Bundestagswahl 2013: Rot-Grün träumt schon von den Top-Jobs

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Steinbrück Kanzler, Gabriel Fraktionschef, Trittin Finanzminister - noch regiert Schwarz-Gelb, doch längst denkt Rot-Grün wieder an die Macht. Das Rennen um die besten Posten in einem möglichen Bündnis 2013 hat begonnen.

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Grünen-Fraktionschef Trittin, SPD-Vorsitzender Gabriel: Gemeinsam zur Macht?

Berlin - In der Politik gibt es eine wichtige Regel. Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Wer zu früh an die Macht denkt, kann beim Wähler schnell als abgehoben gelten. Und das kann böse enden.

Bei SPD und Grünen tut man sich derzeit etwas schwer, dieser Demutsregel zu folgen. Getragen von guten Umfragen träumen sie wieder vom gemeinsamen Regieren. Sie laben sich an der schwarz-gelben Misere, basteln eifrig an Konzepten, schwärmen von eigenen Erfolgen. Es läuft gut. So gut, dass das Interesse an all den schönen Top-Jobs, die es nach einem möglichen Machtwechsel 2013 zu verteilen gibt, langsam zu steigen beginnt.

Jedenfalls ist in jüngster Zeit zu beobachten, dass sich viele Sozialdemokraten und Grüne mindestens so intensiv mit der Karriereplanung befassen wie mit dem Anpacken von politischen Problemen. Mal mehr, mal weniger öffentlich philosophieren sie über ihre eigenen Job-Aussichten, bringen Kollegen für Höheres ins Gespräch oder spielen hinter verschlossenen Türen bestimmte Szenarien durch.

Beinahe in jedem Szenario spielt er die Hauptrolle: Peer Steinbrück. Kein Wunder, der 64-jährige Sozialdemokrat bringt sich seit geraumer Zeit für den wichtigsten aller Posten in Stellung. Steinbrück hat den Hype um seine Person mit einem Interview im Mai erst selbst gestartet und dann so lange laufen lassen, dass seine Kanzler-Ambitionen als sicher gelten können. Wohl dosiert wird er die Debatte in den kommenden Monaten weiter befeuern - durch öffentliche Auftritte, ein Buch mit Helmut Schmidt und eine große Rede auf dem SPD-Parteitag im Dezember. Willkommen bei den Steinbrück-Festspielen.

Will Steinmeier noch mal Außenminister werden?

Als Kanzler könnten sich viele Genossen auch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gut vorstellen. Doch glauben inzwischen nur noch wenige Parteifreunde, dass der 2009 an Angela Merkel Gescheiterte einen zweiten Anlauf starten will. In seiner Fraktion wird registriert, dass er die Kontakte aus seiner Zeit als Außenminister äußerst behutsam pflegt. Und so gehen viele Sozialdemokraten davon aus, dass er Steinbrück den Vortritt lassen könnte und stattdessen auf eine zweite Amtszeit als Chefdiplomat spekuliert - oder auf einen internationalen Job.

Wo Steinmeier nach einem möglichen Wahlsieg landet, dürfte entscheidend davon abhängen, was aus SPD-Chef Sigmar Gabriel wird. Gezielt schiebt der Niedersachse seinen Parteifreund Steinbrück nach vorne. In der Partei wird das als Zeichen dafür gewertet wird, dass er selbst nicht antreten will. Verstärkt wird gemunkelt, der Parteichef könne nach der Wahl auch nach dem Fraktionsvorsitz greifen - damit wenigstens einer da wäre, der einem Kanzler Steinbrück etwas entgegenzusetzen hätte.

Einer, der sich gleich für multi-ministrabel hält, ist Thomas Oppermann. Gerne erinnert der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion daran, dass Steinmeier ihn im letzten Wahlkampf als Schatten-Innenminister in sein Team holte. Ein Job, den er auch 2013 gerne hätte. Manche in der Fraktion meinen, noch lieber würde er das Verteidigungsministerium führen. Jedenfalls ist ihnen aufgefallen, wie intensiv sich Oppermann inzwischen mit dem Thema Afghanistan beschäftigt.

Auch der linke Flügel hätte gerne ein hübsches Ressort. Das Problem ist nur, dass sich allzu viele Personen nicht anbieten. Klaus Wowereit, der Berliner Bürgermeister, liegt mit Steinbrück einigermaßen über Kreuz. Generalsekretärin Andrea Nahles auch, aber sie wird untergebracht werden müssen. Nahles kommentiert gerne mal die Erwerbslosenzahlen und ist auch ansonsten firm in arbeitsmarktpolitischen Fragen. Sollte sich sonst niemand finden, sei Nahles durchaus eine Kandidatin für das entsprechende Ressort, heißt es. Auch mit dem Gesundheitsministerium könnte sie sich anfreunden, wenn da nicht Karl Lauterbach wäre, der sich schon jetzt als heimlicher Chef des Hauses sieht.

Trittin drängt ins Finanzministerium

Bei den Grünen macht vor allem einer mächtig Dampf ins Sachen Karriereplanung: Jürgen Trittin. Der starke Mann der Grünen, der in einer Koalition mit der SPD wohl Vizekanzler würde, läuft sich neuerdings als Kassenwart der Nation warm. Nicht das Auswärtige Amt ist offenbar mehr Ziel des Grünen-Fraktionschefs, sondern der Posten des Bundesfinanzministers. Das ist inzwischen deutlich wichtiger als das Außenministerium. Und an Ex-Chefdiplomat Joschka Fischer müsste er sich dann auch nicht mehr messen lassen.

Dass Ko-Fraktionschefin Renate Künast in zwei Wochen zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin gewählt wird, ist unwahrscheinlich. Und so rechnen ihre Kollegen inzwischen damit, dass sie 2013 in einer rot-grünen Koalition ein Spitzenministerium beanspruchen würde. Das Innenministerium böte für die Rechtsanwältin Künast gleich mehrfach Charme: Sie wäre die erste Grüne auf diesem Posten. Und sie könnte auf diesem Posten klare Akzente gegenüber der SPD setzen. Fraglich ist nur, ob die SPD sich das Haus nehmen lässt.

Parteichef Cem Özdemir will 2013 ebenfalls mitregieren. Seit geraumer Zeit pflegt er auffallend gute Kontakte zu Unternehmern, beim Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft sitzt er sogar im Beirat. Es gibt ein Haus, das zu seinen Interessen passt: das Wirtschaftsministerium.

Auch die Ko-Parteivorsitzende Claudia Roth schielt auf einen attraktiven Posten. Mit großer Inbrunst und Kreativität arbeitet sie sich seit zwei Jahren an Entwicklungsminister Dirk Niebel ab, so dass mancher ihr ein Interesse an dem Ressort nachsagen. Doch wird sie bei den Grünen auch für einen anderen Posten gehandelt: den der Bundestagspräsidentin.

Das würde gut passen: Nach dem Protokoll ist es das zweitwichtigste Amt im Staate. Und der Parlamentschef darf in einem der schönsten Büros des Regierungsviertels residieren - ganz nach dem Geschmack Claudia Roths.

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insgesamt 224 Beiträge
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1. Re.
Nevis 02.09.2011
Nur noch darum gehts: Um Pöstchen! An das Volk oder an nachhaltige Politik, die allen zu Gute kommt, denken Politiker schon lange nicht mehr.
2. Gut zu wissen!
s-n-a-f-u 02.09.2011
Zitat von sysopSteinbrück Kanzler, Gabriel Fraktionschef, Trittin Finanzminister - noch regiert Schwarz-Gelb, doch längst denkt Rot-Grün wieder an die Macht. Das Rennen um die besten Posten in einem möglichen Bündnis 2013 hat begonnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,783967,00.html
Ich pack' derweil schon mal meine Koffer!
3. Demokratie
sprechweise 02.09.2011
Zitat von sysopSteinbrück Kanzler, Gabriel Fraktionschef, Trittin Finanzminister - noch regiert Schwarz-Gelb, doch längst denkt Rot-Grün wieder an die Macht. Das Rennen um die besten Posten in einem möglichen Bündnis 2013 hat begonnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,783967,00.html
Demokratie heißt immer erst den Bürger fragen, oder hält man den für arg manipulierbar?
4. kein Titel!
friedrich_eckard 02.09.2011
"Ihr Christen mit Vernunft begabt, o merkts, was ich erzählet. Verkauft nicht, was Ihr selbst nicht habt, verschenkt nicht, was Euch fehlet. Denkt hier und an die Bärnhaut hin die ohn' den Bär'n zu Rat zu ziehn zween Jäger teilen wollten." (Georg Christoph Lichtenberg) Übrigens wird Steinbrück nicht Kanzler, sondern allenfalls schwarzroter Finanzminister, und die GRÜNEN bekommen dann gar keine Ministerposten zu besetzen.
5. Keine Ahnung, woran die schon wieder denken,
burgundy 02.09.2011
Zitat von sysopSteinbrück Kanzler, Gabriel Fraktionschef, Trittin Finanzminister - noch regiert Schwarz-Gelb, doch längst denkt Rot-Grün wieder an die Macht. Das Rennen um die besten Posten in einem möglichen Bündnis 2013 hat begonnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,783967,00.html
aber wenn der deutsche Wähler diesmal ein wenig klüger ist, dann wird er rot-grün nicht noch einmal wählen. Selbst, wenn es "alternativlos" sein sollte.
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Kurzporträts der SPD-Spitze
Parteivorsitzender: Sigmar Gabriel
REUTERS
Mit 51 Jahren wurde Gabriel, Jahrgang 1959, jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Nach einem starken Start hat seine Autorität zuletzt im Streit um Thilo Sarrazin und die Migrantenquote Schaden genommen. Als natürlicher Kanzlerkandidat gilt er inzwischen nicht mehr.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist mit einer Zahnärztin verheiratet.
Parteivize: Manuela Schwesig
Getty Images
Manuela Schwesig schaffte in nur sechs Jahren den Aufstieg von der Finanzbeamtin zur SPD-Vizechefin. Frank-Walter Steinmeier pries die 1974 geborene Schwesig einst als "strahlenden Nordstern der SPD". Im Präsidium ist sie für Familienpolitik zuständig und katapultierte sich vor allem während der Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform in die Schlagzeilen.

Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Sie ist Mutter eines Sohnes.
Parteivize: Hannelore Kraft
DPA
Kraft, 1961 geboren, ist SPD-Landeschefin und Ministerpäsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Juli 2010 führt sie eine rot-grüne Regierung in Düsseldorf - die ersten beiden Jahre als Minderheitsregierung, seit der Landtagswahl im März 2012 mit einer deutlichen Mehrheit.

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Fraktionschefin in Düsseldorf. Kraft ist verheiratet und hat einen Sohn.
Parteivize: Klaus Wowereit
DPA
Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit neun Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei.

Wowereit, Jahrgang 1953, ist der Senior innerhalb der SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."
Parteivize: Olaf Scholz
AP
Bis Herbst 2009 war Scholz, geboren 1958, Bundesarbeitsminister. Aber auch jetzt ist er wieder gut beschäftigt: Im Februar 2011 holte er bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg die absolute Mehrheit und ist seitdem Erster Bürgermeister in der Hansestadt.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hat in der SPD schon viele Karrierestationen hinter sich: Innensenator in Hamburg, SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Scholz ist verheiratet mit einer Hamburger SPD-Politikerin.
Parteivize: Aydan Özoguz
DPA
Die Hamburgerin, Jahrgang 1967, mit türkischen Wurzeln hat einen steilen Aufstieg in der SPD hinter sich. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag, im Dezember 2011 übernahm sie einen der Posten als Bundes-Vize. Vorher arbeitete sie unter anderem als Intergrationsbeauftragte der SPD-Fraktion. Für Aufsehen sorgte sie 2010 mit dem Appell, die Is­lam­kon­fe­renz von Bun­desin­nen­mi­nis­ter Hans-Pe­ter Friedrich (CSU) zu boy­kot­tie­ren. Sie hatte dem Minister vorgeworfen, einen pauschalen Terrorverdacht gegen Muslime zu unterstellen. Özoguz ist mit einem Hamburger SPD-Politiker verheiratet und lebt in Oldenfelde sowie einer Berliner Dienstwohnung.
Generalsekretärin: Andrea Nahles
AP
Nahles, geb. 1970, ist schon lange bei der SPD aktiv. Vor ihrer Wahl zur Generalsekretärin war Nahles stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte.

Nahles stammt aus Rheinland-Pfalz, sie ist Germanistin und bekennende Katholikin. Liiert ist sie mit einem Bonner Kunsthistoriker.