Schwaben-Schelte Thierse erhält Goldene Narrenschelle

Normalerweise ist diese Ehrung Baden-Württembergern vorbehalten, dieses Jahr kommt der Preisträger aus Berlin: Wolfgang Thierse hat die Goldene Narrenschelle erhalten - der Bundestagsvizepräsident bekam den Narrenpreis für seine Schwaben-Schelte.

Wolfgang Thierse (links) in Rust: "Da komme ich gerne auch mal in eine unernste Sitzung"
DPA

Wolfgang Thierse (links) in Rust: "Da komme ich gerne auch mal in eine unernste Sitzung"


Rust - Er ist jetzt der größte Freund der Schwaben - fast: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse hat für seine Schwaben-Schelte närrische Ehren erhalten. Der SPD-Politiker nahm am Mittwochabend im Europa-Park in Rust bei Freiburg die Goldene Narrenschelle der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) entgegen. "Ich nehme es mit Humor", sagte Thierse. "Und als Zeichen der preußisch-schwäbischen Versöhnung." Der 69 Jahre alte Thierse hatte sich zum Jahreswechsel kritisch über Schwaben in seinem Berliner Heimatbezirk Prenzlauer Berg geäußert. Damit hatte er eine hitzige Debatte ausgelöst.

Die Goldene Narrenschelle wird jährlich an einen Prominenten vergeben. Thierse ist der erste Preisträger, der nicht aus Baden-Württemberg kommt. "Ich nehme an so vielen ernsten Sitzungen teil", sagte er. "Da komme ich gerne auch mal in eine unernste Sitzung." Im Südwesten fühle er sich ebenso wohl wie in Berlin. "Die Unterschiede machen Deutschland reicher. Deshalb bin ich hier." Die tollen Tage seien ein gutes Bild für die Vielfalt der Regionen.

Die Laudatio auf Thierse hielt dessen schwäbischer Parteifreund, Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD). "Durch Thierses Worte, es ist nicht übertrieben, kam es zu den Berliner Schwaben-Kriegen", sagte er. Thierse habe die Schwaben verärgert. Das werde Folgen haben, sagte der Minister augenzwinkernd: "Wer die Schwaben kritisiert, der wird finanziell rasiert." Und weiter: "Thierse hat wohl die Birne weich, wir kürzen den Finanzausgleich."

Narrenpräsident Roland Wehrle sagte: "Die schwäbisch-alemannische Narrenschelle in Berlin soll Frieden bringen." Thierses Äußerungen seien "eine Narretei und eine Tollheit". Der närrische Preis sei darauf die richtige Antwort. Thierse hatte in einem Interview kritisiert, dass er wegen der vielen Zuwanderer aus dem Südwesten beim Bäcker in Berlin inzwischen Wecken statt Schrippen bestellen müsse, wenn er Brötchen wolle.

Im vergangenen Jahr hatte der Stuttgarter Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) die Auszeichnung erhalten. Zuvor war sie unter anderem an Schlagersänger Tony Marshall, Sparkassenpräsident Heinrich Haasis, Fernsehmoderator Frank Elstner sowie an EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) gegangen.

hen/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
rudi_1957 23.01.2013
1. Spätzle
Hättet Ihr ihm lieber auch a baar Schpädzle aufghoggd :-)
wernerz 23.01.2013
2. Wichtigtuer
Falls jemand hinter der "Goldenen Narrenschelle" so etwas wie Humor vermuten sollte, wird er bei Durchsicht der Liste der bisher "Geehrten" nur den Kopf schütteln können.
flyboard 24.01.2013
3. Outfit
Aber zum Friseur hätte er vor diesem Termin trotzdem gehen können und bei HM was ordentliches zum Anziehen besorgen können. Ist ja peinlich für uns Schwaben und Badenser, wie der hier den Bundestag vertritt. Habt ihr nix Besseres in Berlin?
taglöhner 24.01.2013
4.
Und das im Herzen Badens. Wir haben die gleichen Probleme mit den Schwaben wie Thierse. Wer das eingefädelt hat (Mack?), gehört expatriiert.
tulius-rex 24.01.2013
5. Es geht nicht um Weckle
Es geht nicht um Weckle oder Spätzle sondern um vermögende Schwaben und Badener, die ihr Schwarzgeld aus der Schweiz zurückgeholt haben und vermehrt in Berliner Wohnraum investieren, diesen in lukrativere Ferienwohnungen umwandeln und so bezahlbare Familienwohnungen vernichten.
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