Datenanalyse zur Wahl Kaum Ausländer in AfD-Hochburgen - Union besonders auf dem Land beliebt

Wie sehen die Hochburgen von CDU, SPD und Co. aus? Wählen nur Gutverdienende die FDP - und Arbeitslose die Linke? Die stärksten Regionen der Parteien in der grafischen Analyse.

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Wer an eine Partei denkt, hat meist ein bestimmtes Bild im Kopf: Da ist die SPD als Partei des kleinen Arbeiters, dort die Liberalen als Anlaufstelle für Apotheker und Ärzte. Doch welche Besonderheiten weisen die Wähler in den Hochburgen der einzelnen Parteien wirklich auf?

SPIEGEL ONLINE hat sich nach der Bundestagswahl die Regionen genauer angeschaut, in denen die Parteien jeweils besonders erfolgreich waren. Im Fokus standen dabei insbesondere vier Kriterien: Durchschnittseinkommen, Arbeitslosigkeit, Ausländeranteil und die Bevölkerungsdichte.

Eine zentrale Erkenntnis: Die Wählerschaft der AfD hat sich stark verändert - punktete die Partei vor vier Jahren sowohl bei höheren als auch niedrigeren Einkommensschichten, erreicht sie nun vor allem letztere Gruppe.

Zur Methode: Für die Auswertung wurden für jede Partei jeweils 75 Wahlkreise zugrunde gelegt, in denen die Partei ihren höchsten Zweitstimmenanteil erreichte. Im zweiten Schritt folgte eine Analyse dieser Wahlkreise unter bestimmten Gesichtspunkten, etwa der Arbeitslosigkeit. Die graue Kurve zeigt zum besseren Vergleich den Durchschnitt aller Wahlkreise an - ist also quasi der bundesweite Durchschnitt.

Niedriges Einkommen: AfD macht Linke Konkurrenz

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Die AfD und die Linke erhalten besonders in Wahlkreisen mit einem niedrigeren Einkommen hohe Zustimmungswerte (Anmerkung: Das Pro-Kopf-Einkommen ergibt sich aus dem verfügbaren Jahreseinkommen der privaten Haushalte pro Einwohner in Euro. Stand: 2014). Wie die untere Grafik zeigt, war das vor vier Jahren noch anders. Damals stimmten für die Partei eher Menschen, die durchschnittlich verdienten.

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Für die Linke bedeutet das: Sie hat nun starke Konkurrenz in der Gruppe, die häufig mit Protestwählern in Verbindung gebracht wird.

Union, FDP und Grüne sind dagegen besonders in Wahlkreisen mit höherem Haushaltseinkommen beliebt. Gerade bei der FDP zeigt sich im Vergleich zur Wahl 2013: Sie steigt in der Beliebtheit der Menschen, die mehr verdienen.

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SPD und Linke besonders bei Arbeitslosen bevorzugt

Die Union ist besonders erfolgreich in Wahlkreisen mit niedriger Arbeitslosigkeit. Keine andere Partei weist in der Auswertung so ein Profil auf. Ähnlich hohe Zustimmungswerte erzielen nur FDP und Grüne.

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Die AfD ist hingegen sowohl in Kreisen mit niedriger als auch mit höherer Arbeitslosigkeit beliebt. Im Vergleich zur vergangenen Wahl konnte sie in Wählerkreisen mit höherer Arbeitslosigkeit stärker zulegen.

Linke und SPD waren dagegen noch eindeutiger in Kreisen mit höherer Arbeitslosigkeit erfolgreich.

Nur wenige Ausländer in AfD-Hochburgen

Als vor zwei Jahren mehr und mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, präsentierte sich die AfD als Partei der Abschottung und kritisierte die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin scharf.

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Stammen AfD-Wähler also vor allem aus Wahlkreisen, in denen der Ausländeranteil besonders hoch ist?

Diese Vermutung liegt eigentlich nahe. Doch die Zahlen zeigen: Die AfD hat besonders viele Wähler in Regionen mit wenig Ausländern, vorwiegend im Osten der Republik. Vor vier Jahren sah das noch anders aus: Die AfD-Hochburgen verteilten sich stärker auf das ganze Bundesgebiet - die Partei war damals noch häufiger in Wahlkreisen mit hohem Ausländeranteil erfolgreich.

Auch die Linken sind besonders in Kreisen beliebt, in denen es eine niedrige Ausländerquote gibt.

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Liberale und Grüne punkten dagegen in Wahlkreisen mit höherem Ausländeranteil.

Union kommt an auf dem Land

Ein Vergleich mit der Bevölkerungsdichte zeigt, dass die Union-Wähler in ländlichen Regionen wohnen, was zum Teil auf die CSU-Wähler im dünn besiedelten Bayern zurückzuführen ist.

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Der Blick auf die Grünen-Hochburgen deutet darauf hin, dass die Wähler dieser Partei häufiger in Städten als auf dem Land wohnen. Auch die FDP und die SPD erhalten besonders in dicht besiedelten Wahlkreisen viele ihrer Stimmen.

Bundestagswahl 2017; Stand: 25.9., 4.12 Uhr
Quelle: infratest dimap für die ARD (Schätzung auf Basis von Nachwahlbefragungen, Wahlstatistiken, Bevölkerungsstatistiken und repräsentativen Vorwahlerhebungen)

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