Ermittlungen Edathy-Laptop verschwand angeblich im Zug nach Amsterdam

Wo ist der Dienst-Laptop von Sebastian Edathy? Jetzt wird bekannt: Das Gerät kam Ende Januar angeblich während einer Zugfahrt von Hannover nach Amsterdam abhanden. Unklar ist, wo die persönlichen Unterlagen aus seinem Bundestagsbüro geblieben sind.

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SPD-Politiker Edathy: Auf dem Weg nach Amsterdam?
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SPD-Politiker Edathy: Auf dem Weg nach Amsterdam?


Berlin - Der dienstliche Bundestags-Laptop von Sebastian Edathy ist angeblich auf einer Zugfahrt von Hannover nach Amsterdam abhandengekommen. Dies bestätigte ein Sprecher der Bundespolizei SPIEGEL ONLINE am Dienstag.

Der Sprecher schildert den Fall so: Am Montag erreichte die Bundespolizei ein Fahndungsersuchen der Polizei beim Deutschen Bundestag, es ging um einen am 31. Januar 2014 während der Zugfahrt von Hannover nach Amsterdam abhandengekommenen Laptop. Geschädigter sei ein ehemaliger Abgeordneter.

Wie am Montag bekannt wurde, hatte Edathy seinen Dienst-Laptop am 12. Februar als gestohlen gemeldet. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bestätigte Bundestagssprecher Ernst Hebeker am Montagabend einen Vorabbericht des "Stern".

Am 8. Februar hatte Edathy sein Bundestagsmandat niedergelegt. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie - und hatte am Montag vergangener Woche vier Wohn- und Büroräume durchsucht. Nur zwei Tage später wurde der Edathy-Computer dann als gestohlen gemeldet. Die Staatsanwaltschaft Hannover wurde über den Diebstahl jedoch erst am Montag informiert.

Dass Edathy am 31. Januar anscheinend auf dem Weg nach Amsterdam war, wirft neue Fragen auf: Am 22. Januar meldete sich sein Anwalt Christian Noll bei der Staatsanwaltschaft Hannover, um sich nach möglichen Ermittlungen gegen seinen Mandanten zu erkundigen, was die Staatsanwälte jedoch verneinten. Erst am 28. Januar, drei Tage vor der mutmaßlichen Fahrt nach Amsterdam, beschlossen sie, gegen Edathy vorzugehen. Hatte Edathy zuvor einen Tipp bekommen? (Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Affäre finden Sie hier.)

Außerdem füllt sich die Chronologie der Vorgänge um Sebastian Edathy mit weiteren Details, die SPIEGEL ONLINE am Dienstag von der SPD-Bundestagsfraktion erfuhr: Demnach ist Edathys Nachfolgerin, Gabriele Groneberg, am vergangenen Mittwoch in sein ehemaliges Bundestagsbüro eingezogen.

Wo sind Edathys Unterlagen?

Als sie das Büro übernahm, sei es unversiegelt gewesen, Durchsuchungen seien nicht geplant gewesen. Die Rechner aus dem Büro von Edathy würden vom Bundestag verwahrt, über den Verbleib seiner persönlichen Unterlagen sei nichts bekannt. Von der Mandatsniederlegung Edathys habe die Fraktion erst über einen entsprechenden Eintrag auf seiner Facebook-Seite erfahren.

Im Gespräch mit dem SPIEGEL hatte Edathy bestritten, dass es sich bei den Film- und Videosets, die er besitzen soll, um in Deutschland verbotene Kinderpornografie handele. Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu dem verschwundenen Bundestagscomputer ließ Edathys Verteidiger Christian Noll am Dienstag zunächst unbeantwortet.

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Seite 1
stefanbodensee 18.02.2014
1. Ja, nee, is klar ...
Ja, ganz klar, dummerweise ist der Laptop, der unter Umständen belastendes Material enthalten hätte, auf einer Zugfahrt nach Amsterdam abhanden gekommen. Bei aller Liebe zu dummen Zufällen, aber langsam werden einem die dummen Zufälle etwas zu zufällig. Erinnert mich an die CSI-Serien, wo ein Fahrzeug, das für ein Verbrechen verwendet wurde - von Verdächtigen 'zufällig' am Tag vorher als 'gestohlen' gemeldet wurde. Echt zufällig glaube ich bei Edathy langsam nicht mehr an Zufälle ...
k.koch 18.02.2014
2. Anzeige bei der Bundespolizei?
Sollte mir im Zug ein Laptop gestohlen werden, würde ich SOFORT Anzeige erstatten (zuständige wäre die Bundespolizei). Hat er?
glass88 18.02.2014
3. Falsche Überschrift...
...der Laptop verschwand aus dem Zug...
kappesstepp 18.02.2014
4. Ich erlaube
mir, dies nicht zu glauben: Der Bundestagsrechner ist einer, dessen Existenz E.D. nicht bestreiten kann, den er aber gleichwohl niemandem in die Hände gelangen lassen durfte (*auch* nicht den Behörden). Was tun? Weg damit, aber man muss eine Geschichte dazu haben - also "stehlen lassen". In Wirklichkeit dürfte das Ding in der Ostsee oder sonstwo liegen. Die Chronologie ist höchst anrüchig. Dass er ausgerechnet zum angegebenen Zeitpunkt im Zug eingeknackt sein soll, so dass der Rechner jetzt leider, leider, 'will'ze machen, geklaut ist - das kann man jemandem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht. Die Geschichte erreicht ja fast Engholm-Räuberpistolen-Niveau (aber doch nur fast, die älteren werden sich erinnern; zur Klarstellung: nein, Engholm hatte sich keine fiesen Bildchen angeschaut, das denn doch nicht, nur ganz normal rumgelogen).
BlakesWort 18.02.2014
5.
Die Sache stinkt doch wirklich zum Himmel. Laptop gestohlen gemeldet, Rücktritt aufgrund Erkrankung, manipulierte Festplatten usw. Nur beweisen wird das niemand können und das ist die Schuld der Leute, die das Edathy vermutlich gesteckt haben.
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