Kleiderordnung Bundestag schafft Krawattenzwang für Schriftführer ab

Ein jahrelanger Zank im Bundestag ist zu Ende: Schriftführer dürfen nach SPIEGEL-Informationen ihre Funktion künftig auch ohne Schlips ausüben. Vor allem Linke und Grüne hatten zuletzt nur schwer Abgeordnete gefunden, die sich dem Krawattenzwang fügen wollten.

Ersatz-Schriftführerin Alpers (Linke, l., im Januar 2010): Schlipslos nun erlaubt
dpa

Ersatz-Schriftführerin Alpers (Linke, l., im Januar 2010): Schlipslos nun erlaubt


Hamburg - Gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode hat sich die Bundestagsführung auf eine Lockerung der Kleiderordnung verständigt. Auf Antrag der Präsidiumsmitglieder Claudia Roth (Grüne) und Petra Pau (Die Linke) beschloss das Gremium nach SPIEGEL-Informationen, den Krawattenzwang für Schriftführer abzuschaffen.

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Heft 6/2014
Plädoyer für ein Sterben in Würde

In den vergangenen Jahren war es immer wieder zum Streit über die Pflicht zum Binder gekommen. Vor allem die Fraktionen von Grünen und Linken hatten zunehmend Schwierigkeiten, männliche Abgeordnete als Schriftführer für das Präsidium zu stellen, da viele sich weigerten, einen Schlips anzulegen. Dieser Grund entfällt nun.

"Mit der Abschaffung des Krawattenzwangs haben wir die Fenster im Bundestag ein gutes Stück weiter aufgestoßen und viel Muff entweichen lassen", freut sich Claudia Roth über ihren ersten Erfolg als neues Präsidiumsmitglied.

Im Januar 2011 etwa hatte es eine regelrechte Posse um den Krawattenzwang gegeben: Die Abgeordneten Andrej Hunko (Linke) und Sven-Christian Kindler (Grüne) waren von der Liste der Bundestagsschriftführer gestrichen worden, weil sie sich geweigert hatten, einen Binder umzulegen. Als ein weiterer Linken-Schriftführer daraufhin ebenfalls ohne Schlips erschien, wurde er abgelöst - von seiner Fraktionskollegin Agnes Alpers, die sich aus Solidarität eine scharlachrote Krawatte umband.



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insgesamt 46 Beiträge
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Hagen_von_Tronege 02.02.2014
1. dress code
Manche Abgeordnete tun so, als ob Schlipsträger das personifizierte Böse seien. Das ist das mittelalterliche Verständnis der Kleiderordnung, als die Zünfte vorgeschrieben haben, was vom wem zu tragen sei und und wem es verboten war - zum Beispiel Samt, Seide und Pelze zu tragen. Natürlich gibt es bestimmte Erkennungszeichen, die Signalcharakter haben wie Birkenstockschuhe. Auch da können wir noch viel von den Amerikanern lernen. Die sehen den dress code vollkommen unverkrampft. Zum Golfspielen zieht man sich anders an, als zum Theaterbesuch oder im Parlament.
einwerfer 02.02.2014
2. Na bitte, geht doch
Nachdem nun die Regierungsparteien der Opposition entgegengekommen ist und auf Krawatten verzichtet, ist nun die Opposition wahrscheinlich auch zu Zugeständnissen bereit. Sie wird auf bestimmte Fragen im NSA-Untersuchungsausschuss verzichten. So sehen echte politische Kompromisse aus :-)
wauz, 02.02.2014
3. Eh egal
Ob man da im Frack, mit Schlips oder mit Baströckchen kommt, ist schlicht wurscht. Die Hölzchen-Zieh-Aktion der Grünen einst hat gezeigt, was der Bundestag politisch wert ist: nichts.
wtf?! 02.02.2014
4. Amerikaner??
Hagen_von_Tronege, in den USA werden Kinder von der Schule ausgeschlossen, wenn Frisur und T-Shirt nicht dem Dress Code der Schule entsprechen. Haeufig trifft das traditionell afro-amerikanische Frisuren und T-Shirts mit Logos von (professionellen) Sportmannschaften. Meiner Meinung nach ist das kein unverkrampfter Umgang mit Kleidung.
verbalix 02.02.2014
5. Seit heute wissen wir,dem SPON sei Dank...
...mit welchen relevanten Themen sich unsere hochbezahlten,aber ebenso bedepperten Politpfeifen.während einer Legislarperiode so befassen.Seit Jahren ging es um Krawatten des Hauspersonales.In den nächsten Jahren wird die Unterwäsche hinterfragt.um feststellen zu dürfen,dass weder Nahles,noch UvdL und auch Murksel so richtig sexy sind.Von was für einem Saustall werden wir eigentlich regiert?
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