Über Tiere, Trump und Wackelzähne Kinder fragen, Kanzlerin antwortet

Premiere für die Kanzlerin: Angela Merkel hat sich am Sonntag bei der "Kinderpressekonferenz" den Fragen der Wähler von übermorgen gestellt - und dabei überraschende Einblicke geliefert.

Unter Kindern: Angela Merkel
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Unter Kindern: Angela Merkel


Nach fast zwölf Jahren im Amt gibt es wahrscheinlich nicht viel, was Angela Merkel zum ersten Mal macht. Aber eine Pressekonferenz nur für Kinder hat die Kanzlerin tatsächlich noch nie gegeben. Die Premiere fand am Sonntagnachmittag, genau eine Woche vor dem Urnengang, im Wahlkampfhaus der CDU in Berlin statt. Eine Stunde lang prasselten die Fragen nur so auf Merkel ein. Nicht gerade ihre Paradedisziplin - unvergessen ihr hölzerner Auftritt vor einem Flüchtlingsmädchen im Krisensommer 2015.

Doch diesmal wusste die CDU-Chefin jede noch so scharfe Frage locker zu parieren. Lieblingsessen? Spaghetti Bolognese. "Igel, Elefanten und Feldhasen" als Lieblingstiere - auch damit punktete die Kanzlerin bei den Wählern der Zukunft. Und Manuel Neuer und Philipp Lahm als Lieblingsfußballer stießen ebenfalls auf zustimmendes Nicken. Etwas stutzig reagierten die Kleinen nur bei Kanzlerins liebstem Zeitvertreib: "Kartoffeln anbauen".

Die Antwort auf die Frage nach dem Lieblingsland beantwortete Merkel zunächst mit Deutschland - und ihre Wunschreiseziele teilte sie gerecht zwischen USA und Russland auf. Eine Sechsjährige wollte von der Kanzlerin wissen, ob sie schon einmal einen Wackelzahn hatte. Als "sehr unangenehm" habe Merkel das in Erinnerung.

Bisschen wippen, zweimal klatschen

Es wurde aber auch nach US-Präsident Donald Trump, der Energiewende, der Obergrenze für Flüchtlinge, dem Frieden zwischen Schwarzen und Weißen und dem Kampf gegen Plastikmüll gefragt. Und Merkel schonte in ihren Antworten ihre jungen Zuhörer nicht. Sie zitierte Artikel eins des Grundgesetzes, begründet ihre Wahl der CDU "von der Wirtschaftsordnung her" oder diskutiert mit einem Frager das Thema Massentierhaltung und die verschärfte Gülleverordnung.

Nach einer halben Stunde rief die Kanzlerin, die ihr Publikum mitunter auch streng ermahnte, mal "ein bisschen ruhiger da hinten" zu sein, zum allgemeinen Ausschütteln auf. Justin Timberlake ertönte, Merkel wippte ein bisschen mit und klatschte auch zwei Mal in die Hände.

Die Kinder erfuhren an dem Nachmittag dann auch noch, dass die Kanzlerin "eine schöne Strickjacke" oder "sehr bequeme Schuhe" als Lieblingskleidung hat, gerne als "Astronautin einmal um die Erde fliegen" würde und "es immer ganz traurig" fand, wenn das Kaninchen oder der Kanarienvogel ihrer Schwester starb.

Nach CSU-Chef Horst Seehofer wurde sie dann auch noch gefragt. "Wisst ihr, wer das ist?", fragte die Kanzlerin zurück. "Nein", lautete die Antwort. Merkel sagte, dass Seehofer "na ja, fast 30 Zentimeter größer" sei als sie - und "dass das Gemeinsame überwiegt". Na dann.

mkl/AFP/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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geando 18.09.2017
1. Inszenierung für gerührte Rentner
Ach wie herzig, die Kanzlerin darf die gefällig-naiven Fragen der Kinder beantworten und bekommt dafür auf SPON die grosse Bühne geboten. Ich kenne solche peinlichen Events noch aus meiner eigenen Kindheit, in der man dann auf so einer "Kinderveranstaltung" etwa dem Bürgermeister ein paar Fragen stellen durfte, diese waren vorher natürlich mit dem Lehrer abgesprochen und demenstrechend auf Konformität geprüft, nicht das es Überraschungen geben sollte. Und nein, ich bin nicht in der DDR grossgeworden. Wertvollere Geschenke als die breite Veröffentlichung solcher Inszenierungen kann die Presse der Kanzlerin gar nicht machen, so kurz vor der Wahl. Ich bin mir sicher, es gibt ein paar Stimmen von gerührten Rentnern zusätzlich.
Akonda 18.09.2017
2.
Das ist wohl zu befürchten. Aber ich baue auf die Klugheit der Kinder, die ja oft einen besseren Durchblick haben als wir Erwachsenen und schräge oder nicht wirklich gemeinte Aussagen sehr wohl erkennen.
Drscgk 18.09.2017
3. Tolle Idee, die Kinder fragen zu lassen
Da hat die Kanzlerin mal eine echte Chance, nicht allzu offensichtlich in Schwierigkeiten zu kommen.
derHamlet 18.09.2017
4.
Guten Tag, wie putzig, die kleinen Untertanen dürfen der Regentin Fragen stellen. Nur haben sie in ihrem täglichen gehorsamspflichtigen Schulleben keinerlei demokratische Strukturen, sie müssen da hin, gleich was ihnen vorgesetzt wird. Und wenn sie groß sind, dann dürfen sie. Es gibt doch so einen Spruch: was Hänschen nicht lernt, . . .
31er 18.09.2017
5. Jetzt werden auch noch kleine Kinder
benutzt, um Muttis Sieg zu festigen. Die Schwarzen schrecken auch vor nichts zurück. Die noch unentschlossenen Alten sind vor Rührung hin und weg. Die wähle ich. Die kümmert sich ja so nett und lieb, auch um die jüngsten... Und wenn die Kinder(Enkel) dann alt sind, kümmerts mich ja nicht mehr... Armes Deutschland
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