SPON-Wahltrend SPD kann mit sozialer Gerechtigkeit nicht punkten

Welche Partei kann was am besten? Im SPON-Wahltrend punktet die Union bei innerer Sicherheit. Die SPD schneidet beim Kernthema soziale Gerechtigkeit mäßig ab - und verliert weiter in der Sonntagfrage.

SPD-Wahlkampfmaterial mit Knick
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SPD-Wahlkampfmaterial mit Knick


Die SPD kämpft für mehr soziale Gerechtigkeit. Von Anfang an hat Martin Schulz auf dieses Thema gesetzt, bundesweit spricht der Kanzlerkandidat auf den Wahlkampfbühnen darüber, dass es vielen Menschen in der Republik nicht gut gehe. "Zeit für mehr Gerechtigkeit" lautet der zentrale Slogan der Sozialdemokraten - nur glauben die Menschen in Deutschland nicht, dass die Partei wirklich dafür steht.

Auf die Frage, ob die Regierungspartei SPD in den vergangenen vier schwarz-roten Jahren für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen konnte, sagt in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey mehr als ein Drittel: eher nicht. Und fast ein weiteres Drittel: nein. Für die Partei, bei der soziale Gerechtigkeit zum Markenkern gehört, sind das keine guten Werte.

Nun ließe sich einwenden, dass die SPD eben nur der Juniorpartner in der Koalition war und ist, womöglich also wollte, aber nicht konnte. Doch auch wenn es um die Kompetenzen der Parteien bei den fünf für die Wähler wichtigsten Themenfeldern geht, zeigt sich: Die SPD liegt bei der sozialen Gerechtigkeit zwar vor der Union, aber die Werte sind mäßig - und der Abstand zu CDU und CSU nicht besonders groß.

Knapp 30 Prozent halten die SPD für die kompetenteste Partei in sozialen Belangen. Gut 24 Prozent glauben eher an die Union. Den beiden großen Parteien folgt die Linke, der 17 Prozent der Befragten die größte Kompetenz in dieser Frage bescheinigen.

Die Union ist bei ihren klassisch starken Themen Innere Sicherheit und Wirtschaft gut beleumundet und gilt rund 45 Prozent der Befragten hierfür als die beste Partei, die SPD ist abgeschlagen.

Auch in der Außenpolitik fallen die Sozialdemokraten weit hinter die Union zurück. Dabei stellt die SPD in der GroKo den Außenminister. Erst war es Frank-Walter Steinmeier, jetzt führt Sigmar Gabriel das Auswärtige Amt - aber die Europa- und G20-Weltkanzlerin Angela Merkel macht die Punkte bei den Wählern (44 zu 22 Prozent).

Außerdem haben wir wie immer gefragt: Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?

Auch hier gibt es in dieser Woche schlechte Nachrichten für die SPD. Das TV-Duell vor neun Tagen hat sich für Merkel-Herausforderer Schulz und seine Partei nicht ausgezahlt. Im Gegenteil: Zwei Prozentpunkte geht es für die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche nach unten, die anderen Parteien bleiben fast unverändert.

Die Union hält damit in der SPONtagsfrage ihren komfortablen Vorsprung aus der vergangenen Woche - sie landet bei 38,2 Prozent (+ 0,1). Der Abstand zur SPD vergrößert sich, denn die Sozialdemokraten rutschen weiter in Richtung 20-Prozent-Marke und holen zwölf Tage vor dem Wahltermin 22,1 Prozent im Wahltrend (- 2,0).

Für die anderen bleiben die Resultate weitgehend gleich. Die Grünen kommen nun auf 8,2 Prozent (+ 0,5), sie rücken etwas näher an die AfD heran (8,5 Prozent / + 0,3). Die Linke ist noch knapp stärkste der kleinen Parteien (9,3 Prozent), hat die FDP (9,1 Prozent) aber im SPON-Wahltrend knapp hinter sich.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 5. September bis 12. September 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
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Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
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Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

cht

insgesamt 178 Beiträge
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Seite 1
sozialismusfürreiche 12.09.2017
1. ja wie bitte?
Wie bitte soll die SPD mit sozialer Gerechtigkeit punkten? Da kam die Agenda 2010 her. Die Hartz IV-Gesetze. Es sind noch genug Leute in der SPD, die damals im Bundestag waren. So geht das nicht. Erst wenn die SPD die alten Zöpfe abschneidet, den Schröder aus der Partei wirft, dann könnte es wieder was werden. Momentan ist es so als ob der Oberboss der Drogendealer die die Stadt erschlossen haben 10 Jahre danach versuchen die Auswirkungen der Abhängigkeit zu mindern, dabei aber weiter die Drogen verkauft ... ist das glaubhaft?
xcountzerox 12.09.2017
2. Spd?
Abschaffung der Sanktionen bei Hartz4. DAS wäre "soziale Gerechtigkeit". Aber klar, eigene Fehler eingestehen geht nicht....
gerhard_fuetterer 12.09.2017
3. Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Was ist das Besondere an der Civey-Methodik? dass sie versucht zu manipulieren . In jedem Falle bereits in SPON mit einem im Sturm geknickten Schirm eine vorgefasste Meinung gezielt einsetzt.
meine Güte 12.09.2017
4. Sehr, sehr....
....schwer verdaulich. SPD und Agenda, SPD und Grundsicherung, SPD und Hartz IV, SPD und Armutsrenten, SPD und Leiharbeit, SPD und Zeitarbeit, SPD und prekariat...und, und, und....SPD, ne,ne,ne.....Zeit für mehr Gerechtigkeit, äh Sorry, Mehr Zeit für Gerechtigkeit, oder wie, oder was. Lügenpolitik, sonst nichts.
valgus.hallux 12.09.2017
5. Die Grünen UND Merkel?
Ein wahrer Alptraum, das ist der soziologische Ruin Deutschlands. Die CSU kann das nicht bremsen, das sind alles nur Bierzelthelden.
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