Wahlkampf auf der Zielgeraden Werben, wählen, Cocktails

Den Spitzenkandidaten der Parteien bleibt nicht mehr viel Zeit, um Wähler vor der Bundestagswahl zu überzeugen. Was sie noch geplant haben - und wo sie selbst abstimmen.

SPD-Parteizentrale
DPA

SPD-Parteizentrale


In weniger als 48 Stunden öffnen die Wahllokale - dann werden auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) an die Urnen treten und ihre Stimme abgeben. Bis dahin heißt es: Wechselwähler überzeugen, letzte Auftritte absolvieren, Versprechen für nach der Wahl machen. 100 Stunden gab sich die CDU als finale Phase, die Sozialdemokraten warben bei ihren Mitgliedern für ein 72-Stunden-Endspurt in den Sozialen Netzwerken.

Was heißt das für die Spitzenkandidaten der Parteien? Ein Überblick über die wichtigsten Termine und Aktionen.

Bundestagswahl: Die Spitzenkandidaten der Parteien

Klicken Sie auf die Bilder

Merkel bleibt beim Altbewährten

Man kenne sich ja schon, soll es bei Wahlhelfern des Wahllokals in Berlin-Mitte heißen. 2013 kam sie zu Fuß in die Mensa der Humboldt-Universität, Ehemann Joachim Sauer an ihrer Seite und setzte ihr Kreuz. Obwohl der Medienandrang groß war, soll sie kommentarlos wieder gegangen sein. Das könnte dieses Mal ähnlich ablaufen: Gegen 14.30 Uhr wird sie in dem Berliner Wahllokal erwartet.

Merkel im Berliner Wahllokal 2013
AFP

Merkel im Berliner Wahllokal 2013

Ihren letzten öffentlichen Auftritt absolviert die Kanzlerin wohl am Samstag in ihrem Wahlkreis Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird sie erst zu einer Aktion der Universitätsmedizin auf dem Marktplatz erwartet, später soll es zum Erntefest in Lauterbach auf Rügen gehen.

Schulz besucht die Heimat

SPD-Kanzlerkandidat Schulz besucht am Wochenende seine Heimat NRW. Am Samstagmittag steht eine Wahlkampfveranstaltung in Aachen auf dem Plan. Am Abend zuvor wird er noch auf dem Berliner Gendarmenmarkt bei "Martin Schulz live" versuchen, den "Last-Minute-Swing" einzuläuten. Er zählt auf die unentschlossenen Wähler, die 37 Prozent ausmachen sollen: "Da ist alles möglich", sagte er vor wenigen Tagen.

Schulz wird schon deutlich früher als Kanzlerin Merkel - die Wahllokale sind ab 8 Uhr geöffnet - seine Stimme in seiner Heimat Würselen abgeben.

Lindner hat schon abgestimmt

Bilder mit Wahlzettel in der Hand wird es bei der Wahl zum 19. Bundestag vom FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner nicht geben. Er hat seine Stimme bereits per Briefwahl abgegeben.

Damit liegt er im Trend: Fast ein Drittel der rund 61,5 Millionen Wahlberechtigten wollte Umfragen zufolge per Briefwahl abstimmen, so viele wie nie zuvor. Nach Angaben der Stadt München etwa hatten eine Woche vor der Wahl mehr als 34,5 Prozent der Wähler Briefwahl beantragt. In Hamburg etwa lag die Briefwahlbeteiligung bei 28,7 Prozent. Das waren 6,8 Prozentpunkte mehr als bei der Vergleichszahl eine Woche vor der Wahl 2013.

Bartsch spricht in Rostock

Bei den Spitzenkandidaten der Linken steht der Wahlkampfabschluss am Samstagmittag an: Dietmar Bartsch wird um 13.00 Uhr in Rostock erwartet. Am Sonntag wird er am Vormittag im Ostseebad Prerow seine Stimme abgeben. Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht sowie Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi haben bereits per Brief gewählt, teilte die Partei mit.

Grüne setzen auf Pasta und Cocktails

Bisher haben die Grünen unter den kleineren Parteien die geringsten Chancen, am Sonntag auf Platz drei zu landen. In Umfragen kamen sie zuletzt auf 6 bis 9 Prozent. Am Freitag begannen die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir ihren "Wahlmarathon": In 42 Stunden sollte es in 16 Bundesländer gehen, abschließen soll das Programm mit einer Cocktail-Party in Hannover am Samstagabend. Teil dieses Marathons war eine "Pasta-Party" am Freitagnachmittag - mit "Soßen aus aussortiertem Gemüse". Buon appetito.

AfD schickt Meuthen in die Elefantenrunde

Die Rechtspopulisten rechnen fest mit dem Einzug in den Bundestag, in den Umfragen liegen sie bei um die elf Prozent. Deshalb steht bereits der AfD-Vertreter fest, der für die Partei in der Elefantenrunde genannten "Berliner Runde" von ARD und ZDF am Wahlabend mit Angela Merkel, Martin Schulz und Co. diskutieren darf: Parteichef Jörg Meuthen.

Meuthen allerdings ist Fraktionschef im Landtag von Baden-Württemberg, im Gegensatz zur Co-Parteivorsitzenden Frauke Petry kandidiert er selbst nicht für den Bundestag. Die AfD könnte drittstärkste Kraft im Parlament werden. Vor vier Jahren war die Partei mit 4,7 Prozent noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

vks/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.