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Bundestagswahl-Blog Der Rauf-runter-weg-Spuk

NPD-Plakat: In Berlin muss man mit Hundehaufen leben, in Brandenburg mit Nazi-ParolenZur Großansicht
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NPD-Plakat: In Berlin muss man mit Hundehaufen leben, in Brandenburg mit Nazi-Parolen

2. Teil: Die Theorie vom Gefangenensyndrom

Ich will gar keine neue Totalitarismustheorie verkünden. Dass man NPD und Linke nicht in einen Topf werfen sollte, weiß ich auch. Was beide Parteien aber eint, sind neben den aggressiven Warnfarben vor allem die simplen "Rauf, Runter, Weg, Her mit"- Parolen. Gregor Gysi bekennt sich bei Hintergrundgesprächen in der Hauptstadt ganz offen zur plakativen Rhetorik seiner Partei. Damit würde man den Rechten das Wasser abgraben. Populismus im Dienste der antifaschistischen Staatsräson sozusagen. Aber platte Parolen bleiben platt, und vielleicht hat die Linke mit ihren flachen Kampagnen in der Vergangenheit erst den rot-weiß-schwarzen Teppich für die braune Konkurrenz ausgelegt.

Bevor Kristin Asbjornsen den lieben Gott in der Schinkel-Kirche um Regen gebeten hat, sollte am Samstagabend im Foyer des Schlosses eigentlich ein Gespräch stattfinden: Sir Ralf Dahrendorf im Dialog mit Adam Michnik. Das wäre spannend geworden, ein liberaler deutsch-britischer Vordenker im Gespräch mit einem linksliberalen polnischen Intellektuellen. Die beiden wären dem rot-weiß-schwarzen Oderland sicher auf den Grund gegangen.

DDR-Nostalgie im Oderland

Leider ist Dahrendorf in diesem Sommer gestorben, deswegen diskutierten Michnik und Dahrendorf nur in meinem Kopf. Ist der Populismus auf dem Vormarsch? "Aufklärung ist das Einzige, was wir haben", antwortete Dahrendorf, "man kann nicht die eigene Position dogmatisieren und sie mit Machtmitteln durchsetzen. Manchmal ist man eben in der Minderheit."

Herr Michnik, warum sehnen sich auch hier im Oderland eigentlich so viele Menschen nach der DDR zurück? "Ich nenne das Gefangenensyndrom", hätte Michnik dann gesagt. "Solange der Mensch im Gefängnis sitzt, träumt er von der Freiheit. Doch im Gefängnis hat er eine gewisse Sicherheit. Er weiß, wann er essen, schlafen, sich waschen wird. Wenn er aus dem Gefängnis kommt, ist er zwar frei, aber die Sicherheit ist weg." Unruhe im Schlossfoyer. "Er beginnt sich zu sorgen: Mein Gott, wo werde ich schlafen, was werde ich essen, wie werde ich wohnen? Und er fängt an, sich nach dem Gefängnis zu sehnen."

Das Gespräch nahm gerade Fahrt auf, da waren wir plötzlich in Polen. Der schwarz-weiß-rote Spuk war hier zu Ende. Keine platten Parolen, nirgends.

Und plötzlich sieht es aus wie im Pompeji

Am polnischen Oderufer liegt die Festung Küstrin. Nur die dicken, ziegelroten Außenmauern zum Wasser hin sind noch intakt, die Anlage und die Altstadt wurden nach dem Ersten Weltkrieg (auf alliierten Befehl) und in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Die Polen legten das Areal nun wieder frei, und im orangefarbenen Abendlicht sieht es an der Oder plötzlich aus wie in Pompeji. Vielleicht hat der rot-weiß-schwarze Rauf-Runter-Nieder-Spuk hier in der Festung Küstrin begonnen, und zwar beim Morgengrauen des 6. November 1730.

Um viertel vor Acht, die Sonne steht noch nicht lange am Himmel, schlägt der Königliche Hof- und Leibmedicus Martin Coblentz dem 26-jährigen preußischen Offizier Hans Herrmann von Katte mit chirugischer Präzision das Haupt ab. Der Rumpf des zum Tode Verurteilten verharrt noch ein paar Sekunden auf einem Sandhaufen - wegen des Blutes, man duldet keine roten Flecken in der Festung. So war auch der Tod in Preußen stets sauber geregelt. Das alles muss der junge Kronprinz Friedrich, der sich von Küstrin aus mit seinem Freund Katte nach England einschiffen wollte, mit ansehen.

Hässliche Flecken in Brandenburg

Die Flucht vor dem gnadenlosen Vater misslang. Aus dem verzweifelten Kronprinz wurde Friedrich der Große, mit den bekannten Folgen für Deutschland, Polen und Europa. Natürlich kann man dem Preußenkönig nicht die anschließende Weltgeschichte und die aggressiven Plakate im Oderland in die Schuhe schieben. Aber die Flucht nach England hätte man Friedrich und Hans Herrmann doch gegönnt. Jedenfalls ist es, Wahlkampf hin oder her, beruhigend zu wissen, dass heute die Polen ihr Andenken in Küstrin bewahren.

Vom neuen Europa aus betrachtet wirken die hässlichen Flecken in Brandenburg jedenfalls wieder sehr klein. Und mit dieser Gewissheit aus dem Märkischen Oderland geht es dann frisch in die letzte Woche: "Rain, Oh Lord!"

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insgesamt 1604 Beiträge
aqualung 18.09.2009
Denke, dass die FDP z.Zt. noch zu hoch gehandelt wird und im Endeffekt knapp unter 10 % landen wird. Am Ende wird Rot-Rot-Grün rechnerisch möglich sein und die SPD wird sich panisch in die GroKo flüchten - auf die Argumentation [...]
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Denke, dass die FDP z.Zt. noch zu hoch gehandelt wird und im Endeffekt knapp unter 10 % landen wird. Am Ende wird Rot-Rot-Grün rechnerisch möglich sein und die SPD wird sich panisch in die GroKo flüchten - auf die Argumentation bin ich gespannt...
zbigbrz 18.09.2009
Was gibt's da zu bewerten? Wahlkampf fand doch nicht statt. Das Merkel fährt im Schlafwagen zurück ins Kanzleramt.
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Was gibt's da zu bewerten? Wahlkampf fand doch nicht statt. Das Merkel fährt im Schlafwagen zurück ins Kanzleramt.
Machtbesessen 18.09.2009
Das Finale ist gut. Die beiden Kanzlerkandidaten sind bald auf Augenhöhe. Beide haben dafür Ihr bestes dafür gegeben.
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Das Finale ist gut. Die beiden Kanzlerkandidaten sind bald auf Augenhöhe. Beide haben dafür Ihr bestes dafür gegeben.
Brand-Redner 18.09.2009
Frei nach Shakespeare: Ist es auch Blödsinn, so hat es doch Methode. Ich würde sie "hochschreiben" nennen, denn die gebetsmühlenartige Wiederholung utopischer "Umfragewerte", scheinbar ein Mantra des [...]
Zitat von aqualungDenke, dass die FDP z.Zt. noch zu hoch gehandelt wird und im Endeffekt knapp unter 10 % landen wird .
Frei nach Shakespeare: Ist es auch Blödsinn, so hat es doch Methode. Ich würde sie "hochschreiben" nennen, denn die gebetsmühlenartige Wiederholung utopischer "Umfragewerte", scheinbar ein Mantra des politischen Mainstreams, soll doch nichts anderes werden als eine selbsterfüllende Prophezeiung nach dem Motto: Es gibt genügend Lemminge, die sich wirklichen und auch erdachten Mehrheiten anschließen. Die wählen schon deshalb den angepriesenen Favoriten, um nachher stolz sagen zu können: "Ich habe es ja richtig gemacht!" Doch die neoliberalen Volksverführer haben - wen wundert's - bis dato nichts aus der Finanzkrise gelernt: Die maßlose Überbewertung eines dubiosen "Produktes" führt früher oder später zum totalen Wertverlust. Der könnte in diesem Falle am 27. September erfolgen - mein Mitleid hält sich aber schon heute in Grenzen...
pssst... 18.09.2009
Schlaftabeltten sind dagegen reine Aufputschmittel.
Zitat von sysopWahl-Countdown: Die Parteien ringen um die Gunst der Deutschen. Wie bewerten Sie das Finale des Bundestagswahlkampfs und die Auftritte der Kandidaten?
Schlaftabeltten sind dagegen reine Aufputschmittel.
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