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen März 2007 und Januar dieses Jahres in rund 250 Fällen Nachnahmebeträge für Sendungen, die es nicht gab. Die Zahlung erfolgte mit der sogenannten PostCard, einer Zahlkarte für Geschäftskunden der Post, die mit einem Konto des Bundestags verknüpft war.
Ein Postbote, der den 43 Jahre alten Beamten mit Blankobelegen für die Nachnahmesendungen versorgt haben soll, ist wegen Beihilfe angeklagt.
Anfangs habe er sich Pakete geschickt, gefüllt zum Beispiel mit leeren Flaschen oder Papier, sagte der angeklagte Beamte. Dann sei ihm ein Postbote auf die Schliche gekommen. "Das können wir besser machen", habe dieser gesagt - und die Methode mit den erfundenen Nachnahmesendungen vorgeschlagen.
Die Belege für die vermeintlichen Pakete hatte der Oberamtsmeister ausgefüllt. Der Chef habe unterschrieben, erklärte der 43-Jährige zum Prozessauftakt. Er meinte: "Es war so einfach, die wollten es offenbar nicht merken." Selbst als der Bundesrechnungshof die Belege überprüft habe, habe es keine Beanstandungen gegeben.
Knapp 6900 Euro habe sich der Beamte monatlich zugeschustert - das Geld sei jedoch verbraucht. Er hat den Angaben zufolge seinen Job bisher nicht verloren, erhält aber um die Hälfte gekürzte Bezüge. Der Postbote hingegen war sparsam. 298.000 von seinem Anteil von rund 371.000 Euro seien zurückgeflossen. "Ich hatte ein schlechtes Gewissen, das Geld auf den Kopf zu hauen", sagte er im Prozess.
jok/dpa/AFP
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