Bundestagswahl: Deutschlands Ausreißer-Wahlkreise

Von Christina Elmer, Christina Hebel und Katharina Peters

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Freudentaumel: CDU-Anhänger feiern das Wahlergebnis in Berlin

Wo haben die Union und die AfD am meisten zugelegt? Wo sind die Liberalen und die Grünen am stärksten abgestürzt? Hier sehen Sie die Wahlkreise, in denen die Gewinne und Verluste der Parteien am deutlichsten zu spüren sind. Ein Überblick.

Hamburg - Die einen fallen tief, die anderen können jubeln - bei den Zweitstimmen legt insbesondere die Union zu, auch die SPD steigert ihr Ergebnis leicht. Die kleineren Parteien wie FDP, Linke und Grüne haben teilweise deutlich an Zustimmung verloren. Zur großen Überraschung wurde die erst im April neu gegründete AfD.

Sehen Sie hier, wo die Gewinne und Verluste der Zweitstimmen im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl besonders ausgeprägt sind. Die Grafiken basieren auf dem vorläufigen amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters.

Klicken Sie auf die Ortsnamen und auf die Ergebnisbalken, um weitere Details zu sehen:

Die Gewinner-Parteien

Wo die SPD besonders zugelegt hat: Die SPD hat keinen Grund zum Jubeln, sie liegt unter dem erhofften Wahlergebnis. Dennoch hat sie leicht gewonnen: insgesamt 2,7 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen. Einen besonders großen Sprung haben die Genossen in Saarbrücken gemacht. Dort konnten sie sich ihr Ergebnis um ein Drittel auf 31,1 Prozent der Zweitstimmen steigern.

Wo die AfD am stärksten ist: In Görlitz holt die Euro-kritische Alternative für Deutschland aus dem Stand 8,2 Prozent der Zweitstimmen - ein bundesweiter Rekord für die vor wenigen Monaten gegründete Partei. Dafür verliert die FDP mehr als zehn und die Linke mehr als fünf Prozentpunkte. Die NPD erreicht 4,2 Prozente (minus 1,2 Punkte).

Wo die Union triumphiert: Der große Wahlsieg der Union überraschte selbst die eigenen Anhänger. CDU und CSU konnten ihr Ergebnis in vielen Wahlkreisen verbessern - besonders deutlich aber im brandenburgischen Uckermark-Barnim I. Hier erzielt die CDU 36,8 Prozent der Zweitstimmen, vor vier Jahren waren es noch 23,9 Prozent.


Die Verlierer-Parteien

Wo die FDP am stärksten abgestürzt ist: Von 9,7 Prozent auf 1,9 Prozent - nirgendwo sonst haben die Liberalen so verloren wie in Rostock. Viele der Stimmen der Ex-FDP-Anhänger gingen wohl an die CDU, sie verzeichnete einen Zuwachs von 9,9 Prozentpunkten im Vergleich zu 2009.

Wo die Grünen am meisten Schwund erlitten haben: Im Berliner Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf erreichten die Grünen noch vor vier Jahren sieben Prozent der Zweistimmen, jetzt sind es gerade einmal 3,9 Prozent. Im Nordosten der Hauptstadt lag die Wahlbeteiligung nur bei 65,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist vor allem in den Plattenbau-Siedlungen des Bezirks hoch, viele Menschen sind dort politikmüde und parteienverdrossen.

Die AfD schafft hier aus dem Stand 6,4 Prozent - wohl auch auf Kosten der Linken, die ordentlich verlor. Die NPD legte auf 3,9 Prozent (ein Plus von 0,9 Prozentpunkten) zu. Die Rechtsextremen hatten vor der Wahl massiv Stimmung gegen ein neues Asylbewerberheim in dem Bezirk gemacht. Immerhin: Auch CDU und SPD verzeichnen mehr Stimmen.

Wo die Linke verloren hat: Linken-Fraktionschef Gregor Gysi wusste das Wahlergebnis in einen glänzenden Sieg umzudeuten: Seine Partei sei nun die drittstärkste Kraft im Bundestag, erklärte er am Sonntag. Doch tatsächlich hat die Linke im Vergleich zu 2009 bei den Zweitstimmen 3,3 Prozentpunkte verloren, auch sind ihr viele Direktmandate abhanden gekommen.

Besonders stark abgestürzt ist sie im Wahlkreis Schwandorf in Bayern. Konnte sie vor vier Jahren noch 8 Prozent erringen, fiel sie jetzt deutlich unter die Fünfprozenthürde auf 3,2 Prozent. Sie verlor also fast zwei Drittel ihrer Stimmen.


Das geteilte Berlin: Die Hauptstadt vereinigt gleich zwei Besonderheiten: In Berlins Nordwesten haben die Wähler in Reinickendorf fast genau so gewählt wie Deutschland insgesamt. Das Zweitstimmen-Ergebnis weicht nur wenige Zehntelprozentpunkte vom Bundesergebnis der sechs großen Parteien ab.

Im Osten der Hauptstadt in Lichtenberg stimmten die Bürger gegen den Trend. 34,6 Prozent der Zweitstimmen gingen hier an die Linkspartei - im Bund hatte sie 8,6 Prozent erreicht. Klicken Sie hier um die Ergebnisse der beiden Wahlkreise im Detail zu sehen:

Hier finden Sie die Ergebnisse der Bundestagswahlen von 1949 bis heute - gehen Sie auf Entdeckungstour in der Wahl-Zeitmaschine:Klicken Sie hier durch die Grafiken.

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1. Die einen fallen tief,
wurzelbär 23.09.2013
die anderen können jubeln! Und die wirklichen "Sieger" können nur über ein Volk lächeln, das sich zufrieden über die ausführende diagnostische Macht, sich wieder dem wahren Staat (Götzen) zugesprochen fühlen. Glauben ist wichtig, deshalb werden die Menschen von Geburt an im " an das Glauben " erzogen, nicht zum selbstständig Denken. Wäre die Wahl so gelaufen, wie das Volk gewählt hat, hätte man den europäischen politischen Gedanken nicht mehr weiterführen können, deshalb war das Wahlergebnis schon vor der Wahl festgestanden.
2. Wieso 'immerhin'??!
spon-1254448444216 23.09.2013
Wieso wird wiedermal eine vom alternativlosen Mainstream abweichende Wahlmeinung in Marzahn negativ konnotiert um dann hinzuzufuegen, dass "immerhin" (ein paar vernuenftig Menschen???) auch SPD und CDU gewaehlt haetten. Genau mit dieser Berichterstattung hat es der Spiegel Frau Merkel ermoeglicht die Waehler einzulullen und fast zur unfassbaren absoluten Mehrheit ohne Wahlprogramm zu gelangen. Sie haben als Journalist eine Verantwortung Meinungsfreiheit und Demokretie zu foerdern und nicht Konformismus!
3. Wieso...
aletheia53 23.09.2013
... meinen eigentlich so viele, dass alle andern, die nicht ihre Meinung teilen, beeinflusst wurden oder unmündig oder dumm sind? Vielleicht wäre es hilfreich, dieses Ergebnis (mir gefällt es auch nicht!) als Spiegel der Realität zu nehmen und danach zu handeln. Wenn Atomkraftfreunde kein Endlager in ihrem Vorgarten und Windkraftfreunde keine Speicherseen bzw. Überlandleitungen vor ihrer Haustür wollen stellt sich natürlich die Frage nach der Intelligenz der Bevölkerung. Ich kann sie nicht beantworten.
4. Rechnen...
alexhapunkt 25.09.2013
...ist nicht jedermanns Sache. Ich finde bei der FDP durchaus einen härteren Absturz als in Rostock, nicht tiefer, aber höhere Verluste, z.B. in Tuttlingen-Rottweil: Von 21,9% auf jetzt "nur" noch 6,4%. Bitte entweder genauer hinschauen oder präziser formulieren...
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